Wissensfrage

Die Brunnenfigur Männeken Pis in der belgischen Hauptstadt Brüssel. Es ist die Figur eines nackten kleinen Jungen, der im Stehen Wasser lässt.

Inkontinenz

Wissensfrage

Spricht man auch bei nässenden Babys oder Kindern von Inkontinenz?

Kinder bis zum Alter von etwa zwei Jahren haben keine Kontrolle über ihren Harnfluss. Bettnässen gilt in diesem Alter als normal und ist mit keinerlei Tabu belegt.

Ab dem zweiten Lebensjahr nehmen Kleinkinder die Füllung ihrer Blase bewusst wahr, was aber nicht bedeutet, dass sie jederzeit die Entleerung kontrollieren können.

Erst um das fünfte Lebensjahr herum sind sie in der Lage, Urin tagsüber kontrolliert abzulassen oder einzuhalten. Bis zum siebten Lebensjahr nässen sich noch zehn Prozent der Kinder nachts regelmäßig ein.

Trotz dieser verhältnismäßig hohen Zahl an Bettnässern in dieser Altersgruppe wird die sogenannte "Enuresis nocturna" bei älteren Kindern tabuisiert. Das Bettnässen ist ihnen peinlich und sie müssen mit Einschränkungen leben, etwa, dass sie nicht bei Freunden übernachten können.

Viele Eltern glauben bis heute, dass sie Fehler bei der sogenannten Sauberkeitserziehung gemacht haben oder dass ihr Kind psychische Probleme hat.

Häufig wird das Bettnässen in der Hoffnung auf Besserung ausgesessen, obwohl schon eine einfache medikamentöse Behandlung Abhilfe schaffen kann. Eine Kombination von mehreren Hormonen sorgt dafür, dass die Harnproduktion nachts heruntergefahren wird.

Im Normalfall füllt sich die Blase nachts nicht so schnell wie tagsüber und der Harn ist dickflüssiger. Bei Kindern, deren Hormonhaushalt noch nicht ausgereift ist, füllt sich nachts die Blase genauso schnell wie tagsüber mit dünnflüssigem Urin. Ihr Schlaf ist häufig so tief, dass sie durch das Druckgefühl auf ihrer Blase nicht aufwachen. Es kommt zu einer Entleerung im Schlaf.

In weitaus weniger Fällen ist tatsächlich eine psychische Belastung die Ursache für das Bettnässen. Die Trennung der Eltern, Todesfälle oder eine neue Umgebung können auch bei schon "trockenen" Kindern zu einem Rückfall führen. Das Bettnässen ist in diesem Fall ein bewusstes oder unbewusstes Signal, dass das Kind mehr Aufmerksamkeit braucht.

Eine "Enuresis nocturna" sagt nichts über die Kontinenz im Erwachsenenalter aus. Das kindliche Bettnässen grenzt sich in seinen Symptomen und Ursachen von der Inkontinenz ab.

Inkontinente haben auch tagsüber nur eingeschränkt Kontrolle über ihren Urinfluss. Das kindliche Bettnässen tritt nur im Schlaf, also meist nachts, auf.

Bei Inkontinenz liegen häufig körperliche Defekte vor, wie etwa eine Fehlfunktion der Muskeln, die den Harn zurückhalten oder eine unzureichende Kontrolle der Blasenmuskulatur.

Autor: Götz Bolten

Stand: 15.12.2017, 14:00

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