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Depressionen

Winterdepression

Gibt es die Winterdepression wirklich?

Die kurzen und dunklen Wintertage schlagen vielen Menschen in unseren Breitengraden aufs Gemüt. Etwa ein Viertel der Bevölkerung klagt über Müdigkeit und Abgeschlagenheit im Winter. Ursache für dieses Stimmungstief ist wahrscheinlich ein Mangel an natürlichem Tageslicht. Denn in beleuchteten Innenräumen bei Neonlicht beträgt die Lichtstärke nicht mehr als 300 Lux.

Die meisten Menschen verbringen ihre Wintertage in geschlossenen Räumen. Das menschliche Gehirn interpretiert diesen Beleuchtungsgrad als "Nacht" und schüttet Melatonin aus – ein Hormon, das müde macht und die Körperfunktionen auf Sparflamme schaltet.

Bei leichteren Depressionen gibt es deshalb ein einfaches Rezept: Raus in die Natur! Mediziner empfehlen, vor allem in den Morgen- und Mittagsstunden möglichst viele "Lichteinheiten" aufzufangen. Ein Waldspaziergang am Mittag bietet mehr Helligkeit als eine Lampe.

Selbst an bedeckten Tagen liefert er eine Lichtleistung von mehr als 2500 Lux – genug Licht, um die Produktion des Hormons Serotonin anzukurbeln, das den Körper in den "Tag-Modus" versetzt. Auch der natürliche Stimmungsaufheller Johanniskraut wird von vielen Experten bei leichten Depressionen empfohlen.

Frau beim Joggen im Wald

Bewegung im Freien kann helfen

Einige Menschen kommen aus einem solchen wetterabhängigen Stimmungstief nicht mehr heraus. Sie leiden eventuell an einer tatsächlichen Depression, die in der Fachsprache "saisonal abhängige Depression" (SAD) – und im Volksmund Winterdepression – genannt wird. Ulrich Hegerl, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, weist aber darauf hin, dass nur ein kleiner Teil aller Menschen tatsächlich unter der Form der saisonal abhängigen Depression leidet.

Winterdepressionen sind in den letzten Jahren immer stärker ins Gespräch gekommen. Die saisonal abhängige Depression ist aber aus Sicht vieler Fachleute viel weniger weit verbreitet als allgemein angenommen – viel öfter handelt es sich um eine leichtere depressive Verstimmung.

Wie bei anderen Depressionsformen sind bei der SAD anhaltende Traurigkeit und Antriebslosigkeit die Hauptsymptome. Anders als bei anderen Depressionsformen leiden Betroffene einer Winterdepression aber unter einem erhöhten Schlafbedürfnis und haben anstelle der sonst üblichen Appetitlosigkeit oft ein großes Hungergefühl oder einen Heißhunger auf Süßes.

Viele Fachleute empfehlen Betroffenen zunächst eine so genannte Lichttherapie. Die Therapie erfolgt durch eine tägliche Bestrahlung mit Tageslichtlampen mit einer Lichtstärke bis zu 10.000 Lux. UV-Filter sollen Schäden durch ultraviolette Strahlung vermeiden.

Lichttherapie

Eine Lichttherapie kann gegen depressive Verstimmung in den dunklen Monaten helfen

Solarien können den Effekt von Tageslichtlampen nicht erzielen, sie sind gesundheitsgefährdend. Bei vielen Patienten reicht die Lichttherapie nicht aus, Ärzte raten ihnen zu der Einnahme von Antidepressiva. Auch die saisonal abhängige Depression sollte ärztlich behandelt werden. Ob Lichttherapie oder Antidepressiva – die Behandlungsmöglichkeiten sind sehr gut.

Autorinnen: Annette Holtmeyer/Britta Schwanenberg

Stand: 28.02.2018, 08:46

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