Urban Farming

Zwei Menschen bauen Gemüse auf dem Dach einer Textilfabrik in China an

Landwirtschaft in der Stadt

Urban Farming

Mehr als sieben Milliarden Menschen bevölkern die Erde, ihre Zahl steigt von Sekunde zu Sekunde. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt inzwischen nicht mehr auf dem Land, sondern in Städten. Auf Dauer sind neue Konzepte nötig, um diese Menschen zu ernähren – möglichst mit Produkten, die aus ihrem näheren Umfeld stammen. Doch in vielen Metropolen ist unbebauter Boden Mangelware. Eine Möglichkeit, Nahrungsmittel in Städten zu erzeugen: Landwirtschaft auf Hausdächern betreiben.

Darum geht's:

  • Berlin: Tomaten und Fisch frisch aus der Dachfarm.
  • Forschung: Gemüsezucht auf Gebäuden ist großflächig möglich.
  • Niederlande: Schweinhaltung soll im Wolkenkratzer stattfinden.

Tomaten und Fisch frisch aus der Dachfarm

Es grünt so grün im großen Berlin – nicht nur in privaten und öffentlichen Gärten, nicht nur beim Urban Gardening, wo Bürger ihre eigenen Gurken und Tomaten pflanzen. Auch Urban Farming soll die Stadt erobern.

Eine riesige Dachfarm will die Zucht von Gemüse und Fisch effizient miteinander verbinden. Ein Anfang ist bereits gemacht: Im Hof einer alten Berliner Malzfabrik tummeln sich Fische in einem Tausend-Liter-Aquarium, das in einem Überseecontainer steht.

Auf dem Dach dieses Containers thront ein Gewächshaus mit Pflanzen aller Art. Das Wasser mit den Ausscheidungen der Fische fließt in gesonderte Behälter, passiert einen Bio-Filter und wird daraufhin sowohl in das Aquarium als auch in das Gewächshaus geleitet.

Der aus dem Fischkot erzeugte Pflanzendünger fließt durch die angelegten Beete und lässt Gurken, Tomaten, Kürbisse und allerlei Kräuter wachsen und gedeihen – sogar ohne den Nebeneffekt unangenehmer Düfte.

50 Prozent des Wassers werden durch seine doppelte Nutzung eingespart. Außerdem binden die Pflanzen das Kohlendioxid (CO2), das die Fischzucht freisetzt. Weite kostspielige und klimaschädliche Transportwege fallen weg. Obendrein ist das Gemüse frei von Pestiziden.

Gemüsezucht auf Gebäuden

Hoch hinaus möchte auch das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT mit seinem Konzept namens inFarming. Hier sind es Hochhausdächer, auf denen in Gewächshäusern Gemüsezucht betrieben werden soll.

Die Vorteile liegen für UMSICHT klar auf der Hand: frische regionale Produkte, mehr Grün in der Stadt und geringe Transportkosten. Besonderen Wert legen die Forscher darauf, verantwortungsvoll mit den kostbaren Ressourcen an Wasser und Energie umzugehen.

Dafür lassen sie sich einiges einfallen: Gefiltertes Abwasser aus den Hochhäusern versorgt Obst und Gemüse; der Nutzen von Abwärme, Solarmodule und kleine Windkraftanlagen reduzieren den CO2-Ausstoß.

Ist schon der Standort in luftiger Höhe etwas Besonderes, so gilt das noch mehr für die Art des Anbaus. Weil Dachkonstruktionen für schwere Lasten meistens nicht geschaffen sind, sollen die Wurzeln in Mineralwolle oder Kügelchen aus Ton gebettet werden. So brauchen die Pflanzen weniger Wasser und der Ertrag ist sogar höher als beim konventionellen Anbau.

Die UMSICHT-Forscher stehen noch am Anfang, andere Projekte sind schon Realität geworden. Beispiel USA: In Brooklyn zum Beispiel sind Dächer in einem Ausmaß von 1500 Quadratmetern durch Salatpflanzen begrünt.

Ein Mann baut auf einem Dach in Paris Salat an, im Hintergrund ist der Eiffelturm zu sehen

Frisch vom Dach – Salatanbau in Paris

Schweinehaltung im Hochhaus

Die Niederlande versorgen Deutschland in großem Umfang nicht nur mit Gemüse, sondern auch mit Fleisch. Doch das Land hat kaum mehr Platz für weitere Betriebe zur Schweinezucht.

Um Abhilfe zu schaffen, entwickelten niederländische Architekten ein kühnes Modell, zu besichtigen in einer Computeranimation: Die Pig City, ein Wolkenkratzer mit der stolzen Höhe von 620 Metern, soll im Erdgeschoss ein riesiges Schlachthaus beherbergen.

Darüber sind rund 40 Biobauernhöfe auf je einer eigenen Etage geplant, in denen die Schweine genügend Stroh und Auslauf haben sollen. Ein Problem dieser vertikalen Schweinezucht seien die hohen Baukosten, sagen selbst Befürworter. Außerdem rechnen sie mit einer ablehnenden Haltung der Bürger.

Auch in Deutschland ist das Modell "Schweine im Wolkenkratzer" im Gespräch. Dadurch würden Flächen auf dem Boden frei. Sie ließen sich in einen naturnahen Zustand zurückverwandeln, argumentieren manche Experten.

Kritiker dagegen befürchten, das Land könnte ohne Agrarwirtschaft veröden. Sie sehen in stadtnahen kleinen Biobetrieben eine deutlich bessere Alternative.

Junges Schwein mit dreckiger Nase auf einem Acker schaut in die Kamera

Ob Schweine in Hochhäusern glücklich werden?

Autorin: Leonie Schmid

Stand: 02.08.2017, 11:00

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