Glyphosat – Geschichte und Wirkungsweise

Nahaufnahme Traktor sprüht Glyphosat auf einem Feld.

Anbaumethoden

Glyphosat – Geschichte und Wirkungsweise

Von Christiane Gorse

Unkraut hat den Landwirten das Leben schon immer schwer gemacht. Jahrhundertelang haben sie sich abgemüht, es zu bekämpfen: zunächst mit der Hacke oder mit Pflügen, die von Pferden oder Ochsen gezogen wurden. Dann kamen motorisierte Hilfen. Erst in den 1970er Jahren sollte eine chemische Entdeckung die Unkrautbekämpfung revolutionieren: Glyphosat.

Die Entdeckung des Wirkstoffs

Auf der Suche nach einem Wasserenthärter hatte man beim US-Chemiekonzern Monsanto eine bestimmte chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonate getestet. Der Mitarbeiter John Franz fand dabei 1970 zufällig heraus, dass diese Verbindung  Pflanzen abtötet. Er wurde so zum Entdecker des Unkrautvernichters Glyphosat. Monsanto meldete das Mittel zum Patent an und die Substanz kam erstmals 1974 als "Roundup" auf den Markt.

Roundup-Flaschen in einem Regalfach.

Roundup wurde der Verkaufsschlager von Monsanto

Wirkungsweise von Glyphosat

Glyphosat ist ein Totalherbizid. Es wirkt auf alle grünen Pflanzen, indem es ein für die Pflanze lebenswichtiges Enzym hemmt. Sprüht der Landwirt die Chemikalie auf seinen Acker, greift der Wirkstoff in den Stoffwechsel der Pflanzen ein und lässt sie innerhalb kurzer Zeit absterben.

Doch reines Glyphosat kann von Pflanzen nicht so einfach aufgenommen werden: Eine abweisende Wachsschicht schützt sie und das Pflanzengift perlt ab. Erst mithilfe einer zusätzlichen Chemikalie, einem Netzmittel, dringt das Glyphosat in die Pflanze ein und tötet sie ab.

Warnhinweise zu Glyphosat.

Glyphosat – kein harmloses Mittel

Lange Zeit wurde in den Netzmitteln Tallowamin verwendet. Erst 2015 ergaben wissenschaftliche Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, dass Tallowamin deutlich giftiger ist als Glyphosat. 2016 wurde Tallowamin in den Netzmitteln von der Europäischen Union (EU) verboten. 

Neuer Meilenstein: glyphosatresistente Pflanzen

Am Anfang setzten die Landwirte das Herbizid ausschließlich dazu ein, um nach der Ernte auf Stoppelfeldern sämtliches Unkraut zu beseitigen und so das Feld für die nächste Aussaat im Frühjahr vorzubereiten. Später wurde "Roundup" auch kurz vor der Ernte auf Getreide- und Rapsfeldern ausgebracht. Diese sogenannte Vorerntebehandlung (oder "Sikkation") lässt alles absterben und bewirkt, dass die Getreidekörner gleichzeitig reif sind.

1996 gelang Monsanto eine weitere Entdeckung: Die Firma entwickelte damals gentechnisch verändertes Saatgut – vor allem Mais, Sojabohnen und Baumwolle. Diese Monsanto-Pflanzen waren so programmiert, dass ihnen Glyphosat nichts ausmachte.

Seitdem können die Landwirte auch dann Glyphosat verspritzen, wenn die Pflanze schon wächst. Das Unkraut stirbt ab, aber Mais, Soja und Baumwolle wachsen trotzdem – denn die Gen-Pflanzen sind resistent gegen den Giftregen. Allerdings bildeten auch manche Unkräuter Resistenzen gegen das Herbizid aus. Heute sind  in den USA deshalb bereits ganze Landstriche nicht mehr zu bewirtschaften.

Feld von Oben.

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wird in den USA großflächig eingesetzt

Die Erfolgsgeschichte von "Roundup"

Glyphosat ist billig und effizient und wurde schnell zu einem Welterfolg. Das Patent von Monsanto lief im Jahr 2000 aus, seitdem kam der Wirkstoff Glyphosat in den verschiedensten Mischungen auf den Markt. Marktforscher schätzen, dass 2017 weltweit rund 1,3 Millionen Tonnen des Gifts versprüht wurden – inklusive der Anwendungen auf Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen.

Doch seit einigen Jahren mehrt sich die Kritik. In Deutschland wird diskutiert, trotz der Verlängerung der Zulassung des Pflanzengifts bis 2022 glyphosathaltige Herbizide zu verbieten oder ihren Gebrauch stark einzuschränken.

Manfred Ladwig über Monsanto Planet Wissen 14.05.2019 10:27 Min. Verfügbar bis 14.05.2024 SWR

Stand: 27.02.2019, 13:00

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