Ebola-Therapien

Ebola

Ebola-Therapien

Obwohl man schon seit vielen Jahrzehnten Ebola-Viren kennt, gibt es immer noch kein befriedigendes Behandlungskonzept. In der Regel versuchen die Ärzte bisher infizierte Patienten zu stabilisieren: sie mit ausreichend Flüssigkeit und Nahrung zu versorgen und weitere Infektionen zu verhindern. Dringend notwendig wären aber Ebola-spezifische Medikamente oder Impfstoffe. Es gibt verschiedene interessante Ansätze, von denen manche schon am Menschen erprobt werden.

Die aktive Schutzimpfung

Hand hält Petrischale mit Ebola-Beschriftung

Dringend benötigt: wirksame Ebola-Therapien

Die aktive Schutzimpfung basiert auf einer Impfung mit lebenden Stomatitis-Viren. Sie sind genetisch so manipuliert, dass ihre Oberflächen in manchen Bereichen wie die eines Ebola-Virus aussehen. Das Immunsystem des Körpers reagiert auf die Imitate und bildet Antikörper gegen die vermeintlichen Ebola-Proteine. In Tierversuchen wurde dieser Impfstoff an Menschenaffen erfolgreich getestet. Sie bildeten die erwünschten Antikörper gegen Ebola-Viren und waren nach zwei Wochen dauerhaft immun. Erste Studien zur Untersuchung des Impfstoffes am Menschen laufen. Vorteil: Man kann Menschen so prophylaktisch gegen eine Ebola-Infektion schützen. Nachteil: Das vorgehaltene Präparat muss ständig auf minus 20 Grad gekühlt werden. Das könnte den Einsatz in abgelegenen Krisengebieten erschweren.

Passive Schutzimpfung

Spritze zieht Serum aus der Ampulle

Eine Schutzimpfung als präventive Maßnahme

Ein weiterer Therapieansatz besteht in der direkten Gabe von bereits produzierten Antikörpern gegen das Ebola-Virus. Prototypen eines solchen gentechnisch hergestellten Impfstoffes gibt es schon. ZMapp ist das bekannteste Beispiel. Aber Zmapp zeigte auch: Die Wirksamkeit gentechnisch hergestellter Antikörper gegen Ebola ist nicht immer unbedingt hundertprozentig gegeben, nicht alle der mit ZMapp behandelten Patienten konnten gerettet werden. Es besteht der Verdacht, dass vielleicht einige der erfolgreich behandelten Patienten auch eine natürliche Immunität gegen die Ebola-Viren entwickelt hätten. Hier ist weiterer Forschungsbedarf erforderlich. ZMapp ist bisher nicht zugelassen und muss zunächst klinische Studien durchlaufen, bevor an eine Zulassung zu denken ist. Vorteil der passiven Schutzimpfung: Sie wirkt im Prinzip sofort und sollte auch bereits infizierten Personen helfen.

Notimpfung mit Immunseren

Hand mit Handschuh hält Ampulle

Therapie mit dem Blut ausgeheilter Patienten

Wenn Menschen eine Ebola-Infektion überstehen, befinden sich in ihrem Blut Antikörper gegen die gefährlichen Viren. Sie schützen ihren Körper bei einer Neuinfektion, denn ihr Immunsystem kann bei erneutem Kontakt schnell auf die Ebola-Viren reagieren und diese unschädlich machen. Wenn man Patienten Blutserum von ausgeheilten Patienten spritzt, kann das helfen. Eine solche Notimpfung wurde schon vor 20 Jahren bei einer Ebola-Epidemie im Kongo erfolgreich angewendet. Aber auch die Notimpfung hilft nicht immer, da jeder Mensch unterschiedliche Mengen von Antikörpern bildet und so nicht immer sichergestellt werden kann, dass eine genügend hohe Antikörpermenge auf einen infizierten Patienten weitergegeben wird. Ein weiterer gravierender Nachteil der Methode: Im Blutserum der Spender können sich auch Erreger anderer Krankheiten wie HIV, Hepatitis C oder Malaria befinden. Jede Blutprobe müsste genau untersucht werden, bevor sie für eine Behandlung eingesetzt werden kann. In den betroffenen Ländern ist dies ein unlösbares logistisches Problem.

Antivirale Medikamente

Da es sich bei Ebola um eine Virus-Infektion handelt, sollten auch antivirale Medikamente, wie sie zum Beispiel gegen Influenza ("Grippe") entwickelt werden, helfen können. Auch diese Therapieform wird intensiv diskutiert und erforscht. Ein Beispiel: der "Grippe-Wirkstoff T705". Es ist als Grippemittel erprobt und zugelassen. Das bereits in Tablettenform vorliegende Medikament stört die Viren-Produktion in der Wirtszelle. Erste Versuche an Mäusen zeigen, dass das Mittel gegen ein breites Spektrum von Viren wirksam ist, so auch gegen Ebola. Ein vielversprechender Ansatz, der aber bislang noch nicht an Ebola-Infizierten erprobt wurde.

Fazit

Alle vorhandenen therapeutischen Ansätze zur Prävention oder Behandlung von Ebola sind hoch experimentell und ihre Wirksamkeit ist noch nicht zur Genüge am Menschen erprobt.

Die Arbeit von Ärzten und Helfern beschränkt sich daher auf die Behandlung von Symptomen der Erkrankten. Allerdings scheint eine frühe Diagnose und schnelle medizinische Versorgung mit genügend Flüssigkeit, der nötigen Hygiene und gegebenenfalls der Gabe von Antibiotika und Schmerzmitteln die Überlebenschancen zu steigern.

Autor/in: Dr. Ulrike Brandt-Bohne

Stand: 20.01.2015, 12:00

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