Ursachen und Forschung

Rheuma – Ein Leben mit Schmerzen Planet Wissen 09.12.2016 02:35 Min. Verfügbar bis 09.12.2021 ARD-alpha

Rheuma

Ursachen und Forschung

Von Yvonne Maier/Jutta Henkel

Seit dem Altertum kennt man Rheuma, doch erst jetzt beginnt man die Krankheit zu verstehen. Auch die Forschung kommt voran: Neue Medikamente wie Biologika helfen, ein nahezu beschwerdefreies Leben zu führen – zumindest eine Zeit lang.

Unheilbare Krankheit

Rheuma kommt schubweise – typische Symptome sind geschwollene, heiße Gelenke und Schmerzen beim Bewegen. Rheuma heißt auch "rheumatoide Arthritis" – dabei lagern sich verschiedene Abwehrzellen in den Gelenken an.

Rheuma ist eine Autoimmunerkrankung: Die Abwehrzellen sollen eigentlich schädliche Erreger bekämpfen, sie sind Teil des normalen Immunsystems unseres Körpers. Doch bei Rheuma wenden sie sich gegen den eigenen Körper und greifen die Gelenkhaut und den Knorpel an.

Gleichzeitig schütten sie Botenstoffe aus, die weitere Abwehrzellen anlocken. Die Entzündung weitet sich so aus. Nach und nach zerfressen die Abwehrzellen die Gelenke und schließlich auch den Knochen. Solche Schäden heilen nicht mehr.

Häufig sind Frauen betroffen, woran das aber liegt, kann bisher noch keiner beantworten.

Unterschiedliche Behandlung

Patientinnen und Patienten werden meist nach einem Stufenplan behandelt. Zunächst bekommen sie anti-entzündliche Schmerzmittel, später Cortison und ein Mittel aus der Krebsforschung, Methotrexat (MTX).

Erst wenn diese Medikamente nicht mehr helfen, verordnen die Mediziner sogenannte "Biologika". Das sind ganz neue Medikamente, die gentechnisch hergestellt werden und bis zu 1.000 Euro im Jahr kosten können.

Wundermittel Biologika?

Erst vor einigen Jahren kamen Biologika auf den Markt und brachten einen entscheidenden Fortschritt in der Rheumabehandlung. Patienten können mit ihnen über Jahre beschwerdefrei werden, denn sie blockieren die Botenstoffe, die die Abwehrzellen anlocken.

Doch auch die Wirkung von Biologika lässt irgendwann nach – und wenn die Medikamente abgesetzt werden, flammt die Entzündung wieder auf.

Heilen können Biologika nicht und außerdem stehen sie im Verdacht, auf Dauer Krebs auslösen zu können. Forscher sind also weiter auf der Suche nach geeigneten Behandlungsmethoden.

Auf der Suche nach der Ursache

Dabei betrachten Forscher wie Andreas Radbruch vom Rheumaforschungszentrum in Berlin die Gene, die Rheuma mit auslösen können. Einige davon sind bereits bekannt.

"Es ist nicht so, dass ein Gen allein verantwortlich ist. Man schätzt, dass es 30 verschiedene Gene sind, die anfällig machen für Rheuma." (Professor Andreas Radbruch)

Radbruch und sein Team vermuten, dass die Grundlage für Rheuma lange vor dem Ausbruch der Krankheit selbst gelegt wird. Bestimmte Zellen des Immunsystems (Plasmazellen) hinterlassen möglicherweise so genannte Marker auf den Gelenken. An diesen Stellen sammeln sich dann später die zerstörerischen Abwehrzellen.

Das Problem: Diese Plasmazellen sind nur schwer zu erkennen. Denn die Forscherinnen und Forscher wollen ja nur die Plasmazellen ausschalten, die diese Marker hinterlassen. Normale Plasmazellen sollen natürlich nicht zerstört werden. Doch sollte diese Methode tatsächlich funktionieren, könnte man in Zukunft Rheuma heilen.

Weiterführende Infos

Stand: 30.10.2018, 09:00

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