Therapie bei Rheuma

Ein Stethoskop in den Händen eines Arztes

Rheuma

Therapie bei Rheuma

Rheuma ist noch nicht heilbar. Deshalb kann eine Therapie nicht mehr leisten als Linderung der Symptome und Verzögerung des Krankheitsprozesses.

Der Stufenplan für die medikamentöse Behandlung

Starke Schmerzen und Bewegungseinschränkung sind die Leitsymptome der verschiedenen rheumatischen Erkrankungen. Die Ärzte haben also bei der Behandlung drei Ziele im Visier: die Schmerzen zu lindern, die Entzündung zu bekämpfen und die Gelenkzerstörung zu stoppen.

Für jeden Patienten muss eine individuell abgestimmte Therapie entwickelt werden.

Die Ärzte gehen bei der Behandlung nach einem Stufenplan vor, dessen Grundlagen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellt hat. Die Anwendung des Stufenplans erfolgt in Abhängigkeit vom jeweiligen Krankheitsstadium.

Grundsätzlich werden entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente (symptomatische Therapeutika) für die Soforttherapie und krankheitsmodulierende Medikamente (Basistherapeutika) für die Langzeittherapie unterschieden.

Symptomatische Therapeutika wiederum unterteilen sich in kortisonhaltige und nicht kortisonhaltige (nicht steroidale Antirheumatika) Präparate. Oft werden Sofort- und Basistherapie auch miteinander kombiniert.

Ebenso werden auch verschiedene Basistherapeutika zusammen angewendet. So kann der Arzt eventuell niedriger dosieren und Nebenwirkungen reduzieren.

Nicht-steroidale Antirheumatika

Im Anfangsstadium einer rheumatoiden Arthritis werden bei milden Verläufen so genannte "nicht-steroidale Antirheumatika" (NSAR) wie Diclofenac und Ibuprofen eingesetzt. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Doch diese Mittel haben einige Nebenwirkungen. Vor allem greifen sie die Schleimhaut im Magen-Darm-Bereich an, es kann zu Geschwüren und Durchbrüchen kommen.

NSAR hemmen das Enzym Cyclooxygenase, welches in zwei Formen vorkommt, das COX-1 und COX-2. Letzteres ist entzündungsfördernd, während das COX-1-Enzym die Magenschleimhaut schützt.

Neuere, kortisonfreie Antirheumatika hemmen ganz speziell das Cox-2-Enzym, das Entzündungen fördert. Sie hebeln nicht die Wirkung des COX-1-Enzyms aus und so bleiben die Magenschleimhäute geschützt.

Wegen der vermeintlich geringeren Nebenwirkungen dieser Präparate im Magen-Darm-Bereich weckten sie zunächst große Hoffnungen.

Allerdings wurde der COX-2-Hemmer "Vioxx" im September 2004 vom Markt genommen, da neuere Studien bei Langzeit-Einnahme ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt gezeigt hatten. Andere starke Nebenwirkungen konnten mittlerweile reduziert werden.

Hautreaktionen, Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Depressionen und andere Krankheiten können aber immer noch auftreten. Deswegen sollten Arzt und Patient den Nutzen und das Risiko genau abwägen.

Tabletten, einige davon in Blistern

Ohne Medikamente geht es nicht

Kortison

Die effektivste Behandlungsmethode bei akuten Entzündungsschüben ist bis heute das Kortison. Innerhalb von Stunden setzt die Wirkung ein.

Kortison kann in Tablettenform eingenommen werden oder direkt in das Gelenk gespritzt. Letzteres hat den Vorteil, dass es direkt an der betroffenen Stelle wirkt und der übrige Körper geschont wird.

Moderne Kortisonpräparate wirken sehr selektiv – nur an den Orten der Anwendung und nicht mehr wie früher im ganzen Körper. Daher ist der schlechte Ruf des Kortisons bei Patienten heute eher unbegründet. Früher litten Patienten manchmal bei Langzeitanwendungen unter Osteoporose und Hautproblemen.

Basistherapie

Um eine rheumatoide Arthritis effektiv zu behandeln, werden lange wirkende Antirheumatika gegeben. Diese Basistherapeutika lindern die Beschwerden nicht sofort, sondern erst nach einer bestimmten Zeit, meist nach einigen Wochen.

Dafür haben sie eine Langzeitwirkung, die auch noch anhält, wenn das Medikament schon abgesetzt wurde. Die Entzündungsaktivität wird eingeschränkt und die Knorpel- und Knochenzerstörung aufgehalten.

Zur Gruppe der Basistherapeutika gehören Medikamente wie Methotrexat, Sulfasalazin, Chloroquin, Leflunomid, Ciclosporin und Goldsalze. Allerdings schwächen diese Immunsuppressiva auch generell die Abwehrkräfte, sodass Infektionen häufiger auftreten können.

Ärztliche Betreuung ist daher ebenso wichtig wie das Abwägen der Risiken.

Röntgenaufnahme einer  Hand mit Rheuma der Finger

Wie kann man die Knorpelzerstörung aufhalten?

Biologika

Seit einiger Zeit gibt es eine neue Medikamentengruppe: die so genannten Biologika. Das sind gentechnisch hergestellte Eiweißsubstanzen, die gezielt entzündungsfördernde Botenstoffe ausschalten und damit in die Regulation des Immunsystems im Körper eingreifen.

Im Immunsystem sind etliche Botenstoffe für die Entzündungsvorgänge im Körper verantwortlich – für die Entzündungen der Gelenke sind es vor allem der Tumornekrose-Faktor-Alpha (TNF-Alpha) und Interleukin-1.

Sie aktivieren spezielle entzündungsfördernde Zellen, die mit zur Zerstörung des Gelenkknorpels beitragen. Biologika binden und hemmen die Entzündungsbotenstoffe TNF-Alpha und Interleukin-1.

Studien konnten nachweisen, dass Biologika der Gelenkzerstörung entgegenwirken und sie sogar aufhalten können. Sie wirken sehr schnell, viele Patienten sind innerhalb von Tagen schmerzfrei.

Ein Forschungsprojekt mit dem Namen "Rabbit" ("Rheumatoide Arthritis-Beobachtung der Biologika-Therapie") untersuchte zehn Jahre lang die Nebenwirkungen. Fazit: Die Forscher hatten keine neuen schwerwiegenden Nebenwirkungen finden können.

Bekannt waren aber bereits die erhöhten Risiken für Infektionen, Herzschwäche und Autoimmunreaktionen. Die Wahrscheinlichkeit, diese zu bekommen, verdoppelt sich, wenn Patienten Biologika nehmen.

Autorin: Ulrike Wilhelm

Weiterführende Infos

Stand: 09.12.2016, 10:00

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