Warum viel Zucker ein Problem ist

Zucker

Warum viel Zucker ein Problem ist

Sie müssen jetzt ganz stark sein: Der Körper braucht zwar Zucker, aber keinen künstlich hergestellten Haushaltszucker. Auf den kann er verzichten. Die Lust auf Zucker kann ihn sogar richtig krank machen. Warum sind viele von uns so scharf auf Süßes?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Erstens ist schon die Muttermilch ziemlich süß, zweitens ist Zucker ein beliebtes Erziehungsmittel, um Kinder zu belohnen, um sie gefügig zu machen oder um den Familienfrieden zu retten.

Dadurch werden wir von klein auf an Zucker gewöhnt, obwohl der Körper Haushaltszucker physiologisch gesehen gar nicht braucht. Den Zuckerbestandteil Glukose, den der Körper für Muskeln und Gehirn benötigt, kann er problemlos aus Früchten, Gemüse, Reis, Brot, Kartoffeln und Fleisch gewinnen.

Brauner und weißer Haushaltszucker

Eigentlich brauchen wir ihn gar nicht

Haushaltszucker sind leere Kalorien

Für den Körper bedeutet künstlich hergestellter Industriezucker leere Kalorien. Deshalb ist eine stark zuckerhaltige Ernährung auch schlecht für die Gesundheit: Man nimmt zu viel Kalorien auf und erhöht das Risiko, an Zivilisationskrankheiten wie Fettsucht (Adipositas), Bluthochdruck und Diabetes zu erkranken.

Inzwischen gilt in Deutschland jeder Fünfte als krankhaft fettsüchtig. Das ist kein individuelles Problem mehr, sondern auch ein gesellschaftliches.

Zitat

"Wenn Adipositas so weiter geht, die Entwicklung von Übergewicht, ist das mit dem heutigen Krankenkassensystem nicht mehr zu finanzieren."

Wolfgang Siegfried, Leiter der Adipositas-Klinik Insula, Bischofswiesen

Falsche Ernährung ist ein gesellschaftliches Problem

Diabetes und Folgeerkrankungen verursachen jährlich Kosten in Höhe von 25 Milliarden Euro. Rechnet man Arbeitsunfähigkeit als Folge der Erkrankung mit ein, kostet falsche Ernährung die Krankenkassen in Deutschland – und damit auch die Kassenpatienten – noch weitaus mehr.

Weltweit rechnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) damit, dass sich die Zahl der Diabetiker bis zum Jahr 2020 mehr als verdoppeln wird. Das Problem wird also nicht kleiner, sondern rasant größer.

Empfehlungen der WHO

Aus diesem Grund hat die WHO im März 2015 neue Empfehlungen zum Zuckerkonsum herausgegeben. Kinder und Erwachsene sollen täglich weniger als zehn Prozent ihrer Energieaufnahme aus Zucker gewinnen.

Wer es schafft, seinen Zuckerkonsum auf weniger als fünf Prozent täglich zu reduzieren, also 25 Gramm oder 6 Teelöffel Zucker, unterstützt seine Gesundheit nachhaltig.

Was Schokolade im Körper auslöst

Doch so einfach ist es nicht, Zucker zu reduzieren, wenn man ihn gewöhnt ist. Woran das liegt? Beispiel Schokolade: Wenn wir Schokolade essen, bekommen Muskeln und Gehirn einen Extraschub Energie. Zusätzlich wird die Aufnahmefähigkeit des Gehirns für das Eiweiß Tryptophan gefördert. Es wird im Gehirn in das Hormon Serotonin umgewandelt, das für gute Laune sorgt.

Kind streicht Schokocreme aufs Brot

Glück als Brotaufstrich

Zudem kann Zucker ein suchtähnliches Verhalten auslösen. Falk Kiefer vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim konnte das in Tests mit Übergewichtigen zeigen. Diese Patienten reagierten anders auf Bilder von Obst und Gemüse als auf Bilder von Eiscreme und Crêpes.

Zitat

"Wenn wir übergewichtige Patienten in den MR Scanner [Hirnscan] reinlegen und ihnen Bilder von zuckerhaltigen Lebensmitteln zeigen, dann sehen wir eine Aktivierung in Regionen, die auch bei Abhängigkeitserkrankungen aktiviert sind, dem mesolimbischen Belohnungssystem, so nennt sich das. Das ist dazu da, Hinweise auf Belohnung anzuzeigen. Offensichtlich haben die adipösen Patienten mit dem Anblick von süßen Lebensmitteln eine Belohnungsvorhersage, die dazu führt, dass dieses System aktiv wird."

Falk Kiefer, Zentralinstitut für seelische Gesundheit, Mannheim

Kennzeichnung und Werbeverbot

Da Zucker süchtig machen kann, müsste er eigentlich wie Zigaretten und Alkohol gekennzeichnet werden. Wolfgang Siegfried, Leiter der Adipositas-Klinik Insula in Bischofswiesen, plädiert dafür, dass der Zuckergehalt auf Verpackungen mit Zuckerpyramiden dargestellt und bei Süßigkeiten auf Werbung verzichtet wird.

Zitat

"Würde Zucker heute erfunden, würde er nicht mehr als Nahrungsmittel zugelassen."

Wolfgang Siegfried

Das Ernährungsprotokoll

Was tun, um der Zuckersucht zu entgehen? Erstmal herausfinden, wie viel Zucker man überhaupt täglich zu sich nimmt! Das geht am einfachsten mit einem Ernährungsprotokoll. Kostenlose Vorlagen gibt es im Internet und in Ernährungs-Apps.

Zuckerbomben finden Sie am besten, wenn Sie sich die Zutaten auf Verpackungen und Nährwerttabellen ansehen. Beobachten Sie, warum Sie wann was essen, denn Essen hat auch eine psychische Komponente ("Essmotiv").

Stand: 16.11.2017, 10:23

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