Alternative Behandlungsmethoden

Kind bekommt Globuli auf Zunge gelegt

Neurodermitis

Alternative Behandlungsmethoden

Von Annette Holtmeyer/Britta Schwanenberg/Monika Sax

Neurodermitis ist noch lange nicht vollständig erforscht. Auch ein Patentrezept zur Behandlung der Hautkrankheit ist nicht in Sicht. Jeder Patient sucht eigene Wege, um die quälenden Symptome zu bekämpfen. Wenn die Schulmedizin versagt, hoffen viele Erkrankte auf die alternative Medizin. Doch nicht jede Heilmethode hält, was sie verspricht. Wir geben einen Überblick über verschiedene alternative Therapien und wie erfolgsversprechend sie sind.

Phototherapie (Lichttherapie)

Ultraviolettes Licht – meist eine Kombination aus UVA- und UVB-Strahlen – soll die Entzündungszellen in der Haut hemmen. Um den Effekt zu verstärken, wird in besonders schweren Fällen vor der Bestrahlung das Medikament Psoralen verabreicht, das den Effekt der Strahlen in der Haut vervielfacht. Diese Therapie heißt PUVA-Therapie (Psoralen und UVA).

Durch die PUVA-Therapie wird die Lichtempfindlichkeit allerdings stark erhöht. Das Krebsrisiko kann bei der Behandlung mit UV-Strahlung steigen. Arzt und Eltern sollten daher sorgfältig die Risiken und den möglichen Erfolg abwägen, bevor Kinder damit therapiert werden.

Außerdem sollte man sich nicht zu Hause mit der eigenen UV-Lampe bestrahlen, ohne vorher mit einem Arzt gesprochen zu haben.

Manchmal wird die Lichttherapie auch mit vorangehenden Solebädern kombiniert zur sogenannten Sole-Photo-Therapie: So werden die klimatischen Verhältnisse eines meist heilsamen Sommerurlaubes nachgeahmt.

Zwei Arme werden mit ultraviolettem Licht bestrahlt

Bestrahlung mit Licht ist eine Behandlungsmöglichkeit

Bestrahlung mit blauem Licht

Relativ neu ist eine Therapie mit blauem Licht ohne ultraviolette Strahlung, die auch Lichtimpfung genannt wird. Bei der Bestrahlung mit einem bestimmten blauen Licht werden die entzündeten weißen Blutkörperchen in der Haut abgetötet. Die gesunden Zellen werden nicht angegriffen. Gute Erfolge konnten bei Fällen von Neurodermitis und Schuppenflechte erzielt werden.

Das große Aber: Das Verfahren ist wissenschaftlich noch nicht abschließend erforscht. Einige Studien legen nahe, dass die Therapie viel versprechende Erfolge zeigen kann. Langzeitstudien gibt es jedoch noch nicht.

Die Behandlung ist außerdem zeitaufwendig. In der Regel müssen sich Patienten bis zu fünfmal pro Woche etwa eine Stunde lang bestrahlen lassen. Bei den meisten erwachsenen Patienten dauert es drei bis vier Behandlungszyklen, bis eine nachhaltige Besserung eintritt.

Da es nur wenige Hautkliniken gibt, die über entsprechende Geräte verfügen, ist der Anfahrtsweg oft weit. Diese Art der Therapie ist also nur für Patienten empfehlenswert, bei denen andere Behandlungen erfolglos geblieben sind.

Bioresonanztherapie

Die Bioresonanztherapeuten gehen davon aus, dass mithilfe elektromagnetischer Wellen die durch die Neurodermitis erzeugten "krankhaften" Bioströme wieder harmonisiert werden können.

Der Patient muss zwei Elektroden anfassen, die die Schwingungen übertragen. In einem speziellen Gerät sollen die Schwingungen umgewandelt und dem Patienten über die Plus-Elektrode wieder zugeführt werden.

Eine wissenschaftliche Erklärung dafür, warum die Bioresonanztherapie wirken sollte, gibt es bisher nicht. Eine Studie aus dem Jahr 1997, die den Effekt der Bioresonanz mit 32 an Neurodermitis erkrankten Kindern untersuchte, konnte keinerlei Verbesserung der Symptome oder des Hautbildes nachweisen.

Daher werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Die Stiftung Warentest rät sogar entschieden von dieser Therapie ab.

Klimatherapie

Reisen, beispielsweise ins Hochgebirge, an die Nordsee oder ans Tote Meer, bringen vielen Neurodermitikern zunächst eine rasche Besserung ihrer Beschwerden. Ein Grund dafür ist, dass die Luft in diesen Gebieten weniger Allergene und Schadstoffe enthält.

Auch die Sonne und der hohe Salzgehalt der Seeluft wirken sich meistens positiv auf die erkrankte Haut aus. Der Nachteil der Klimatherapie ist allerdings, dass ihre Wirkung in der Regel von kurzer Dauer ist und sich die Beschwerden am Heimatort bald wieder einstellen.

Frau badet im Toten Meer und liest

Ein Bad im Toten Meer tut der Haut gut

Eigenbluttherapie

Bei dieser Therapie wird den Patienten Blut aus einer Vene entnommen, eventuell aufbereitet (zum Beispiel mit Sauerstoff, Ozon oder pflanzlichen Mitteln versetzt) und anschließend wieder in die Muskulatur zurückgespritzt.

Damit soll bei Neurodermitikern das fehlgeleitete Immunsystem positiv beeinflusst werden. Viele Naturheilkundler schwören auf diese Methode. Allerdings gibt es keine längerfristig angelegte, wissenschaftliche Studie, die nachweisen könnte, dass die Eigenbluttherapie tatsächlich wirkt.

Einige Schulmediziner raten von der Eigenbluttherapie deshalb ab oder warnen sogar vor möglichen gefährlichen Nebenwirkungen – eventuell können Patienten mit einem allergischen Schock reagieren.

Das Foto zeigt in Großaufnahme, wie aus einem Arm mit einer Spritze Blut entnommen wird. Die Kanüle ist mit Blut gefüllt. Die Person, die die Spritze hält, trägt eine goldene Uhr und einen Ring.

Die Wirkung der Eigenbluttherapie ist nicht erwiesen

Stressbewältigung

Ganzheitliche Therapien berücksichtigen die Tatsache, dass Stress und auch familiäre Probleme bei fast allen Patienten die Neurodermitis verstärken. Zum Angebot gehört deshalb in der Regel eine psychologische Betreuung oder Beratung.

Auch eine Familientherapie kann sinnvoll sein, wenn die Neurodermitis eines Angehörigen zum scheinbar unlösbaren zentralen Problem innerhalb der Familie wird.

In jedem Fall ist es für die Patienten sinnvoll, Übungen wie autogenes Training oder gezielte Muskelentspannung zu erlernen und durch Sport ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

Das alles kann helfen, den seelischen Druck abzubauen, der durch die Krankheit und den quälenden Juckreiz entsteht. Mithilfe dieser Methoden gelingt es vielen Betroffenen, den Teufelskreis aus Stress und Krankheitsschüben zu durchbrechen.

Therapie mit Knabberfischen

Bei dieser Therapie sollen die ursprünglich in Ostanatolien beheimateten kleinen Kangalfische Patienten mit Schuppenflechte oder Neurodermitis helfen.

In einer Wanne mit warmem Wasser knabbern sie die obersten Schichten der erkrankten Hautstellen ab, ohne die Haut zu verletzen. Diese Prozedur wird in bestimmten Abständen wiederholt. Auf diese Weise soll die Haut erneuert und unangenehme Spannungsgefühle bekämpft werden – das versprechen zumindest die Anbieter der Methode.

Aber auch wenn der Juckreiz bei Neurodermitis-Patienten durch das Knabbern der Fische tatsächlich für einen Moment gelindert werden mag, beurteilen Hautärzte die Therapie sehr kritisch.

Denn der länger dauernde Aufenthalt im Wasser trocknet die ohnehin trockene Haut der Patienten noch mehr aus und kann daher zu einer Verstärkung der Krankheitssymptome führen. Es gibt aber auch viele positive Erfahrungsberichte.

Knabberfische nagen die Haut an einem Fuß ab

Den Knabberfischen schmecken die Hautschuppen

Homöopathie

Ob Homöopathie wirkt oder Humbug ist – darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Manche schwören auch bei Neurodermitis auf das Prinzip, bei dem Ähnliches Ähnliches heilen soll. Homöopathische Arzneien sind immer stark verdünnt.

Ein Blick auf die Studienlage zeigt ebenfalls ein zwiespältiges Bild: Eine Untersuchung der Berliner Charité aus dem Jahr 2013 beobachtete die Behandlung von 135 Kindern mit leichter bis mäßig starker Neurodermitis.

87 Kinder wurden konventionell behandelt, 48 homöopathisch. Das Ergebnis nach drei Jahren: Homöopathie und schulmedizinische Behandlung wirkten gleich. Doch die alternative Behandlung war teurer, unter anderem, weil der Arzt das Kind intensiver betreute.

Auch wenn es einige Studien gibt, die die Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung zeigen – die meisten finden keinen Beweis dafür. Und dennoch gibt es Patienten, die auf Homöopathie schwören und gute Ergebnisse damit erzielt haben.

Das könnte auch daran liegen, dass die Behandlung den ganzen Körper in den Blick nimmt und sich die Ärzte im Schnitt mehr Zeit für Gespräche nehmen. Und gerade bei Neurodermitis spielt auch die Psyche eine große Rolle.

Der größte Unterschied von einer homöopathischen zu einer schulmedizinischen Behandlung ist, dass die homöopathische ohne Kortison arbeitet.

Homöopathen unterdrücken zunächst die allergische Reaktion mit Gammaglobulinpräparaten, das sind körpereigene Eiweiße, pflanzlichen Mitteln und in schweren Fällen auch kurzfristig mit Antihistaminika, die ebenfalls entzündungshemmend wirken.

Danach wird das Immunsystem mit pflanzlichen Präparaten, Vitaminen, Spurenelementen und immunmodulierenden Stoffen stimuliert und soll so lernen, selbst mit den Entzündungen umzugehen. Homöopathen stellen für ihre Patienten außerdem eine Ernährung ohne allergieauslösende Nahrungsmittel zusammen.

Stand: 29.07.2019, 10:46

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