Eine Schreinerei digitalisiert

Industrie 4.0: Eine Schreinerei digitalisiert Planet Wissen 21.11.2018 03:19 Min. Verfügbar bis 21.11.2023 ARD-alpha

Industrie 4.0

Eine Schreinerei digitalisiert

Von Tanja Fieber und Christian Friedl

Die Schreinerei Ackermann im unterfränkischen Wiesenbronn hat frühzeitig umgestellt und den Betrieb digitalisiert. Das hat sich ausgezahlt: Das erste Großprojekt war ein Modell für die Elbphilharmonie in Hamburg. Inzwischen kommen Aufträge aus der ganzen Welt.

Die Daten für das Modell der Elbphilharmonie gab es nur in 3-D. Das war im Jahr 2007. Hätte der Schreinerbetrieb Ackermann die Daten nicht verarbeiten können, wäre der Auftrag nicht machbar gewesen. Der Besitzer und Studiogast, Frank Ackermann, sagt: "Wir waren gut vorbereitet. Es war aber der erste Auftrag, bei dem das durchgängig geklappt hat." Ackermann betont: Digitalisieren geht nicht von heute auf morgen.

"Wir hatten nicht vor, weltweite Aufträge zu machen. Dadurch, dass wir komplexe Geometrien realisieren können, kamen auch verschiedene [Auftraggeber] aus dem Ausland auf uns zu."

Frank Ackermann

Schreinern mit Skype und Computer

Digitalisierte Schreinerei Georg Ackermann GmbH

Kunden-Gespräch per Skype

Inzwischen bekommt die Schreinerei aus Wiesenbronn auch Aufträge aus Übersee: Ein deutschstämmiger Architekt bestellt eine Theke mit Sonderform für einen kanadischen Kunden. Sie ist weiß, stark gebogen und hat abgerundete Ecken. So extrem gebogenes Holz können nicht viele Schreinerbetriebe anbieten.

Ackermann, einer seiner Schreiner und der Architekt besprechen das Projekt per Skype. Die Daten für das Möbelstück kommen per Computer. Der Schreiner verschafft sich einen Überblick über das Bauteil und die Maße der Theke und ändert etwas, falls nötig.

Die Theke wird zuerst zur Besprechung am Computer mit dem 3-D-Programm CAD gebaut, dann wird das Holz per Laser geschnitten. Die Mitarbeiter der Firma haben sich fortgebildet, um den Laser bedienen und digital arbeiten zu können. Für den Bau der Theke brauchen die Schreiner aber auch handwerkliches Fachwissen und praktische Erfahrung im Möbelbau. Das kann kein Computer ersetzen.

Fachwissen und ständige Fortbildung

Zusammengefasst heißt das: In digitalen Industriebetrieben kommen viele neue Anforderungen hinzu, aber auch Fachwissen und handwerkliche Fähigkeiten wie Lackieren, Beizen, Schleifen und Hobeln haben nicht ausgedient. Ackermann betont, dass auch Fremdsprachenkenntnisse und Auslandsaufenthalte sehr nützlich sind. Dazu kommt Risikobereitschaft und der Wille zu investieren. Frank Ackermann selbst ist das beste Beispiel dafür:

"Das ist eine Grundvoraussetzung, dass man auch mit recht hohen Schulden noch schlafen kann, sonst sollte man das lieber nicht machen. Wir haben die letzten zwölf Jahre ungefähr das Dreifache vom Branchenschnitt investiert, um uns ein Stück nach vorne zu bewegen."

Frank Ackermann

Begriffe der Industrie 4.0

  • Studiogast Thomas Zeller: "'Internet der Dinge' (IoT) heißt, man baut Sensoren in Geräte ein und kann sie dann ans Internet anschließen. Dann hat man eine gewisse Intelligenz. Künstliche Intelligenz dagegen kann neben mechanischer auch Denk-Arbeit automatisieren."
  • Industrie 4.0: 4.0 steht für die vierte industrielle Revolution, die eingeläutet werden soll. Sie folgt auf die Einführung der Wasser- und Dampfkraft Anfang des 18. Jahrhunderts, der Massenproduktion mit Hilfe von mechanischer Energie zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dem Einsatz von Elektronik und IT in den 1970er-Jahren. Salopp gesagt: Nachdem die Dampfmaschine, das Fließband und der Computer erfunden wurden, soll nun smartes Arbeiten durch Vernetzung industrielle Prozesse beschleunigen und effektiver gestalten.
  • KI: Steht für künstliche Intelligenz und bezeichnet ein Gebiet der Informatik, das sich damit beschäftigt, wie Computer und Roboter menschliches Denken nachahmen und komplexe Aufgaben selbstständig lösen können.

Stand: 26.10.2017, 10:00

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