Die Bio-Siegel

Bio-Lebensmittel

Die Bio-Siegel

Die Bio-Siegel auf den Bio-Produkten sollen dem Verbraucher signalisieren, dass er ein Produkt aus biologischer Herstellung kauft. Doch die große Zahl der verschiedenen Labels, Siegel und Marken ist für viele ziemlich verwirrend.

Staatliches Bio-Siegel

Seit dem Jahr 2001 gibt es das sechseckige grüne Siegel. Knapp 77.000 Produkte trugen im März 2017 dieses Bio-Siegel. Es signalisiert, dass das jeweilige Produkt gemäß der EG-Öko-Verordnung hergestellt wurde und einen Mindeststandard erfüllt, der jedoch weniger streng ist als die Richtlinien der verschiedenen Anbauverbände. 2009 kam es nach der Neufassung der EG-Öko-Verordnung zu einer weiteren Abschwächung seines Qualitätsstandards.

Naturland

Naturland ist einer der größten ökologischen Anbauverbände. Weltweit zählt der Verband mehr als 43.000 Bauern, allein in Deutschland gibt es über 3000 Naturland-Betriebe. Die zertifizierten Landwirte und weiterverarbeitenden Betriebe produzieren nach speziellen Naturland-Richtlinien Öko-Lebensmittel, Holz und Textilien. Diese Richtlinien sind strenger als die gesetzlichen Anforderungen der EG-Öko-Verordnung.

So muss zum Beispiel der gesamte Bauernhof ökologisch betrieben werden. Mindestens die Hälfte des Futters muss selbst produziert werden und es dürfen weniger Tiere gehalten werden. Es werden außerdem Bereiche abgedeckt, die nicht in der EG-Öko-Verordnung geregelt sind – wie etwa Sozialrichtlinien.

Seit 1989 fördert der Verband auch Projekte im Ausland – in mehr als 20 Ländern produzieren Aquafarmen nach den Naturland-Richtlinien für Ökologische Aquakultur unter anderem Öko-Lachs und Öko-Shrimps.

Das Naturland-Siegel.

Einer der größten ökologischen Anbauverbände: Naturland

Demeter

Der älteste ökologische Anbauverband wirtschaftet seit 1928 nach den Grundsätzen der anthroposophischen Sichtweise, die von Rudolf Steiner begründet wurde. Ein landwirtschaftlicher Hof wird als ganzheitlicher Organismus gesehen, auf dem nicht nur die Substanzen und die physischen Abläufe der Natur eine Rolle spielen, sondern auch auf übersinnliche und kosmische Kräfte geachtet wird.

Das Zusammenspiel von Menschen, Tieren und Pflanzen sowie Erde und Kosmos steht im Mittelpunkt. Die Erzeugung ökologischer Nahrungsmittel ist eine logische Folge daraus und Demeter hat dabei die strengsten Richtlinien. In Deutschland sind ewta 1400 Landwirte an den Demeter-Verband angeschlossen.

Eine Kiwi mit dem "Demeter"-Bio-Siegel.

Demeter gibt es bereits seit 1928

Bioland

Bioland ist der führende ökologische Anbauverband in Deutschland. Seit 1971 bewirtschaften die angeschlossenen Landwirte ihre Höfe als Kreislaufwirtschaft ohne synthetische Pestizide und chemisch-synthetische Stickstoffdünger. Die Tiere werden artgerecht gehalten und die Lebensmittel schonend verarbeitet.

Ein Vergleich: für die Verarbeitung von Bioland Produkten sind 24 unbedenkliche Zusatzstoffe zugelassen. Das EU-Bio-Siegel erlaubt 45 Zusatzstoffe. Bei konventioneller Verarbeitung sind 316 Zusatzstoffe erlaubt. Mehr als 6800 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland produzieren für Bioland (Stand: 2017).

Biobauer aus Schleswig-Holstein beliefert seine Kunden mit einem kleinen Lieferwagen.

Schonend, artgerecht und ohne Pestizide

Gäa

Gäa war 1989 der erste ökologische Anbauverband in der DDR. Der Anbauverband ist vorwiegend in Ostdeutschland tätig und vereinigt unter seinem Label Landwirte, Verarbeiter und Handelsfirmen. Gäa setzt sich besonders beim Strukturaufbau für den Öko-Landbau ein.

Seine Standards sind mit denen der anderen Anbauverbände zu vergleichen und übersteigen die der EG-Öko-Verordnung. Im Vergleich zu Demeter oder Bioland ist Gäa ziemlich klein: Nur 350 Bauern und Bäerinnen sind dem Verband angeschlossen.

Biopark

Der ökologische Verband Biopark wurde 1991 von 16 Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern gegründet. Mit dem Motto "Qualität statt Quantität" produzieren sie inzwischen in ganz Deutschland ökologische Fleischerzeugnisse.

Nach Ökokriterien leben Tiere wie Mutterkühe und Mutterschafe, Schweine und Geflügel unter nahezu natürlichen Bedingungen – mit Weidegang und betriebseigenem Futter. Leistungsförderer und Futtermittel tierischer Herkunft sind nicht erlaubt, nur ökologisches Saatgut und der Einsatz betriebseigenen Düngers.

Ecovin

Ecovin gründete sich 1985 als größter und einziger Zusammenschluss ökologisch arbeitender Weingüter in Deutschland. Mehr 236 Mitgliedsbetriebe bewirtschaften 2015 2380 Hektar Rebfläche in 12 deutschen Anbaugebieten.

Auch Maßgaben für die Kellerwirtschaft, wie zum Beispiel die zulässige Menge an Schwefel, sind festgeschrieben und liegen weit unter der EG-Öko-Verordnung. Neben den strengen Richtlinien will Ecovin auch Genuss und Lebensfreude verbreiten: Urlaub auf dem Weingut oder Wein- und Kochkurse werden von vielen Winzern mit angeboten.

Ein Marienkäfer krabbelt über "edelfaule Trauben" im Bio-Anbau

Ökologie und Lebensfreude auf dem Ecovin-Weingut

Bio drauf – Bio drin

Die Worte "Bio" und "Öko" sind gesetzlich geschützt. Beide Begriffe sind synonym zu verstehen. Zudem wird jedes Bio-Produkt mit einem Code gekennzeichnet, hinter dem eine anerkannte Kontrollstelle steht. Dieser Code belegt, dass der Hersteller alle gesetzlichen Auflagen, die für die ökologische Landwirtschaft und Verarbeitung stehen, erfüllt hat. Alle Bezeichnungen mit diesen Begriffen garantieren somit Bio-Lebensmittel.

Wer konventionelle Ware mit Bio-Siegeln kennzeichnet, macht sich strafbar. Bei diesen irreführenden Begriffen sollten Sie allerdings Vorsicht walten lassen, denn hinter ihnen verbergen sich keine zertifizierten Bio-Lebensmittel: alternativ, integriert, kontrolliert umweltschonend, kontrollierter Anbau oder umweltfreundlich.

Bio-Hühnchen verpackt an der Theke. Die Siegel Naturland und Bio darauf sind deutlich zu sehen.

Hält doppelt: Biosiegel und Verbandssiegel

Autorin: Almut Röhrl

Stand: 19.09.2018, 09:05

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