Rheuma

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Rheuma

Mehr als 100 Gelenke federn Tag für Tag enorme Stöße auf unseren Körper ab. Entzündliche Gelenk-Erkrankungen wie Rheuma sind keine "Alte-Leute-Krankheit". Immer häufiger sind Kinder von Rheuma betroffen.

Das Gelenk

Im Gelenk treffen zwei Knochen aufeinander, die durch Sehnen und Muskeln miteinander verbunden sind. Die Knochen sind innerhalb des Gelenks mit einer schützenden Knorpelschicht überzogen. Sie verhindert, dass die Knochen bei Bewegungen direkt aufeinander reiben.

Das Gelenk wird umschlossen von der Gelenkkapsel, die wiederum mit der Gelenkinnenhaut ausgekleidet ist. Für eine optimale Gelenkschmierung befindet sich im Gelenk die Gelenkflüssigkeit, die sogenannte Synovia. Sie wird von der Gelenkinnenhaut (Synovialmembran, Synovialis) gebildet.

Die Knorpelschicht auf den Knochenenden hat keine eigenen Blutgefäße, die sie versorgen. Die Versorgung des Knorpels und des Gelenks mit Nährstoffen erfolgt allein über die Gelenkinnenhaut – und zwar nur bei Bewegung des Gelenks.

Deshalb ist nicht Schonung, sondern Bewegung ohne Belastung bei rheumatischen Erkrankungen so wichtig.

Frauenfüße mit Sportschuhen und Walking-Stöcken auf einem Kiesweg

Was passiert, wenn Stöße nicht mehr abgefedert werden?

Was ist Rheuma?

Rheuma wird oft als die "Krankheit mit vielen Gesichtern" bezeichnet. Mehr als 400 unterschiedliche Krankheitsbilder werden unter diesem Begriff zusammengefasst. Es können Gelenke, Wirbel, Knorpel, Gelenkinnenhaut, Sehnen, Muskeln und Nerven betroffen sein, teilweise mit sehr schwerwiegenden Krankheitsverläufen.

Gemeinsam ist allen Ausprägungen ein ziehender, reißender oder auch fließender Schmerz. Er gab dem Rheuma seinen Namen, denn auf Griechisch bedeutet "Rheuma" so viel wie "Fluss, Strom".

In der Medizin unterscheidet man vier Hauptgruppen rheumatischer Erkrankungen. Am häufigsten sind die degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, zu denen die Arthrose, Bandscheibendegenerationen und verschiedene Neuralgieformen (Nervenschmerzen) zählen.

Ebenfalls häufig ist der Weichteilrheumatismus, die Fibromyalgie. Er kann Sehnen, Bindegewebe und Muskeln befallen, und fast jeder Mensch ist irgendwann in seinem Leben davon betroffen. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Gicht können mit rheumatischen Beschwerden einhergehen.

Was im Volksmund als Rheuma bezeichnet wird, umfasst am ehesten die Gruppe der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Hierzu gehören beispielsweise die rheumatoide Arthritis oder Polyarthritis und der Morbus Bechterew. Die Endsilbe "-itis" zeigt dabei an, dass es sich um einen Entzündungsprozess handelt.

Die schwer deformierte Hand einer bettlägerigen Rheuma-Patientin

Ein schwerer Fall von Rheuma

Rheuma auch bei Kindern

Das entzündliche Rheuma befällt am häufigsten die Gelenke. Typische Symptome sind Morgensteifigkeit, gleichzeitiger Befall desselben Gelenkbereiches an beiden Körperhälften, Druckschmerzempfindlichkeit, Veränderungen am Skelett und die so genannten Rheumaknoten.

Unter rheumatoider Arthritis leidet etwa ein Prozent der Deutschen, Frauen dreimal häufiger als Männer.

Da meist mehrere Gelenke von der Entzündung betroffen sind, wird die rheumatoide Arthritis auch als chronische Polyarthritis bezeichnet (Griechisch: poly = viel; Arthritis = Gelenkentzündung). Sie beginnt häufig in den Finger-, Hand- und Fußgelenken und breitet sich dann auf andere Gelenke wie Knie und Schultern aus.

Hier kommt es zu immer wiederkehrenden oder ständig bestehenden Entzündungen. Diese führen mit der Zeit zu einer wachsenden Zerstörung der Gelenke bis hin zu Gelenkverformungen. Die meisten Menschen erkranken zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.

Grundsätzlich kann die Arthritis aber in jedem Lebensalter auftreten, sogar schon bei Kindern. In Deutschland sind rund 50.0000 Kinder von Rheuma betroffen. Wie und warum eine rheumatoide Arthritis entsteht, ist noch immer nicht endgültig geklärt.

Ein 10-jähriges Mädchen auf einer Liege wartet auf eine Massage

Eine junge Rheuma-Patientin bei der Therapie

Unterschied Rheuma und Arthrose

Arthrose und rheumatoide Arthritis – meist Rheuma genannt – werden oft verwechselt, weil ihre Namen ähnlich klingen. Dabei unterscheiden sie sich im Krankheitsbild und auch in ihren Ursachen.

Bei der Arthrose schmerzen die Gelenke, weil die Knorpelschicht angegriffen ist, entweder durch Überbelastung wie exzessiven Sport, durch Übergewicht oder durch Altersabnutzungen. Beim Rheuma ist das Immunsystem gestört, deswegen entzünden sich die Gelenke.

Arthrose entwickelt sich schleichend über mehrere Jahre, beim Rheuma gibt es Schübe, die teilweise schnell wieder verschwinden können.

Ein weiterer Unterschied: Rheuma-Patienten fühlen sich oft krank, erschöpft und fiebrig, Arthrose-Patienten haben solche allgemeinen Krankheitssymptome nicht.

Autorin: Ulrike Wilhelm

Stand: 30.10.2018, 14:30

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