Bananenhandel

SW-Bild: Ein mit Bananen voll beladener LKW in den 1920er Jahren in den USA

Bananen

Bananenhandel

Von Stephanie Hiller und Sine Maier-Bode

in der Bananenwirtschaft prallen viele Interessen aufeinander – von Kleinbauern und Großkonzernen, korrupten Staatschefs und dem fairen Handel. Sogar Kriege wurden schon wegen des lukrativen Bananen-Geschäfts geführt.

Ein Bananen-Imperium entsteht

Ihren Ursprung hat die Banane in Südostasien. Von dort gelangte sie durch Seefahrer nach Indien und Afrika und durch die spanischen Eroberer auf die Kanarischen Inseln, wo sie auch heute noch angebaut wird.

Mit der Eroberung Mittel- und Südamerikas kam die Banane in die Neue Welt. Allerdings wurde die leicht verderbliche Frucht anfangs fast nur für den Eigenbedarf angebaut.

Der Beginn der großen Bananenplantagen Mittelamerikas fällt zusammen mit dem Bau der Eisenbahnen. Vor allem ein Amerikaner machte sich hier einen Namen: Minor C. Keith.

1871 reiste Keith zu seinem Onkel nach Costa Rica und stieg in dessen Bahnbauprojekt ein. Entlang der Bahnstrecke ließ er Bananenplantagen für den Export bauen. Dank der Bahn konnten die schweren Früchte leichter zu den eigenen Umschlagsanlagen in den Häfen transportiert werden.

Der Erfolg gab Keith recht, und schon bald plante er Bahnbauprojekte und Plantagen in anderen Ländern Mittelamerikas. Allerdings fehlten ihm eigene Schiffslinien und ein gutes Vertriebsnetz, um die Bananen in den USA absetzen zu können.

Ein Zug transportiert Bananen vorbei an einer Menge jubelnder Menschen.

Bahnen und Bananen

1899 schloss Keith sich deshalb mit der "Boston Fruit Company" zusammen. Diese besaß zwar keine Eisenbahnen, dafür aber Schiffslinien und einen funktionierenden Vertrieb. Die "United Fruit Company" war gegründet. Bis zum heutigen Tag kontrolliert sie – heute unter dem Namen "Chiquita Brands Co." – mit zwei weiteren großen Konzernen das Bananen-Exportgeschäft weltweit.

Das Imperium wächst

Fast zur selben Zeit, als Keith sein Bananenimperium aufbaute, begannen auch zwei aus Sizilien in die USA eingewanderte Brüder mit dem Bananenhandel. Die Vaccaro-Brüder ließen sich in Honduras nieder und bauten dort eine Eisenbahnstrecke und eine Hafenmole.

Als Dank bekamen sie von Honduras Ländereien und Privilegien für den Bananenhandel. Ab 1926 trug ihre Firma den Namen "Standard Fruit and Steamship Company" (SFCO).

Es waren gute Jahre im Bananengeschäft – allerdings nicht für alle: Viele kleinere Firmen versuchten sich am Markt zu halten, doch nur den wenigsten gelang es. Schon bald kontrollierte die UFCO 80 bis 90 Prozent des US-Bananenmarktes. Lediglich die SFCO, der Vorläufer der heutigen Dole, blieb neben der UFCO bestehen.

Das Bananengeschäft erforderte von allen Beteiligten größte Aufmerksamkeit, denn die Frucht ist leicht verderblich und muss so schnell wie möglich geerntet und transportiert werden.

Weil sie sich dadurch einen reibungslosen Ablauf auf den Plantagen versprachen, strukturierten die Konzerne ihre Plantagen streng hierarchisch: Die oberen Leitungspositionen wurden von ausländischen Kräften besetzt. Sie lebten getrennt von den einheimischen Arbeitern, in besseren Wohnungen und mit anderen Freizeiteinrichtungen.

Aber nicht nur die Plantagen gehörten zu den Bananenimperien. Da die mittelamerikanischen Staaten in der Regel nicht über entsprechende Infrastrukturen verfügten, sorgten die Konzerne selbst dafür. Bald besaßen sie neben dem Transportwesen auch die Kontrolle über das Telefonwesen, die Wasser- und Elektrizitätswirtschaft und schließlich über die Politik.

Riesiges Dole-Frachtschiff in einem Hafen

Die großen Firmen kontrollieren auch den Transport

Bananenkriege

Bald drehte sich in Mittelamerika alles nur noch um die Banane. Die wirtschaftliche Abhängigkeit der meisten Staaten von den Bananenplantagen war enorm. Viele der Regierungschefs waren zudem leicht zu manipulieren, solange ihnen von den Bananenkonzernen Macht und persönlicher Wohlstand eingeräumt wurde. Funktionierten sie nicht, so zeigte sich schnell, bei wem die Macht in Wahrheit lag.

In rund hundert Jahren des Bananenanbaus in Mittelamerika fanden 28 Übergriffe der USA im Interesse US-amerikanischer Firmen auf die "Bananenrepubliken" statt, von denen manche erst Jahrzehnte später auch der breiten Öffentlichkeit bewusst wurden.

Einer davon ereignete sich in Guatemala, wo 1951 Jacobo Arbenz Guzman zum Präsidenten des Landes gewählt wurde.

In seiner kurzen Amtszeit brachte er ein Gesetz durch, das den guatemaltekischen Kleinbauern das Recht auf jenes Land zusprach, das zwar im Besitz der UFCO war, jedoch brachlag. Er plante außerdem den Bau eines eigenen Hafens und eines eigenen Elektrizitätswerks, um das Land unabhängig von der UFCO zu machen.

Die Reaktionen von Seiten der USA kamen prompt: Die CIA inszenierte den Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten. Die Agrarreform wurde eingestellt und das Land erlebte unter wechselnden Militärregierungen einen sozialen Rückschritt.

Der im Exil lebende ehemalige Präsident von Guatemala, Jacobo Arbenz Guzman (M), und seine Ehefrau (l) beantworten bei ihrem Aufenthalt in Paris am 4.1.1955 die Fragen von Journalisten.

Jacobo Arbenz Guzman (m.) wurde von der CIA gestürzt

Neue Wege?

Mitte der 1970er-Jahre fanden sich die mittelamerikanischen Staaten in der "Union Bananen produzierender Länder" zusammen, um wenigstens einen kleinen Teil der Gewinne für die eigenen Staaten erwirtschaften zu können. Sie unterstützten kleinere Plantagen, die jetzt für die großen Konzerne als Vertragsbauern arbeiten konnten.

Erst allmählich erkannten die Konzerne, dass auch sie Vorteile daraus zogen, da sie nach wie vor die Kontrolle über den Bananenanbau behielten und trotzdem viele Risiken an die Bauern weiterleiten konnten.

Weniger Einsicht hatten die Konzerne mit den Gewerkschaften. Die schweren, oft menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen brachten den Gewerkschaften in den Anfängen des Bananenanbaus großen Zulauf.

In Costa Rica reagierten die Konzerne zunächst mit Verfolgung und polizeilicher Gewalt, später fanden sie einen moderateren Weg, sich der Gewerkschaften zu entledigen: Sie führten interne Arbeiterkomitees ein und unterstützten diese gegen die Gewerkschaften – mit Erfolg: In Costa Rica war die Gewerkschaft auf den Bananenfeldern an der Atlantikküste lange Zeit praktisch tot.

SW-Bild: Arbeiter laden Bananen auf ein Pferd

Die wenigsten Plantagenarbeiter sind gewerkschaftlich organisiert

Neue Werte

Nicht nur politische Krisen begleiteten die Geschichte des Bananenanbaus in Mittelamerika. Pflanzenkrankheiten, Unwetter und andere Katastrophen beeinflussen das Geschäft mit der Banane seit inzwischen über hundert Jahren. Zu wehren wusste man sich oft nur mit neuen Errungenschaften der Forschung, die allerdings dem Land und den Menschen oft neuen Schaden zufügten.

Die Müllberge aus Plastiktüten wuchsen und der jahrzehntelange Einsatz von chemischen Giften hatte Folgen für die Gesundheit der Arbeiter auf den Plantagen. Zunehmend auftretende Fälle von Sterilität, Missgeburten und Nervenleiden wurden öffentlich bekannt. Sie schadeten dem Image der großen Konzerne und zwangen sie zu Konsequenzen.

Die 1990er-Jahre brachten endlich auch ein Umdenken in ökologischer Hinsicht. Die großen Konzerne entschlossen sich zu einer freiwilligen Kontrolle.

Seit Ende der 1990er-Jahre gibt es ein Gütesiegel. Das Siegel ISO 14.001 stellt sicher, dass einige Pflanzenschutzmittel nicht mehr verwendet werden dürfen, und dass bestimmte Maßnahmen zur Sicherung der Umwelt eingehalten werden.

Ein Greenpeace-Aktivist präsentiert einen Korb Obst, das mit mit Pestiziden belastet ist.

Jahrzehntelanger Einsatz von chemischen Giften

(Erstveröffentlichung: 2004. Letzte Aktualisierung: 27.10.2020)

WDR

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