Diagnose Rheuma

Eine junge Frau hält sich die schmerzende Schulter, rot gekennzeichnet

Rheuma

Diagnose Rheuma

Am Anfang des Rheumas wird das Immunsystem vermutlich noch ganz normal aktiviert, weil ein Gelenk beschädigt ist – beispielsweise durch eine Viren- oder Bakterieninfektion oder durch Verletzungen. In der Folge gerät das Immunsystem aus dem Takt: Statt nur die fremden Eindringlinge zu bekämpfen, fängt es an, seinen Vernichtungskampf gegen körpereigenes Gewebe zu richten. Ein autoimmunologischer Prozess beginnt.

Der Knorpel wird ausgehungert

Durch die Entzündung werden Gerinnungsstoffe und weiße Blutkörperchen in die Gelenkhöhle transportiert. Normalerweise würden sie dafür sorgen, dass sich die Entzündung langsam zurückbildet. Aus noch ungeklärten Gründen verselbständigt sich dieser Prozess bei Rheuma-Patienten und die Entzündungen dauern an.

Im Verlaufe des Geschehens wuchert dadurch auch die Gelenkinnenhaut, schiebt sich wie ein Fremdkörper immer weiter ins Gelenk und nimmt immer mehr Raum ein. Ein kleiner Teil dieser Zellwucherungen, die normalerweise schnell wieder verschwinden, wandelt sich in Faserzellen um.

Aus diesen Faserzellen bildet sich eine Schicht, die sich auf den zerstörten Knorpel legen kann und so verhindert, dass er weiterhin von der Gelenkinnenhaut ernährt wird. Der Knorpel wird dadurch sozusagen ausgehungert.

Rheuma – eine Autoimmunkrankheit

Wegen der Entzündung befinden sich in der Gelenkflüssigkeit besonders viele weiße Blutkörperchen. Ihre Aufgabe ist es, fremde Eindringlinge zu beseitigen und die abgestorbenen Gewebeteile aufzulösen, also sie zu entsorgen. Dazu setzen sie sogenannten Zytokine frei, die weitere Zellen des Immunsystems anlocken, die Fresszellen.

Wenn die Zytokin-Signale über längere Zeit bestehen bleiben und immer wieder die "Müllabfuhr" des Immunsystems alarmieren, wird irgendwann auch gesundes Knorpelgewebe geschädigt.

Außerdem regen die Zytokine auch Zellen im Knochen an, die Knochensubstanz abbauen. So wird auch die Substanz der Knochen angegriffen.

Die rheumatoide Arthritis ist also eine Erkrankung, die sich selbst weiter antreibt. Sie zählt zu den Autoimmunkrankheiten, weil letztlich die Zellen des Immunsystems sich gegen eigenes, gesundes Körpergewebe wenden. Diese Entzündungsprozesse klingen bei Rheuma-Patienten nur langsam ab.

Völlig stoppen kann man diesen immer wieder auflodernden Entzündungsprozess heute noch nicht, allenfalls lindern.

Die Schäden im Gelenk nehmen im Laufe der Zeit zu. Am Ende steht ein zerstörtes Gelenk. Auch die Sehnen, Bänder und Schleimbeutel können betroffen sein. An ihnen können sich die typischen Rheumaknoten bilden. Diese bestehen aus Entzündungszellen, die kapselartig von Narbengewebe umschlossen sind.

Frühe Diagnose – wichtig und schwierig zugleich

Rheumatoide Arthritis muss innerhalb der ersten drei, spätestens aber sechs Monate nach dem Ausbruch diagnostiziert und behandelt werden. Dann bestehen noch gute Chancen, schlimmere Krankheitsverläufe zu verhindern.

Je später die Diagnose und Behandlung, desto schlechter die Chancen auf einen milderen Krankheitsverlauf.

Die rheumatoide Arthritis ist deshalb ein internistischer Akutfall. Leider wird die Diagnose Rheuma heute oft immer noch zu spät gestellt. In vielen Fällen erst, nachdem leidgeplagte Patienten bereits eine lange Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich haben.

Bei Morbus Bechterew, der schwerwiegenden Erkrankung der Wirbelsäulen-Gelenke, vergehen durchschnittlich sieben Jahre vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung, bei der Fibromyalgie bis zu zehn Jahren.

Eine sichere Diagnose ist gerade im Frühstadium schwierig, weil es noch keine eindeutigen Anzeichen gibt. Die Entzündungen verlaufen schleichend, die anfangs noch nicht sehr starken Schmerzen werden zunächst oft nicht besonders ernst genommen, die Symptome sind meist nicht klar zuzuordnen.

Gibt es allerdings in der Familie schon Fälle von rheumatoider Arthritis, sollten Symptome wie Morgensteifigkeit und Durchblutungsstörungen einzelner Finger oder der Hände sehr ernst genommen werden.

Ein großes Problem ist auch, dass die Krankheit Rheuma sehr unterschiedliche Verläufe zeigt. Der beste Ansprechpartner ist deshalb bei Verdacht immer ein spezialisierter Rheumatologe.

Männlicher Patient im Gespräch mit seiner Ärztin

Früherkennung ist wichtig

Diagnose Rheuma

Rheuma wird über Blut- und Gewebeuntersuchungen sowie Röntgenaufnahmen diagnostiziert. Da es zu Beginn der Krankheit meist nur wenige typische Anzeichen gibt, kommt es oft erst im weiteren Verlauf zur richtigen Diagnose. Die Diagnose rheumatoide Arthritis wird gestellt, wenn sieben der folgenden zehn Punkte erfüllt sind:

  • Morgensteifigkeit der Gelenke
  • Bewegungs- oder Druckschmerz in mindestens einem Gelenk
  • Weichteilschwellung oder Erguss (Flüssigkeitsansammlung) in mindestens einem Gelenk
  • Schwellung in mindestens einem weiteren Gelenk (freies Intervall maximal drei Monate)
  • Beidseitige symmetrische Gelenkschwellung
  • Rheumaknoten
  • Typische Veränderungen im Röntgenbild
  • Rheumafaktoren im Blut positiv
  • Positiver Nachweis bestimmter Schleimstoffe (Muzine) im Blut, die die Haut vor chemischen und mechanischen Einwirkungen schützen
  • Im Zellbild (histologische Untersuchung) sichtbare typische Veränderungen der Gelenkhaut (Synovia)

Autorin: Ulrike Wilhelm

Stand: 30.10.2018, 09:00

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