Immuntherapie: Wie sie funktioniert

Krebs

Immuntherapie: Wie sie funktioniert

Von Tanja Fieber und Herbert Hackl

Mit 56 Jahren erfährt Walther Schöffel (Name geändert), dass er Hautkrebs hat. Er ist an einer seltenen Form erkrankt, dem amelanotischen Melanom. Das ist ein äußerst aggressiver Tumor, bei dem sich frühzeitig Metastasen im Körper bilden.
So auch bei Walther Schöffel. Er hat rasant wachsende Metastasen in den Lymphknoten und in beiden Lungenflügeln. Eine Chemotherapie kann ihm nicht mehr helfen. Ohne Behandlung hat er nur noch wenige Monate zu leben.

Immuntherapie mithilfe von Antikörpern

Die Ärzte empfehlen Walther Schöffel, seinen aggressiven Krebstyp mit einer speziellen Immuntherapie zu bekämpfen. Zwei Monate lang werden ihm insgesamt viermal zwei Antikörper gespritzt, um sein Immunsystem anzukurbeln. Die Therapie wirkt, die Krebsgeschwüre verschwinden.

Die Behandlung hat allerdings starke Nebenwirkungen und führt zu einer schweren dauerhaften Leberentzündung. Es folgt eine langwierige medikamentöse Behandlung, die Schöffel schwer zusetzt. Die Entzündung kann eingedämmt werden. Noch gilt Walther Schöffel nicht als vom Krebs geheilt, aber seit der Behandlung geht es ihm gut.

Warum Krebs so schwer zu behandeln ist

Die Vielseitigkeit von Krebs ist enorm, sagt Professor Angela Krackhardt von der Technischen Universität München. Viele Therapien wirken eine Zeit lang, aber nicht langfristig, weil sich die Tumorzellen anpassen und so Resistenzen entwickeln.

Bei der Immuntherapie ist die Entwicklung anders: Der Krebs wird vom Immunsystem her angegriffen. Dadurch kann man schnell und auf vielfältige Weise die Krebszellen zerstören und einen längerfristigen Effekt erreichen.

Wann wird die Therapie eingesetzt?

Im Normalfall kämpfen Ärzte mit Operationen, Chemotherapie und Bestrahlung gegen Krebs. Die Immuntherapie wird alternativ eingesetzt. Im Idealfall aktiviert sie das körpereigene Immunsystem.

Der Haken: Die Immuntherapie wirkt nicht bei allen Krebsarten, nicht bei allen Patienten und kann starke bis lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben. Auch chronische Nebenwirkungen wie Autoimmunerkrankungen können die Folge sein.

Sie wirkt nicht bei allen Krebstypen gleich gut: Nur der schwarze Hautkrebs, Lungenkarzinome und Nierenkrebs sprechen gut auf die Behandlung an. Obwohl das Verfahren noch weiterentwickelt werden muss, gilt die Immuntherapie als die vielversprechendste neue Waffe gegen Krebs.

Ausblick

Die Immuntherapie muss noch zwei Hürden nehmen, um als Standardtherapie eingesetzt zu werden: Die Behandlung müsste bei allen Menschen gleich gut wirken und sie müsste dem Immunsystem zu erkennen helfen, welche Zellen im Körper bösartig sind und welche gutartig.

Stand: 10.08.2018, 16:00

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