Vorbeugen, Erste Hilfe, Heilen

Ein Kleinkind mit Mumps liegt im Bett mit Kopfwickel

Kinderkrankheiten

Vorbeugen, Erste Hilfe, Heilen

Von Britta Schwanenberg und Annette Holtmeyer

Infekte gehören zum Lernprozess des Körpers dazu. Das Immunsystem eines Neugeborenen muss Viren und Bakterien erst kennenlernen, um Abwehrkräfte aufbauen zu können.

Mehrere Infekte pro Jahr sind bei Kindern normal

Ganz vermeiden lassen sich Infekte nicht. Dennoch gibt es Tipps, wie man die Abwehrkräfte eines Kindes stärken und den Heilungsprozess unterstützen kann.

In den ersten sechs Monaten genießen Säuglinge den sogenannten Nestschutz. Antikörper der Mutter schützen sie vor Krankheiten, die ihre Mutter selbst durchgemacht hat. Verstärkt wird dieser wichtige Schutz bei gestillten Säuglingen durch die Muttermilch.

In den ersten Jahren durchläuft dann jedes Kind mehrere Infekte und bildet eigene Antikörper. Viele Kleinkinder haben fast einmal monatlich einen Infekt, meist im Bereich der oberen Atemwege. Bei Schulkindern kommt es im Schnitt zu sechs Infekten im Jahr.

Ein Mädchen niest in seine Hand.

Sechs Erkältungen pro Jahr sind bei Kindern normal

Abhärtung und Vorbeugung

"Kinder sollen ruhig einmal am Tag frieren – dies stärkt das Immunsystem." Diesen Hinweis gibt der Bielefelder Kinderarzt Uwe Büsching vor allem jenen Eltern, die ihre Kinder bereits bei zehn Grad mit dem Schneeanzug auf den Spielplatz schicken.

Und auch der Verband deutscher Kinderärzte betont auf seiner Homepage: Kinder, die besonders behütet aufwachsen, sind keineswegs gesünder. Um die Abwehrkräfte zu stärken, verordnen die Mediziner täglich frische Luft.

Wichtig ist die richtige Kleidung. Die Empfehlung lautet "Zwiebel-System": Mehrere Schichten möglichst atmungsaktiver Kleidung ermöglichen es dem Kind, sich so an- oder auszuziehen, damit es nicht schwitzt oder friert.

Auch im Haus sollte für Frischluft gesorgt werden. Ausgetrocknete Schleimhäute sind die ideale Angriffsfläche für Viren. Um Schnupfen vorzubeugen, empfehlen Ärzte deshalb regelmäßiges Stoßlüften und/oder feuchte Tücher auf der Heizung. So wird die Raumluft im meist überheizten Haus verbessert.

Auch viel Bewegung – Laufen und Toben im Freien – und eine abwechslungsreiche, vitaminreiche Ernährung spielen eine wichtige Rolle bei der Stärkung des Immunsystems.

Ein Mädchen hält in einem Wald einen Schirm in den Händen, der durch starken Wind umgeklappt wurde.

Viel frische Luft stärkt das Immunsystem

Ruhe und Pflege

Ein krankes Kind braucht Ruhe. Bleibt das Kind nicht ohnehin freiwillig im Bett, sollte es ruhig im Haus spielen. Meist haben kranke Kinder keinen Appetit. Es ist auch nicht sinnvoll, sie zum Essen zu zwingen. Der Körper braucht Kraft für die Infektabwehr, nicht für die Verdauung.

Wichtiger ist es für kranke Kinder, viel zu trinken. Vor allem bei Fieber sollte immer ein Getränk neben dem Bett stehen. Eine warme Suppe fördert die Produktion der Drüsen, zähes Sekret verflüssigt sich.

Bewährte Hausmittel

Deuten Symptome wie Hautrötungen, Pusteln oder Schwellungen auf eine Kinderkrankheit hin, sollten Eltern in jedem Fall den Kinderarzt aufsuchen. Gleiches gilt für schnell ansteigende Temperatur und länger anhaltende Atemwegserkrankungen.

Bei einem Schnupfen oder einer leichten Grippe beispielsweise können Eltern mit kleinen Tricks aber durchaus die Heilung unterstützen. Spezielle Teezubereitungen für verschiedene Erkrankungen gibt es in der Apotheke und in verschiedenen Bio- oder Naturkostläden, inzwischen auch im Supermarkt. Die Tees haben unterschiedliche Wirkung. Sie können schweißtreibend, fiebersenkend, schleimlösend oder harntreibend sein.

Eine Salbe mit ätherischen Ölen, beispielsweise Eukalyptus oder Pinienöl, auf der Brust hilft bei Erkältung und Halsschmerzen. Nicht geeignet für Kinder sind Mittel mit Kampfer und Menthol.

Bei jüngeren Kindern empfehlen Kinderärzte, den direkten Körperkontakt zu vermeiden. Besser sei es, nur einige Tropfen der ätherischen Öle auf ein Tuch nahe des Kopfendes zu geben.

Auch Wickel wirken, je nach Inhalt, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Einen entzündungshemmenden und schmerzlindernden Effekt bei Ohrenschmerzen haben Zwiebeln. Um einen Zwiebel-Ohrenwickel herzustellen, wird eine rohe Zwiebel klein gehackt und in ein Tuch gewickelt. Das Päckchen wird leicht erwärmt auf das kranke Ohr gelegt und mit einem Stirnband fixiert.

Schmerzlindernd und abschwellend bei Halsschmerzen kann ein Quarkwickel wirken. Eine dünne Schicht zimmerwarmer Quark wird auf ein halsbreit gefaltetes Leinentuch aufgetragen. Dies wird auf den vorderen Hals gelegt und mit einem Wollschal abgedeckt. Erst abnehmen, wenn der Quark trocken ist.

Bei Husten oder Bronchitis können Brustwickel die Durchblutung fördern und den Schleim lösen. Dazu wird ein nasses, fest ausgewrungenes Leinentuch um den Körper gelegt. Darüber wird ein Molton- oder Frotteetuch gelegt. Über diese Packung kommt eine Wolldecke. Der Wickel bleibt etwa eine Stunde am Körper.

Maßnahmen zur Fiebersenkung

Fieber ist keine Krankheit, sondern ein Zeichen dafür, dass der Körper mit Krankheitserregern zu kämpfen hat. Die meisten Ärzte empfehlen, die steigende Temperatur nicht sofort mit Medikamenten zu senken, denn durch die Hitze tötet der Körper die Erreger ab.

Es ist für Eltern aber nicht immer leicht zu erkennen, ob sich hinter Fieber eine schwere Erkrankung verbirgt. Bei Unsicherheit sollte in jedem Fall der Arzt gefragt werden. Meist rät er bei Temperaturen ab 39,5 Grad zu fiebersenkenden Maßnahmen oder Medikamenten.

Eine Methode, das Fieber bei Kindern über sechs Monaten zu senken, ist das Abkühlungsbad in der Badewanne. Sie sollte nur dann angewandt werden, wenn das Kind nicht fröstelt und Beine und Arme tatsächlich warm sind. Bei Kreislaufproblemen muss das Bad sofort abgebrochen werden.

Für eine schonende Abkühlung sollte die Anfangstemperatur des Badewassers ein Grad unter der gemessenen Körpertemperatur liegen. Nach zwei Minuten wird langsam kaltes Wasser zugeführt. Nach zehn Minuten kann dann eine Wassertemperatur von 30 Grad erreicht werden. Die Gesamtbadezeit sollte nicht länger als 15 Minuten sein, dann gehört das Kind wieder ins Bett.

Als gute fiebersenkende Maßnahme für Kinder über sechs Monaten gelten Wadenwickel. Auch diese Methode sollte nicht zum Einsatz kommen, wenn die Beine sich ohnehin kalt anfühlen oder das Kind fröstelt. Und so geht es: Zwei dünne Leinen- oder Baumwolltücher in handwarmes (!) Wasser tauchen, leicht auswringen, eng um beide Unterschenkel von den Knien bis zu den Knöcheln legen und mit einem trockenen Handtuch umwickeln.

Nach zehn Minuten erneuern – insgesamt dreimal in einer halben Stunde, anschließend Ruhephase. Bei Säuglingen können statt der Wickel feuchte Baumwoll- und darüber Wollstrümpfe angezogen werden. Sollte das Fieber mit Hilfe dieser Hausmittel nicht gesenkt werden, gibt es fiebersenkende Zäpfchen in der Apotheke.

Ein Mädchen sitzt auf einem Bett, seine Mutter links daneben. Es trägt Wickel um die Waden und ist augenscheinlich krank.

Eltern können hohes Fieber mit Wadenwickeln senken

Erste Hilfe bei kleineren und größeren Unfällen

Kleinere und größere Unfälle lassen sich in keiner Familie vermeiden. Die Notrufnummer des Kinderarztes oder der Kindernotfallpraxis und der Vergiftungszentrale sollte deshalb immer parat liegen.

Bei Vergiftungen sollte die entsprechende Flüssigkeit oder Pflanze aufbewahrt und für eine genauere Bestimmung zum Arzt mitgebracht werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern raten Fachleute entschieden davon ab, das Erbrechen herbeizuführen. Dies sollte nur von einem Kinderarzt durchgeführt werden.

Zecken sollten vor der Entfernung nicht abgetötet werden, sondern sofort nach der Entdeckung so komplett wie möglich lebend herausgezogen werden. Am leichtesten geht es mit speziellen Zeckenzangen oder -karten, die es in Apotheken und Drogerien zu kaufen gibt.

Das Bild zeigt eine Zecke mit gelbem Körper, acht Beinen und zwei Fühlern. Der Stachel ist auf dem Bild kaum zu erkennen.

Zecken sollten sofort lebend entfernt werden

Zur Behandlung von blutenden Schürfwunden sollte Jod auf Salbengrundlage in der Hausapotheke sein. Die Verwendung eines luftdichten Pflasters ist nicht ratsam, es behindert die Wundheilung.

Bei Bisswunden sollte die Wunde sauber verarztet werden, anschließend muss wegen der Infektionsgefahr in jedem Fall der Arzt aufgesucht werden. Ebenso bei Elektro- und Badeunfällen, denn hier sind innere Verletzungen möglich, die von außen nicht sichtbar sind.

Bei Stauchungen, Zerrungen und Prellungen helfen Kühlpacks oder in ein Tuch eingeschlagener Spinat aus der Kühltruhe, um ein Anschwellen zu verhindern.

Bei Erstickungsgefahr durch verschluckte Gegenstände müssten Eltern selbst handeln. Der Berufsverband von Kinder- und Jugendärzten in Deutschland empfiehlt bei Säuglingen mit akuter Luftnot, in Kopftieflage einige feste Schläge zwischen die Schulterblätter zu geben, um den Fremdkörper loszurütteln.

Hilft das nicht, sollte von hinten der Brustkorb maximal fünfmal zusammengepresst werden, während die Eltern auf den Notarzt warten. Wenn keine akute Luftnot besteht, sollte das Kind möglichst sitzend in die Kinderklinik.

Bei Knochenbrüchen muss das betroffene Körperteil möglichst ruhig gestellt werden, bis der Arzt eintrifft.

Stand: 31.03.2020, 10:21

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