Brustkrebs

Den Brustkrebs überwunden 04:35 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Krebs

Brustkrebs

Von Inka Reichert

Rund 70.000 Frauen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Brustkrebs. Von zehn Frauen werden im Schnitt sieben den Krebs mithilfe von Ärzten besiegen. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei 85 Prozent. Die Forschung macht Fortschritte, jedes Jahr kommen neue Medikamente auf den Markt.
Auch Elfi Fischer hat davon bereits profitiert. Nach ihrer letzten Chemotherapie fühlt sich die Würzburgerin wieder gesund. Die Krankheit hat ihr Leben verändert – zum Positiven.

Die Angst vor dem Blick in den Spiegel

Elfi Fischer läuft den Laufsteg entlang. Sie lächelt. Die Brust herausgestreckt, präsentiert sie Dessous-Mode. Was die Zuschauer nicht sehen: Auf der rechten Seite steckt unter dem Büstenhalter eine wohlgeformte Prothese.

Nach ihrer ersten Brustoperation hätte die Mutter von vier Kindern nie geglaubt, dass sie einmal als Model arbeiten würde. "Als ich aus der Narkose aufwachte, hatte ich Angst vor dem ersten Blick in den Spiegel", sagt sie.

Im Gegensatz zu vielen anderen Frauen konnte sie sich schnell daran gewöhnen, dass ihr auf einer Seite nun die weibliche Rundung fehlte. "Für mich war das Wichtigste, dass der Tumor weg war", erinnert sich die heute 57-Jährige.

Das war 1997. Schon damals hätte sich Fischer für eine brusterhaltende Operation entscheiden können. Durch verbesserte Diagnose- und Operationsmethoden kann heute in mehr als zwei Drittel aller Fälle die Brust erhalten werden, ohne dass ein höheres Rückfallrisiko besteht.

Während der OP entfernen die Ärzte alle Tumorzellen aus der Brust und sicherheitshalber auch etwas von dem umgebenden gesunden Gewebe. Fischer entschied sich für die Amputation. "Ich wollte damals kein Risiko eingehen", sagt sie.

Die Diagnose: Abtasten, Mammografie, Ultraschall, MRT, Biopsie

"Entdeckt hatte ich den Knoten selbst", erzählt Elfi Fischer. Sie hatte eine leichte Erhebung auf den Rippen unterhalb der Brust gespürt. Verhärtungen wie diese sind oft harmlos.

Um sicherzugehen, ließ Elfi Fischer sofort eine Mammografie machen, eine Röntgenaufnahme der Brust. Diese ergab jedoch keinen eindeutigen Befund. Der behandelnde Arzt riet ihr lediglich, bei Gelegenheit die Brust nochmal von ihrem Frauenarzt überprüfen zu lassen.

Auf einem Schild an der Wand eines Labors ist "Mammografie" zu lesen.

Umstritten: die Mammografie zur Früherkennung

Sie zögerte nicht und machte direkt einen Termin zur Ultraschalluntersuchung. "Das sieht nicht gut aus", sagte ihr Frauenarzt bereits während der Behandlung. Ohne weitere Untersuchungen folgte direkt die Operation. Früher war das so üblich.

Erst während des Eingriffs stellten die Ärzte anhand einer Gewebeprobe fest, dass es sich tatsächlich um einen bösartigen Tumor handelte. Sie schnitten die Wucherung heraus. Bei einem gutartigen Tumor hätten die Mediziner die Operation abgebrochen.

Heute können unklare Befunde durch die moderne Brustdiagnostik fast immer ambulant abgeklärt werden. "Um Gewissheit zu haben, würde ich immer alle Untersuchungen von Ultraschall über Magnetresonanztomografie bis zur Biopsie wahrnehmen", empfiehlt Elfi Fischer.

Das rät auch die unabhängige Informationsplattform "Brustkrebs Info" im Internet. Denn so können Hunderttausende von Operationen vermieden werden, bei denen sich erst während des Eingriffs herausstellt, dass es sich um gutartige Geschwülste handelt.

Ob bereits in der Früherkennung alle möglichen Vorsorgemaßnahmen auch ausgeschöpft werden sollten, ist umstritten. Die routinemäßige Brustuntersuchung durch den Frauenarzt ist lange anerkannte Praxis, doch vor allem der Nutzen des Mammografie-Screenings ist noch unklar.

2009 wurde es in Deutschland flächendeckend als kassenärztliche Leistung für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eingeführt. Doch das Problem ist nicht nur, dass mancher Tumor beim Screening unentdeckt bleibt.

Auch falsch-positive Diagnosen sind die Regel: Von zehn Frauen mit Verdacht auf Krebs haben im Schnitt nur ein bis zwei Frauen tatsächlich Brustkrebs. Viele geraten unnötig unter Leidensdruck.

Ob am Ende die Überlebensrate durch das Screening steigt, soll nun eine deutschlandweite Studie überprüfen. Sichere Erkenntnisse wird es erst in einigen Jahren geben.

Brustkrebs – Zahlen und Fakten 02:06 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Die Ursache: Lebensstil oder Vererbung?

Ist die Krankheit einmal diagnostiziert, plagt viele Frauen die Frage, warum es gerade sie trifft. "Mir sagte mein Arzt damals, dass ich eigentlich die besten Voraussetzungen habe, keinen Krebs zu bekommen", erzählt Elfi Fischer.

Ursachen wie ein schlechter Lebensstil waren bei ihr ausgeschlossen. Seit ihrer Jugend machte sie Leichtathletik, war oft an der frischen Luft, rauchte nicht und ernährte sich gesund. Studien zeigen, dass eine ausgewogene Ernährung das Krebsrisiko um 30 bis 40 Prozent senken kann.

Vor allem Obst und Gemüse haben eine schützende Wirkung, berichtet der World Cancer Research Fund. Die Metastudie fasst die Ergebnisse weltweiter Untersuchungen zusammen.

Da auch in der Verwandtschaft von Elfi Fischer Brustkrebs bisher nicht auftrat, ist auch eine genetische Veranlagung weitgehend ausgeschlossen. Das ist kein Einzelfall: 90 bis 95 Prozent der Patientinnen erkranken spontan an Brustkrebs, also ohne dass ein einzelner Risikofaktor als Auslöser gefunden werden kann.

Die Krebsforscher machen Fortschritte

Wenige Zeit nach dem ersten Eingriff fühlte sich Elfi Fischer bereits wieder vollkommen gesund und so selbstbewusst, dass sie sich sogar als Model für Dessous und Bademode bewarb.

Nur per Zufall stieß sie auf die Zeitungsannonce einer Firma, die Brustprothesen, spezielle Büstenhalter und Bademode für Brustkrebspatientinnen anfertigt. "Ich wollte anderen Frauen zeigen, dass es einem danach auch wieder gut gehen kann", sagt sie.

Wieder voll im Leben folgte nach zehn Jahren die zweite Diagnose. Diesmal war nicht die Brust betroffen, der Knoten saß in der Achselhöhle.

Der Tumor war jedoch von der gleichen Sorte wie beim ersten Mal, eine Krebsart, deren Wachstum durch die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron gefördert wird. Bei etwa zwei Drittel aller Patientinnen ist das der Fall.

Bereits zehn Jahre zuvor hatte Elfi Fischer deshalb neben der Chemotherapie auch eine Hormonbehandlung bekommen. Diesmal erhielt sie noch ein anderes Medikament. Denn Krebsforscher hatten herausgefunden, dass 15 bis 20 Prozent aller Brustkrebstumore aufgrund eines speziellen Wachstumsfaktors namens Her 2 besonders schnell wachsen.

"2007 war das Medikament noch relativ neu", erzählt sie. Der Wirkstoff Trastuzumab heftet dabei als Antikörper an die Krebszellen an und hemmt den Wachstumsfaktor, so dass der Krebs nicht weiter wachsen oder sich im Körper ausbreiten kann.

Mittlerweile gehört es zum Standard, den Tumor auf den Wachstumsfaktor Her 2 zu überprüfen und die Patienten gezielt zu therapieren. "Wir wissen seit fünf bis zehn Jahren, dass die Blockade durch einen Antikörper exzellente Ergebnisse erbringt", sagt Kurt Possinger, der Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie an der Berliner Charité.

Die Zukunft der Krebstherapie sieht er in diesen personalisierten Behandlungen, bei denen die Art des Tumors bestimmt und gezielt mit wirksamen Medikamenten behandelt wird.

Angelina Jolie.

Angelina Jolie ließ sich beide Brüste amputieren

Die Heilungschancen steigen

Fast monatlich kommen neue Krebsmedikamente auf den Markt. Die Zahlen des Robert-Koch-Instituts zeigen: Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei 85 Prozent. Rund 70 Prozent besiegen den Krebs dauerhaft.

Bei Elfi Fischer kam er jedoch ein weiteres Mal zurück. Diesmal schon nach drei Jahren, wieder auf der linken Brustseite. "Das war eigentlich der größte Schock, weil nur so kurze Zeit dazwischenlag", erzählt sie.

Um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, unterzog sie sich einer besonders harten Chemotherapie. Zwei Jahre danach modelt sie bereits wieder. "Die Angst vor einem weiteren Rückfall ist natürlich da", sagt sie.

Doch sie sieht auch die positiven Seiten. "Ich habe gelernt, dass ich auch noch weitere Stärken außerhalb des Sports und der Familie habe." Mittlerweile reist die Würzburgerin durch ganz Deutschland und gibt Seminare über Brustprothesen für Sanitätshausfachangestellte, die Betroffene nach ihrer OP behandeln und beraten sollen.

Zwei Brustprothesen auf einer Unterlage.

Brustprothesen werden individuell angepasst

Weiterführende Infos

Stand: 04.07.2019, 15:00

Darstellung: