Karsten Ellenberg

Karsten Ellenberg im Kartoffelbeet

Kartoffel

Karsten Ellenberg

Von Ulrike Brandt-Bohne

Dass Kartoffelanbau interessant und auch ökologisch sein kann, zeigt das Beispiel des Kartoffel-Biobauern Karsten Ellenberg aus dem niedersächsischen Barum. Er lebt und arbeitet für die Kartoffelvielfalt: Alte Sorten bewahren, gleichzeitig aber auch neue Sorten züchten, das ist sein Ziel.

Leben für die Kartoffelvielfalt

Als Karsten Ellenberg in den 1980er Jahren den 150 Jahre alten Familienbetrieb im niedersächsischen Barum übernimmt, stellt er zunächst auf ökologischen Kartoffelanbau um. Und dann widmet er sich weiterführenden Zielen.

Karsten Ellenberg setzt auf Kartoffelvielfalt. Er versucht, leckere alte Sorten zu bewahren, aber auch neue Sorten selbst zu züchten. Sorten mit ungewöhnlichem Aussehen und gutem Geschmack. Ertragreich sollen sie sein, zugleich aber auch robust. Resistent gegen Pflanzenkrankheiten und Schädlinge.     

Kartoffeln für alle Fälle

Sein Angebot verändert sich ständig. Ein wichtiger Punkt ist für Karsten Ellenberg immer wieder die Geschmacksvielfalt. Ungewöhnliche Sorten verleihen besonderen Gerichten den letzten Schliff. Zum Sortiment gehören auch Kartoffeln aus Nachbarländern.

Sorten wie die "Bintje" Bioland Speisekartoffel aus den Niederlanden oder die französische Edelkartoffel "La Bonnotte".

Kisten voller Kartoffeln aufgereiht

Weniger Standardware, mehr Kartoffelvielfalt

Nicht immer sind Herkunft und Alter der Sorte klar. Stolz ist Karsten Ellenberg auf eine alte Sorte, die sich bis 1870 zurückverfolgen lässt. In seiner eigenen Kartoffel-Genbank beherbergt der Biobauer mehr als 100 verschiedene Sorten.

Zucht bringt neue Kartoffelsorten

Zunächst wird Karsten Ellenberg von vielen belächelt, als er anfängt, eigene, ungewöhnliche Kartoffelsorten zu züchten. Doch er lässt sich nicht von seinem Weg abbringen.

Für seine erste Kreuzung wählt er eine alte robuste und eine neue ertragreiche Sorte. Aus den Erbanlagen der beiden Sorten entsteht nach mühsamer und langwieriger Arbeit eine neue, leckere Sorte, die er nach seiner Großmutter "Emma" nennt.

Sack boller roter Kartoffeln

Für viele ein ungewohnter Anblick: violette Kartoffeln

Auf "Emma" folgen dann etliche bunte Tochter-Kartoffeln, unter ihnen die "Rote Emmalie", die "Violetta" und "Rosemarie". Um interessante neue Sorten zu züchten, nimmt Karsten Ellenberg weite Wege auf sich. Immer wieder besucht er nicht nur Kartoffel-Genbanken in Deutschland, sondern auch in Schottland und Peru.

Neue Sorten auch für Übersee

Karsten Ellenbergs Kartoffelzüchtungen haben es sogar schon über die deutschen Grenzen hinaus geschafft. In Kanada wächst bereits seine "Rote Emmalie", die Lizensierung von vier weiteren Sorten ist fast beendet.

Auch in anderen Ländern weiß man neue Sorten zu schätzen. Auf Kartoffelvielfalt zu setzen, kann sich lohnen, ist aber auch mit Risiken verbunden. Die Zucht neuer Sorten ist langwierig und kostspielig. Ganz zu schweigen von den Hürden der Lizensierung. 

Kartoffelfeld in Kanada.

Die "Rote Emmalie" wächst heute auch in Kanada

Der Kampf um "Linda"

Wer Kartoffeln züchtet, der kämpft auch für sie. Karsten Ellenberg hat das zusammen mit einigen anderen Kollegen getan. Als die Lizenz eines Saatgutkonzerns für die beliebte Kartoffelsorte "Linda" auslief und damit auch das lukrative Geschäft, wollte der Saatgut-Konzern "Linda" vom Markt nehmen.

Kartoffelsorte "Linda" in einer Kiste.

Linda, die umkämpfte Kartoffelsorte

Dagegen setzten sich Ellenberg und Kollegen zur Wehr und stritten auf Straßen, Äckern und vor Gericht für den Erhalt von "Linda" – mit Erfolg. Sie erreichten eine Neuzulassung der robusten und schmackhaften "Linda". Die ist in Europa jetzt wieder als Speise- und Pflanzkartoffel erhältlich. Zur Freude vieler Verbraucher.

Stand: 19.02.2018, 09:46

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