Verbraucherfalle regionale Lebensmittel

Verbraucherfalle regionale Lebensmittel

Die Lebensmittelindustrie täuscht Regionalität oft nur vor. Was "regional" bedeutet, ist gesetzlich nicht festgelegt.

Gemüse in einem Einkaufskorb.

Viele Menschen kaufen mittlerweile regionale Lebensmittel. Das ist für sie ein wichtiger Kaufgrund – nach dem Geschmack, aber noch vor dem Preis und der Marke, sagt der Ernährungsreport 2017 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Aber Vorsicht! Was letztendlich "regional" bedeutet, ist gesetzlich nicht festgelegt. Viele Marken täuschen Regionalität nur vor. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten können.

Viele Menschen kaufen mittlerweile regionale Lebensmittel. Das ist für sie ein wichtiger Kaufgrund – nach dem Geschmack, aber noch vor dem Preis und der Marke, sagt der Ernährungsreport 2017 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Aber Vorsicht! Was letztendlich "regional" bedeutet, ist gesetzlich nicht festgelegt. Viele Marken täuschen Regionalität nur vor. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten können.

Bei diesen Lebensmitteln stammen weder die Rohstoffe aus Sylt, noch werden sie auf der Insel hergestellt. Die Bonbons der Marke Echt Sylter werden zum Beispiel im 1000 Kilometer entfernten Müllheim in Baden-Württemberg produziert. Nur die Rezeptur stammt nach Angaben der Firma aus Sylt.

Jedes Bundesland hat sein eigenes regionales Qualitätszeichen, mit eigenen Kriterien. Die wenigsten Anforderungen für die Vergabe seines Zeichens für Mischprodukte stellt bislang Thüringen: Zwar muss die Herstellung in dem Bundesland stattfinden, doch es reicht, wenn 50,1 Prozent der Rohstoffe daraus stammen. Inzwischen hat das Landwirtschaftsministerium nachgelegt. Ab Juni 2018 müssen 90 Prozent der Rohstoffe aus Thüringen stammen.

Nur zwölf Lebensmittel dürfen in Deutschland das EU-Kennzeichen "geschützte Ursprungsbezeichnung" führen. Hier kann der Kunde sicher sein, dass das Produkt zu 100 Prozent in der angegebenen Region, nach bestimmten Kriterien erzeugt und verarbeitet wurde. Drei Beispiele, die das Kennzeichen tragen dürfen: die Stromberger Pflaume, der Allgäuer Emmentaler und der Fränkische Grünkern.

Das EU-Kennzeichen "geschützte geografische Angabe" dürfen Lebensmittel führen, bei denen mindestens ein Produktionsschritt in der angegebenen Region stattfindet. So kann zum Beispiel in der "Nürnberger Rostbratwurst" Fleisch aus Dänemark verwendet werden, solange sie im Stadtgebiet Nürnberg hergestellt wird. Weitere Lebensmittel mit dieser Kennzeichnung sind etwa die Frankfurter Grüne Soße, Rheinisches Zuckerrübenkraut oder Schwäbische Spätzle.

Es gibt in Deutschland viele ganz unterschiedliche Regionale Initiativen. In ihnen haben sich kleinere Erzeuger, Verarbeiter und Gastronomen einer Region zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre Lebensmittel zu vermarkten. Jede Initiative legt ihre Kriterien und Kontrollsysteme selbst fest. Bei einigen muss nur die Verarbeitung in der Region liegen. Andere Initiativen, wie "Unser Land" aus Oberbayern, haben sehr strenge Kriterien und engagieren sich im Umweltschutz.

Die Initiative "Regionalfenster" bietet dem Verbraucher eine sehr gute Orientierungshilfe über die Regionalität des Lebensmittels. Es gibt Auskunft über die Herkunftsregion, den Ort der Verarbeitung und wer die Angaben unabhängig überprüft. Bei Mischprodukten wird auch der Anteil regionaler Rohstoffe aufgeführt.

Bei Eiern lässt sich durch den aufgedruckten Zifferncode zuverlässig erkennen, aus welcher Region sie stammen. DE steht für Deutschland und die ersten zwei Zahlen verraten das Bundesland. Die 02 auf dem Foto steht zum Beispiel für Schleswig-Holstein. Mithilfe der nachfolgenden Zahlen lässt sich der genaue Legebetrieb recherchieren – in diesem Fall ein Stall in Grimmelsberg.

Ob auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen: Hier findet der Kunde regionale Produkte direkt vom Erzeuger. Oftmals wird das Sortiment jedoch mit überregionalen Lebensmitteln erweitert. Nachfragen lohnt sich also!

Stand: 09.06.2017, 09:00 Uhr

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