Die Ehec-Epidemie von 2011

Die Ehec-Epidemie 2011 – ein Rückblick Planet Wissen 24.03.2017 02:03 Min. Verfügbar bis 18.05.2021 SWR

Bakterien

Die Ehec-Epidemie von 2011

Mit dem Wort Ehec verbindet sich eine der größten Epidemien, die Deutschland bisher erlebt hat. Im Frühsommer 2011 infizierten sich mehr als 3800 Menschen mit den gefährlichen Darmbakterien, 53 starben. Der Keim gab Ärzten und Wissenschaftlern Rätsel auf. Einige sind inzwischen gelöst.

Sprossen aus Bockshornkleesamen lösten die Epidemie aus

Zwei Monate, die es in sich hatten: Von Anfang Mai bis Anfang Juli 2011 breitete sich ein Ehec-Erreger rasant in Deutschland aus. Als Quelle der Epidemie identifizierten die Behörden Sprossen aus Bockshornkleesamen, die aus Ägypten importiert worden waren.

Eine Indizienkette sprach für die Keimlinge, einen Nachweis der Ehec-Bakterien auf den betreffenden Sprossen gab es aber nicht.

Der Grund dafür könnte sein, dass der Erreger mit dem Namen O104:H4 in eine Art Schlafzustand fallen kann, vermuten heute die Ehec-Experten des Robert-Koch-Instituts. In diesem Schlafzustand, den Mikrobiologen von anderen Bakterien kennen, ist der Keim zwar da, aber nicht nachweisbar.

Was den Ehec-Erreger in einen Schlafzustand versetzen könnte, wissen die Forscher derzeit nicht. Unbekannt ist auch, wie die Keime aus dem menschlichen Darm auf die Sprossen gelangen konnten. Vielleicht war schlechte Hygiene schuld, vielleicht ein Leck im Abwassersystem. Das wird sich wohl nicht mehr klären lassen.

Besonders aggressiver Ehec-Keim

Der Erreger, der die Epidemie auslöste, ist äußerst aggressiv. Schon wenige Keime des O104:H4 reichen aus, um eine Infektion zu verursachen. Außerdem heften sich die Bakterien besonders fest an die Zellen der Darmwand, indem sie eine Schleimschicht bilden und sich darin einbetten – einen sogenannten Biofilm.

Die starken Entzündungen, die dadurch entstehen, sind ein Einfallstor für das Gift des Keims, das Shiga-Toxin. Es gelangt ins Blut und zerstört dort die roten Blutkörperchen. Die Blutplättchen verklumpen und die Reste der Blutkörperchen wandern als Blutgerinnsel durch den Körper und verstopfen die kleinen Blutgefäße.

Das kann Gehirn und Nieren schädigen – und im schlimmsten Fall zu Organversagen und dem Tod führen.

Wer ist Ehec O104:H4? Ein Täterprofil Planet Wissen 24.03.2017 01:55 Min. Verfügbar bis 18.05.2021 SWR

2011 machte der Erreger O104:H4 mehr Frauen als Männer so schwer krank, dass sie ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) bekamen. Der Grund dafür war nicht eine größere Vorliebe für Gemüse und Salat, wie damals gemutmaßt wurde.

Neurologen der Uniklinik Münster haben mittlerweile herausgefunden, dass das weibliche Gehirn mehr Andockstellen für das Gift des Keims besitzt.

Folgen der Ehec-Epidemie

Die meisten Opfer der Ehec-Epidemie von 2011 sind weitgehend wieder gesund. Doch einige erlitten bleibende Hirnschäden. Manche Schwerkranke mit HUS erlitten außerdem Nierenschäden und müssen regelmäßig zur Dialyse, berichtet Professor Jan T. Kielstein, der während der Epidemie HUS-Patienten an der Medizinischen Hochschule Hannover behandelte.

Überdies berichten ehemalige Schwerkranke von Reizdarm-Problemen, Bluthochdruck und Sehstörungen. Sie erleben Flashbacks wie bei einer posttraumatischen Belastungsstörung, können sich schlecht konzentrieren und haben Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis.

Damit sich die Gesundheit der Epidemie-Opfer nicht verschlechtert, rät Nierenspezialist Kielstein zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Denn bereits eine einmalige Dialysebehandlung erhöhe das Risiko für eine spätere Nierenerkrankung, warnt er.

Autorin: Martina Janning

Stand: 13.08.2018, 10:11

Darstellung: