Lebensmittelüberwachung

Der Frikadellen-Schein Planet Wissen 25.07.2017 02:16 Min. Verfügbar bis 26.01.2022 SWR

Essen

Lebensmittelüberwachung

Von Martina Janning

Wer in Deutschland Essen herstellt, verarbeitet oder verkauft, wird von der amtlichen Lebensmittelkontrolle überwacht. Sie soll Kunden vor Krankheiten durch schlechte Hygiene und Keime schützen. Verbraucherschützern reicht das nicht aus: Sie fordern mehr Transparenz durch eine Hygiene-Ampel.

Schutz vor Krankheiten und Verbrauchertäuschung

Essen soll gut und sicher sein. Deshalb gibt es in Deutschland eine amtliche Lebensmittelüberwachung. Sie ist Sache der Bundesländer. Diese organisieren die Kontrolle von Betrieben, die Lebensmittel herstellen, verarbeiten und verkaufen.

Zuständig vor Ort sind die Behörden der Land- und Stadtkreise. Dort arbeiten amtliche Lebensmittelkontrolleure, die dafür sorgen, dass die geltenden Gesetze und Vorschriften eingehalten werden.

So ist die Lebensmittelüberwachung in Deutschland organisiert:

Lebensmittelkontrolleure statten den Gastwirten und Imbissbetreibern ohne Ankündigung Besuche ab, um in deren Küchen, Lager- und Verkaufsräume zu schauen.

Dabei überprüfen sie, ob die Hygiene passt und keine veralteten Nahrungsmittel verarbeitet werden. Sie nehmen auch Proben vom Essen und lassen in einem Labor Inhaltsstoffe, Keime und das Einhalten gesetzlich festgelegter Höchstmengen analysieren.

Zu den Aufgaben der amtlichen Lebensmittelkontrolleure gehört es außerdem, die Vollständigkeit und Korrektheit der Speise- und Getränkekarten zu überprüfen.

Sind alle Zusatzstoffe und Allergene richtig angegeben? Bekommen die Gäste das, was auf der Karte steht – oder tischt der Gastwirt statt des angekündigten Hinterschinkens nur ein preisgünstigeres Schinkenimitat auf? Wird tatsächlich reiner Saft ausgeschenkt oder bloß minderwertiger Nektar?

Alle diese Kontrollen dienen dem Schutz der Verbraucher vor Täuschung, Betrug und Krankheiten.

Frau hält sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Bauch.

Lebensmittelkontrolle schützt vor Krankheiten

Hygienemängel sind weit verbreitet

Die Zahl der Mängel, die amtliche Lebensmittelkontrolleure bei Inspektionen feststellen, sind seit Jahren unverändert: Jeden vierten überprüften Betrieb beanstandeten sie im Jahr 2015 in Deutschland. Das sind genauso viele Betriebe wie in den Vorjahren. Dies teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mit, das die Zahlen der Länder bündelt und veröffentlicht.

Am häufigsten beanstandeten die Kontrolleure demnach die allgemeine Betriebshygiene (48 Prozent), gefolgt von der Lebensmittelkennzeichnung und -aufmachung (26 Prozent) und Mängeln im Hygienemanagement (21 Prozent).

Kontrolliert wurden knapp 44 Prozent der 1,21 Millionen registrierten Betriebe, die in Deutschland Lebensmittel herstellen, bearbeiten oder verkaufen.

Streitobjekt Hygiene-Ampel

Wegen der zahlreichen Beanstandungen fordern Verbraucherschützer eine sogenannte Hygiene-Ampel. Schon draußen an der Tür sollen Kunden den Hinweis finden, ob sich das Lokal im grünen Bereich bewegt – es also bei der letzten amtlichen Lebensmittelkontrolle keine Beanstandungen gab.

Ein rotes Zeichen am Eingang soll auf große Mängel hinweisen.

Ist die Hygiene-Ampel eine gute Idee? Planet Wissen 25.07.2017 04:49 Min. Verfügbar bis 10.01.2022 SWR

Ein ähnliches System mit Smileys hatte der Berliner Bezirk Pankow im Frühjahr 2009 eingeführt. Für die Bewertung der Betriebe gab es fünf Abstufungen von "sehr gut" bis "nicht ausreichend", die Verbraucher im Internet nachlesen konnten.

Bei den Kontrollen wurden Negativpunkte vergeben – je mehr Punkte ein Betrieb hatte, desto schlechter schnitt er ab. Nach der erfolgreichen Klage eines Lebensmittelbetriebes musste der Bezirk die Liste jedoch aus dem Netz nehmen.

Das Vorbild für das Smiley-System lieferte Dänemark. Dort wurde der Hygiene-Smiley schon im Jahr 2001 eingeführt. Die Erfahrungen sind positiv – die Hygiene in den Betrieben hat sich nachweislich verbessert.

In Deutschland streiten Befürworter und Gegner über die Hygiene-Ampel. Die Verbraucherorganisation "Foodwatch" hebt vor allem ihre präventive Kraft hervor.

Dagegen fürchtet der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, dass Gastwirte über Monate mit einer schlechten Bewertung leben müssen, weil Nachkontrollen nicht zeitnah stattfinden – auch wenn die Mängel längst beseitigt sind.

Dabei ist die Einführung der Hygiene-Ampel in Deutschland eigentlich beschlossene Sache. Schon im Jahr 2011 hatten die Verbraucherschutzminister der Länder sich darauf verständigt.

In Nordrhein-Westfalen wurde zwar 2017 die Einführung einer Hygiene-Ampel im so genannten "Kontrollergebnis-Transparenz-Gesetz" beschlossen – doch schon ein Jahr später wieder abgeschafft, weil die Kritik zu groß war.

Ein gelbes Smiley auf einer Gabel.

Dänemark setzt auf ein Smiley-System

Stand: 22.07.2019, 14:00

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