Tipps für den Alltag

Eine Familie macht auf einer Wiese ein Picknick

Inkontinenz

Tipps für den Alltag

Auch mit den besten Vorsorgemaßnahmen kann Inkontinenz jeden treffen. Alle Inkontinenten, die gelernt haben mit ihrer Krankheit zu leben, raten zu einem offenen und vor allem mutigen Umgang mit dem Handicap. Dafür muss als erstes die psychologische Hemmschwelle überschritten werden, die den Inkontinenten scheinbar von seiner Umwelt trennt.

Tipps für den Tag

In einem ersten Schritt sollte der Inkontinente ein neues Gefühl für seinen Körper entwickeln. Dabei kann ein Kontinenz-Tagebuch hilfreich sein. Hier sollte er alle Getränke und Flüssigkeitsmengen eingetragen, die er während seines Beobachtungszeitraums zu sich nimmt.

Die benutzten Inkontinenz-Vorlagen – saugfähige Einlagen – sollten nicht direkt weggeworfen, sondern mit einer Haushaltswaage gewogen werden. Das ermittelte Gewicht, minus das Gewicht einer unbenutzten Vorlage, ergibt die ausgeschiedene Harnmenge.

Zusätzlich sollten die Aktivitäten während des Beobachtungszeitraums mit Uhrzeit notiert werden. Damit können später Rückschlüsse über das Ausmaß der Inkontinenz bei verschiedenen Tätigkeiten gezogen werden. Mit der Zeit erhält man eine Vielzahl von Einzelinformationen, aus denen sich Regeln für den Alltag ableiten lassen.

Beispiel: Wenn man normal frühstückt (0,2 Liter Kaffee, 0,2 Liter Orangensaft), gehen im Ruhezustand nach drei Stunden 50 Milliliter Urin ungewollt ab. Das heißt: Bei normaler Bewegung reicht vom Frühstück bis zur Mittagszeit eine Vorlage, die 100 Milliliter fasst, absolut aus.

Wenn der Inkontinente diese Sicherheit durch den Selbstversuch gewonnen hat, kann er Alltagssituationen unbeschwerter meistern. Wichtig hierbei ist, dass er die körperlichen Aktivitäten als Komponente mit einbezieht. Beim Radfahren zum Beispiel kann die oben als Beispiel genannte Regel schon nicht mehr gelten, da bei körperlichen Anstrengungen größere Urinmengen ungewollt abgehen können.

Die Wahl der richtigen Vorlage

Auch die Wahl der richtigen Vorlage schafft Sicherheit. Die Hersteller testen ihre Produkte unter Laborbedingungen. Im Praxiseinsatz kann es passieren, dass die Vorlage nicht hält, beziehungsweise an der Seite undicht wird, und Urin austritt. Der Grund dafür ist, dass nicht jede Vorlage optimal zur Anatomie des Trägers passt.

Besonders Männer müssen lange nach einer passenden Vorlage suchen, da die Austrittsstelle des Urins sich bei Bewegungen leicht verändern kann. Viele Anbieter von Inkontinenz-Vorlagen verschicken Gratisproben zum Testen.

Ein Arbeiter kontrolliert Inkontinenz-Windeln.

Vorlagen-Hersteller testen ihr Produkt im Labor

Tipps für die Nacht

Auch mit der richtigen Vorlage kann in der Nacht was daneben gehen. Die Betroffenen haben die Erfahrung gemacht, dass auch ein Inkontinenz-Betttuch die Matratze nicht immer sicher schützt. Deshalb legen viele zusätzlich eine Schicht Plastikfolie über das Betttuch und darüber eine Schicht Handtücher.

Die Decke sollte zweiteilig sein (Sommer/Winterdecke), damit die Seite, die mit dem Urin in Berührung gekommen ist, tagsüber von der anderen abgetrennt und gewaschen werden kann. Bei Kunststofffasern ist die Decke am Abend wieder trocken.

Informationen und Selbsthilfegruppen

Viele Inkontinente entwickeln auf der Suche nach praktischen Alltagshilfen einen erfinderischen Ehrgeiz. Doch besser als das Rad ständig neu erfinden zu wollen, ist der Erfahrungsaustausch mit Leidensgenossen. Die "Deutsche Kontinenz Gesellschaft" gibt zum Beispiel viele Infobroschüren heraus. Hier findet der Betroffene aktuelle Informationen zum Thema sowie eine bundesweite Liste mit Selbsthilfegruppen und Ärzten, die sich auf Inkontinenz spezialisiert haben.

Autor: Götz Bolten

Stand: 15.12.2017, 14:00

Darstellung: