Hepatitis

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Hepatitis

Hepatitis, im Volksmund auch Gelbsucht genannt, ist eine tückische Krankheit: Viele Hepatitis-Formen kommen schleichend. Die Betroffenen merken oft erst nach Jahren, dass sie sich angesteckt haben. Doch dann ist die Leber häufig schon zerstört.

Eine Krankheit mit langer Geschichte

Grafik eines Hepatitis-C-Virus, eine gelbe Kugel mit einem roten Stern in der Mitte.

Schön, aber gefährlich: das Hepatitis-C-Virus

Grundsätzlich bedeutet "Hepatitis" nichts anderes als Leberentzündung. Schon im 5. Jahrhundert vor Christus wurden die Symptome der Krankheit erstmals beschrieben. Damals wusste allerdings noch niemand, wo die Hepatitis herkam und wie man sie behandeln konnte. Erst im Zweiten Weltkrieg fanden Ärzte heraus, dass in den meisten Fällen ein Virus im Spiel ist.

Der britische Arzt F. O. MacCallum unterschied 1947 erstmals zwischen den Hepatitis-Viren A und B. A wird in der Regel durch Wasser und Nahrung verbreitet. Der Hepatitis-B-Erreger kommt im Blut vor und wird durch entsprechenden Kontakt weitergegeben.

Ende der 1990er Jahre wurde dann das Hepatitis-C-Virus entdeckt. Es gilt als eines der gefährlichsten Hepatitis-Viren. Die Zahl derjenigen, die sich weltweit mit Hepatitis C infiziert haben, ist nicht genau auszumachen. Das Robert-Koch-Institut ging im Jahr 2010 von 120 bis 170 Millionen aus. Andere Experten sprechen von mehr als 300 Millionen. Mittlerweile haben die Forscher noch weitere Viren gefunden, sie werden mit den Buchstaben E und G bezeichnet.

Nicht nur die Viren sind schuld

Aber nicht jede Leberentzündung wird durch einen speziellen Hepatitis-Virus ausgelöst. Eine Hepatitis kann auch durch andere Keime, wie zum Beispiel Herpesviren oder die Erreger der Gürtelrose, hervorgerufen werden. Außerdem gehören noch bestimmte Bakterien und Parasiten zu den Verursachern. Ebenso können Alkoholmissbrauch und Medikamente zu einer Hepatitis führen.

Sehr selten sind sogenannte "Autoimmunvorgänge" für eine Hepatitis verantwortlich. In solchen Fällen bildet der Organismus Abwehrstoffe gegen körpereigene Leberzellen oder Zellbestandteile. Auch Stoffwechselerkrankungen wie die Eisenspeicher- und die Kupferspeicherkrankheit können eine Leberentzündung auslösen.

Hepatitis: Krankheit mit schlimmen Folgen

Grafik einer Leber, mit Venen und der Arterie.

Die Zerstörung einer Leber wird oft jahrelang nicht bemerkt

Fieber, Durchfall oder Muskelschmerzen sind nur einige Symptome, die bei Hepatitis auftreten können. Es ist aber auch möglich, dass die Patienten gar nicht merken, dass sie krank sind oder krank waren. Bei den Hepatitiden A oder E zum Beispiel erholt sich die Leber meistens von allein wieder. Ausnahmen gibt es, wenn die Betroffenen sehr geschwächt sind.

Die Hepatitis-Arten B, C und D können dagegen chronisch werden und schädigen die Leber dauerhaft. Dann schrumpft das Organ immer weiter zusammen, es kommt zur sogenannten Leberzirrhose. Giftstoffe werden nicht mehr abgebaut. Außerdem kann die Leber bestimmte lebensnotwendige Eiweißstoffe nicht mehr produzieren. Durch die Vernarbungen, die eine Zirrhose mit sich bringt, wird außerdem der Blutkreislauf in der Leber gestört. Weil sich das Blut dann Umgehungswege sucht, können unter anderem Blutungen in der Speiseröhre die Folge sein.

Oft tritt auch Flüssigkeit in die Bauchhöhle ein, weil wichtige Eiweiße nicht mehr produziert werden, die das Wasser in den Zellen halten. Mediziner sprechen in solchen Fällen von der Bauchwassersucht, im Fachjargon Aszites genannt. Eine Leberzirrhose kann auch Verwirrtheit verursachen, hervorgerufen durch Störungen im Proteinauf- und -abbau.

Von der Infektion bis zur Leberzirrhose können 20 bis 40 Jahre vergehen. Allerdings wird der Prozess zum Beispiel durch den Genuss von Alkohol - auch in kleinsten Mengen - stark beschleunigt. Wenn die Leber durch eine Zirrhose stark geschädigt ist, hilft nur noch eine Lebertransplantation. Es ist jedoch möglich, dass auch die transplantierte Leber wieder mit den Hepatitis-Viren infiziert wird. Eine weitere Folge von Hepatitis kann Leberkrebs sein.

Was tun bei Hepatitis?

Zwei Frauen halten jeweils ein Glas mit Weißwein. Sie lächeln in die Kamera.

Auch ein Glas Wein ist für Hepatitiskranke zu viel

Welche Therapie die richtige ist, hängt von der Art der Hepatitis ab. Wenn zum Beispiel Alkohol oder Tabletten die Leberentzündung ausgelöst haben, muss der Betroffene diese Stoffe meiden. Eine Leberentzündung, die auf eine Störung des Immunsystems zurückgeht, wird unter anderem mit Kortison behandelt. Während bei der Hepatitis A, D und E nur die Symptome behandelt werden können, werden bei den beiden Hepatitiden C und B Medikamente eingesetzt, die unter anderem die Vermehrung der Hepatitis-Viren im Körper hemmen.

Neben den Therapien können Patienten auch durch ihren Lebenswandel positiven Einfluss nehmen: Ärzte raten dazu, auf Alkohol komplett zu verzichten, sobald es erste Anzeichen für eine Leberentzündung gibt. Zudem ist es sinnvoll, sich zu informieren, ob Medikamente eingenommen werden, die eine Leberentzündung auslösen können. Eine weitere wichtige Rolle spielt die Ernährung. Fachleute empfehlen unter anderem fettarmes und ballaststoffreiches Essen - auch deshalb, weil Übergewicht bei einer Hepatitis besonders schädlich ist.

Diagnose und Vorbeugung

Es ist nicht immer leicht, eine Hepatitis zu erkennen, denn die Anzeichen passen auch zu vielen anderen Krankheiten. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Druckgefühl im rechten Oberbauch und Erbrechen sind nur einige davon. Erst im späteren Stadium können dann charakteristische Symptome folgen. Wenn zum Beispiel der Urin dunkel gefärbt ist und das Weiße in den Augen gelb wird, hängt das fast immer mit einer Leberentzündung zusammen. Manchmal kommt es außerdem zu starkem Juckreiz. Um herauszufinden, ob man unter einer der Virus-Hepatitiden leidet, wird das Blut auf entsprechende Antikörper untersucht. Ist kein Virus im Spiel, können die Leberwerte Aufschluss geben. In einigen Fällen hilft auch eine Gewebeprobe der Leber oder eine Ultraschalluntersuchung weiter.

Bei der Hepatitis gibt es in der Regel zwei unterschiedliche Verläufe. Von einer akuten Erkrankung sprechen die Ärzte, wenn die Leberentzündung plötzlich auftritt und nach wenigen Wochen wieder abklingt. Chronisch ist eine Hepatitis, wenn sie länger als sechs Monate anhält. Je nach Schwere der Infektion erholt sich die Leber wieder oder sie wird dauerhaft geschädigt.

Gegen die Hepatitisformen A und B kann man sich impfen lassen, für die anderen Virus-Hepatitiden C und E gibt es - zumindest bislang - noch keinen Impfstoff. Je nach Art der Übertragung reichen aber schon einfache Vorsichtsmaßnahmen, um einer Infektion vorzubeugen. Dazu gehören zum Beispiel geschützter Geschlechtsverkehr und der vorsichtige Umgang mit Blut. In Risikogebieten sollte man besonders auf Hygiene achten. Trinkwasser sollte zum Beispiel immer abgekocht werden. Außerdem ist es ratsam, Obst und Gemüse zu schälen, bevor man es isst.

Wer sich mit einem der Hepatitisviren angesteckt hat, ist meldepflichtig, das heißt der behandelnde Arzt muss die Erkrankung melden. Dazu ist er laut Infektionsschutzgesetz verpflichtet. Die Meldepflicht gilt immer dann, wenn die entsprechenden Erreger festgestellt wurden, unabhängig davon, ob sich der Patient auch wirklich krank fühlt.

Weiterführende Infos

Autor/in: Christiane Tovar

Stand: 27.11.2013, 12:00

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