Leben mit dem Reißen im Gelenk

Rheuma – Hilfe durch Selbsthilfe Planet Wissen 09.12.2016 03:42 Min. Verfügbar bis 09.12.2021 ARD-alpha

Rheuma

Leben mit dem Reißen im Gelenk

Von Yvonne Maier/Jutta Henkel

Seit ihrem ersten Lebensjahr hat Natascha Schwenk Rheuma. Eine Krankheit, die nach und nach ihre Gelenke angreift und zerstört. Die Folge: Ständige Schmerzen und ständige Therapie.

Schmerzen und Erschöpfungszustände

Selbst einfache Tätigkeiten wie das Ausladen der Einkäufe aus dem Auto sind für Natascha Schwenk eine Qual. Das Rheuma hat ihr linkes Ellbogen-Gelenk zerstört und schon mit 36 Jahren hat sie zwei künstliche Hüftgelenke. Sie kann nur wenig Gewicht tragen und muss darum mehrmals hin und her laufen, bis der Kofferraum endlich leer ist.

"Ich habe Schmerzen und Erschöpfungszustände, ich bin andauernd am Gähnen. Ich kann bestimmte Tätigkeiten ausführen, ich habe aber währenddessen und danach Schmerzen." (Natascha Schwenk)

Seit ihrem ersten Lebensjahr hat Natascha Schwenk die sogenannte rheumatiode Arthritis, oder allgemein: Rheuma. Nach und nach werden so ihre Gelenke zerstört, was äußerst schmerzhaft ist und auch viele Bewegungen auf Dauer unmöglich macht. Manchmal kann sie vor Schmerzen nur schlecht schlafen.

Rückschritt in der Entwicklung

Als bei ihr die Krankheit ausbrach, lernte sie gerade laufen – schnell wurde sie wieder zum Krabbelkind. Knochen, Muskeln und Gelenke konnten sich nicht richtig ausbilden. Das Rheuma griff auch ihr linkes Auge an. Anfang der 1980er Jahre gab es dafür nur eine Behandlungsmethode: Ihr wurde ein Teil der Linse entfernt.

Kinder mit Rheuma zu behandeln, ist eine besondere Herausforderung, denn sie sind oft zu klein, um genau zu sagen, was ihnen weh tut und wo. Und auch die Behandlung ist eine andere als bei Erwachsenen, sagt der Rheumatologe Matthias Hartmann von der Rheuma-Kinderklinik in Garmisch-Partenkirchen:

"Wir müssen versuchen, dass die Patienten möglichst normal gehen. Dafür müssen wir eine Beziehung zu den Patienten aufbauen, dass sie keine Angst haben vor den Geräten oder Messapparaturen." (Matthias Hartmann)

Trendsportarten helfen

Doch wie bringt man Kinder dazu, Krafttraining zu machen, um ihre Muskeln zu stärken? Hier sind kreative Lösungen gefragt: In Garmisch-Partenkirchen wird den kleinen Patienten zum Beispiel Klettern verschrieben. Das macht Spaß und belastet die Gelenke wenig.

Darüber hinaus stärkt Klettern das Selbstvertrauen. Wichtig ist, dass die Kinder auch daheim weiter üben – Trendsportarten helfen dabei.

Doch auch eine Ernährungsumstellung kann bei Rheuma helfen. Natascha Schwenk zum Beispiel isst nur wenig Fleisch. Das hat sie in einer Klinik für Naturheilkunde gelernt. Denn im Fleisch ist Arachidonsäure enthalten – diese Fettsäure ist die Grundlage für einen Botenstoff, der bei Rheuma eine wichtige Rolle spielt.

Beratung in Selbsthilfegruppen

Eine wichtige Rolle für Betroffene spielen auch Selbsthilfegruppen. Natascha Schwenk engagiert sich in der Rheuma-Liga, dort berät sie auch Patientinnen und Patienten.

"Es stärkt mich. So wie jeder in der Arbeit ein Lob bekommt, so ist es da auch. Im Alltag bekommt man nicht für seine Arbeit Anerkennung und Lob." (Natascha Schenk)

Sie wird häufig von Frauen angerufen, die schwanger werden wollen und fragen, welche Medikamente sie weiterhin nehmen dürfen. Natascha Schenk kennt sich damit besonders gut aus, weil sie zwei Kinder hat und während der Schwangerschaften selbst auf die Medikamenteneinnahme achten musste.

Doch auch ganz praktische Tipps werden hier ausgetauscht. Zum Beispiel, wie man Schlaufen an ein Handtuch näht. Damit können sich Rheumakranke trotz steifer Gelenke einfacher abtrocknen. Auch der Umgang mit dem chronischen Schmerz ist ein großes Thema. Seminare in Achtsamkeit oder Lachyoga helfen vielen Betroffenen.

"Selbsthilfegruppen sind ganz wichtig, man erfährt Neuigkeiten über die Krankheit, aber hat auch Rückhalt, kann sich austauschen und bekommt dann eine entsprechende Unterstützung." (Elke Freitag-Lange, Diplom-Psychologin)

Stand: 09.12.2016, 09:00

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