Göttliche oder dämonische Krankheit?

Porträtaufnahme des Schriftstellers Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Epilepsie

Göttliche oder dämonische Krankheit?

Von Gregor Delvaux de Fenffe

Julius Cäsar hatte sie ebenso wie Napoleon Bonaparte. Auch Lenin war betroffen, Dostojewski und van Gogh litten darunter. Rudi Dutschke ist sogar an ihren Folgen gestorben. Die Rede ist von Epilepsie. Die Menschen haben der geheimnisvollen Erkrankung seit jeher eine große Bedeutung zugemessen und sich viele Namen für sie ausgedacht. Doch was eine Epilepsie-Erkrankung genau bedeutet, das wissen wir erst seit wenigen Jahrzehnten.


Epilepsie – so alt wie das Leben

Die Krankheit ist eines der ältesten Beschwerden der Menschheit. Sie ist sogar älter als der Mensch selbst – denn auch bei Tieren treten Epilepsien auf. Jeder Organismus mit einem Nervensystem kann unter epileptischen Störungen leiden.

Ähnlich wie ein Stromkreislauf zusammenbrechen oder ein Computer abstürzen kann, kann das hoch komplexe Organ Gehirn auch bei der hoch entwickelten Spezies Mensch Ausfälle erleiden. Der Mensch hat sich daher seit seinen Anfängen mit dem Phänomen Epilepsie auseinandersetzen müssen. Die Babylonier berichten von der Epilepsie auf ihren Keilschrifttafeln, auch die Ägypter überliefern uns in Hieroglyphenschrift Überlegungen über das rätselhafte Leiden.

Der Begründer der Medizin, der Grieche Hippokrates, hat ein Buch über Epilepsie geschrieben: "Über die heilige Krankheit" – ein ironisch gemeinter Titel. Hippokrates spielte darauf an, dass die Priester seiner Zeit kein Mittel gegen die Epilepsie kannten und daher die Krankheit als göttlich verursacht ansahen.

Eine Krankheit also, wogegen die menschliche Heilkunst nichts auszurichten wisse. Dagegen stellte Hippokrates den nüchternen Rat des beobachtenden Arztes. Epilepsiekranke, so sagte er, brauchen viel Schlaf und er riet ihnen, dem Alkohol zu entsagen. Medizinische Unterweisungen, die rund 2500 Jahre alt sind und die auch heute noch ihre Gültigkeit haben.

Der Kupferstich zeigt den griechischen Arzt Hippokrates

Schon Hippokrates befasste sich mit der Krankheit

Morbus sacer – die heilige Krankheit

Epilepsie – "morbus sacer" – die heilige Krankheit, wurde im Laufe der Geschichte immer wieder als göttlich angesehen. Dabei ist die lateinische Bezeichnung "sacer" sehr zutreffend – "sacer" kann heilig heißen oder auch Fluch.

Die Dramatik des epileptischen Anfalls bewegte die Menschen Jahrhunderte lang dazu zu glauben, dass solch eine Krankheit nur von übernatürlichen Mächten herrühren müsse – von Göttern oder von Dämonen, die sich des Menschen bemächtigten.

Später hieß Epilepsie dann im Deutschen "Fallsucht". Sucht bedeutet ursprünglich chronisch erkrankt, da das Wort vom Verb "siechen" abstammt. Fallsucht bedeutete also: eine langwierige, andauernde Erkrankung.

Stand: 04.09.2019, 11:25

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