Rückenschmerzen – die größten Irrtümer

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Rückenschmerzen – die größten Irrtümer

Von Jonathan Schulenburg

Rückenschmerzen sind weit verbreitet: 85% der Deutschen haben sie mindestens einmal im Leben. Um das richtige Verhalten bei Rückenschmerzen gibt es aber viele Irrtümer und Mythen.

Rückenschmerzen sind eine der Hauptursachen bei Krankschreibungen. Aber was tun, wenn das Kreuz schmerzt? Helfen Schmerztabletten oder doch nur eine Operation? Mediziner und Rückenspezialisten warnen vor falschem Verhalten und vor den größten Irrtümern.

Grundsätzlich gilt: Wer sehr starke Rückenschmerzen hat, oder wenn die Schmerzen länger anhalten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden – auch um Folgeschäden zu vermeiden. Folgende 5 Verhaltensregeln können aber helfen, die schlimmsten Irrtümer zu vermeiden.

Irrtum 1: Rückenschmerzen habe meist ältere Menschen

Laut einer DAK-Studie von 2017 klagen 30 Prozent der Schüler zwischen 10 und 18 Jahren regelmäßig über Rückenschmerzen. 75 Prozent aller Rückenprobleme treten zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr auf. Es ist eine Tatsache, dass Rücken-Patienten immer jünger werden. Woran das genau liegt, ist nicht vollständig geklärt. Klar ist: Auch jüngere Menschen bewegen sich im Alltag immer weniger – Rückenprobleme können die Folge sein.

Irrtum 2: Bettruhe und Schonung helfen

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bekommen fast die Hälfte der Patienten immer noch Ruhe und Schonung verschrieben. Der Facharzt für Orthopädie Dr. Martin Marianowicz sagt seinen Patienten, dass sie sich bewegen müssen. Er rät: Wer beim Gehen keine Schmerzen hat, der sollte mehrmals täglich kleine Spaziergänge einbauen. "Bewegung heilt. Die Zeiten, wo man gesagt hat: Sie müssen zwei Wochen ins Bett und Würfel unter die Knie, sich nicht bewegen, die sind lange vorbei. Die Ergebnisse waren katastrophal, gerade für die Wirbelsäule." (Dr. med. Martin Marianowicz)

Sanfte Griffe gegen den Schmerz Planet Wissen 23.05.2019 03:41 Min. Verfügbar bis 23.05.2024 ARD-alpha

Irrtum 3: Große Muskeln schützen vor Rückenschmerzen

Zwerchfell-, Rücken-, Bauch- und Gesäßmuskulatur sind wichtig, um die Lendenwirbelsäule zu stabilisieren. Dabei kommt es aber auf die Kraftausdauer an, also wie lange ein Muskel eine Belastung aushalten kann. Eine Übung zehn Sekunden halten und dann fünf Mal wiederholen. Auf Übungen wie Sit-ups oder Crunches sollte man dagegen verzichten. Sie schaden eher dem Rücken. Was hilft, ist die sogenannte Stabilisationsmuskulatur, die tiefer liegenden Muskeln. Große oberflächliche Muskeln sind nicht selten nur optische Fassade.

Irrtum 4: Ein beweglicher Rücken schützt automatisch vor Schmerzen

Dem widerspricht Dr. Stuart McGill. Er ist Professor für Biomechanik in Kanada und forscht seit über 30 Jahren über den Rücken. Er entdeckte schon vor Jahren die Risiken von Übungen wie Sit-ups. "Wir haben das untersucht: Je flexibler man im Rücken ist, desto größer ist das Risiko, Rückenschmerzen zu bekommen." (Prof. Dr. Stuart McGill, Universität Waterloo / Kanada). Tatsache ist. Schon einfaches Nachvornebeugen belaste die Wirbelsäule mit bis zu 300 Kilogramm Gewicht. Die Wirbelsäule ist keine freistehende Säule, die die ganze Last alleine trägt. Laut McGill haben Muskeln und Bänder die Funktion von Spannseilen, die unsere Wirbelsäule umgeben und schützen.

Eine Frau legt ihre Hände auf den unteren Rücken

Rückenschmerzen trotz Beweglichkeit

Irrtum 5: Operationen sind der Ausweg

Laut einer Studie landeten im Jahr 2015 über 770.000 Patienten auf dem OP-Tisch. Zehn Jahre zuvor waren es noch halb so viele. Dr. Marianowicz kritisiert, dass bei uns in Deutschland zu viel operiert wird. 80 Prozent der Operationen seien unnötig, sagt er. Die Techniker Krankenkasse geht sogar davon aus, dass neun von zehn Operationen unnötig sind.

BR | Stand: 22.05.2019, 14:00

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