Hilfe zur Ersten Hilfe

Rettungssanitäter bei der Arbeit.

Erste Hilfe

Hilfe zur Ersten Hilfe

Erste Hilfe kann Leben retten. Selbst wenn der Rettungsdienst sofort verständigt wird und schnell am Unfallort ist, kann es zu spät sein. Die ersten Minuten sind entscheidend, und jeder kann mit einfachen Maßnahmen helfen. Planet Wissen verrät, wie.

Neue Regel für die Wiederbelebung

Ein Herzstillstand führt durchschnittlich nach zehn Minuten zum Hirntod. Nach nur vier Minuten beginnt bereits eine Schädigung des Gehirns. Deswegen kann die sofortige Herz-Lungen-Wiederbelebung lebensrettend sein.

2010 haben internationale Mediziner die jahrelang gültige Regel für die Wiederbelebung geändert. Die sogenannte ABC-Regel sah so aus: A wie Airway (Atemweg), B wie Breathing (Beatmen) und C wie Compression (Druckmassage). Der Ersthelfer sollte also erst sicherstellen, dass die Atemwege frei sind (A), dann war die Beatmung dran (B) und zuletzt musste die Druckmassage (C) durchgeführt werden.

Diese Regel wurde vereinfacht: An erste Stelle ist die Herzdruckmassage gerückt. Nach 30 Kompressionen folgt erst die Beatmung – und zwar nur zwei Atemzüge. Dann geht es wieder mit der Herzmassage weiter. Herzdruckmassage und Beatmung sollten im besten Fall im steten Wechsel fortgeführt werden.

Experten sagen, dass schon allein die Herzdruckmassage ohne Beatmung lebensrettend sein kann. Mehrere Studien haben belegt, dass die Druckmassage nicht nur das effektivste Mittel für Laien ist, Leben zu retten. Auch die Hemmschwelle in Aktion zu treten ist wesentlich geringer als bei der intimen Mund-zu-Mund-Beatmung.

Erste-Hilfe-Automaten

In Fahrzeugen des Rettungsdienstes gehören Schockgeber, sogenannte Defibrillatoren, schon lange zur Standardausrüstung. Ein Defibrillator soll mit einem starken Stromstoß das Herz wieder zum regelmäßigen Schlagen bringen. Seit einigen Jahren findet man dieses medizinische Gerät vermehrt auch in Bahnhöfen, Flughäfen, Apotheken oder Schulen.

Notfallmediziner fordern eine weitere Verbreitung der Geräte in öffentlichen Räumen. Das Herzzentrum der Kölner Uniklinik etwa verteilt Defibrillatoren im Rahmen ihrer Initiative "Defiköln" in der Stadt, zum Beispiel in Sparkassen. In den Köpfen soll sich der Gedanke festsetzen: Dort, wo es den nächsten Geldautomaten gibt, befindet sich auch ein Defibrillator.

Sobald jemand ein solches Gerät in die Hand nimmt, wird automatisch die nächste Rettungsstelle informiert. Die Defibrillatoren sind so konstruiert, dass ein Laie sie ohne Übung benutzen kann. Sie sollen die üblichen Erste-Hilfe-Maßnahmen wie den Notruf und die Herzdruckmassage jedoch nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.

Nur wenn ein zweiter Helfer vor Ort ist, bleibt genug Zeit, nach einem Defibrillator Ausschau zu halten. Ein Helfer allein würde mit dem Suchen zu viele kostbare Minuten verschwenden. Es ist also weiterhin wichtig zu wissen, wie man ohne technische Hilfe einen Menschen wiederbeleben kann.

Tipp: Der Malteser-Rettungsdienst empfiehlt: Auch wenn man einen Defibrillator direkt zur Hand hat, müssen vor seiner Anwendung Herzdruckmassage und Atemspende durchgeführt sowie der Notruf kontaktiert werden.

Notruf per Handy

Vorbei sind die Zeiten, in denen Helfer nach einem Verkehrsunfall auf dem Seitenstreifen entlanggehen mussten, um die nächste Notrufsäule zu suchen. Die meisten Menschen haben ein Handy und können damit sofort an Ort und Stelle den Rettungsdienst alarmieren.

Der Notruf ist von jedem Telefon aus kostenlos. Von den meisten Handys lässt sich der Notruf auch ohne Geheimzahl (PIN) aktivieren. Allerdings kann man den Notruf seit ein paar Jahren in Deutschland nicht mehr ohne SIM-Karte wählen. Weil mit der Nummer zu viel Missbrauch getrieben wurde, muss heute der Anrufer immer identifizierbar sein.

Seit 2009 können die über den Notruf alarmierten Leitstellen mithilfe einer Ortungsplattform den ungefähren Standort ermitteln, von dem aus mit einem Handy angerufen wird. Dazu wird überprüft, über welchen Funkmast das Handy erreichbar ist. Auf dem Land ist die Funkmastdichte jedoch geringer als im städtischen Raum. Verfügt das Mobiltelefon über GPS (Global Positioning System), kann es immer exakt geortet werden.

Trotz der Möglichkeit eines Handy-Notrufes gibt es an Straßen und in öffentlichen Gebäuden immer noch Notrufsäulen. Denn auch wenn fast jeder ein Handy besitzt - es gibt keine Garantie, dass das Gerät im entscheidenden Moment funktioniert.

Tipp: Die Notrufnummer 112 sollte in jedem Mobiltelefon eingespeichert sein. Zudem kann man wichtige Nummern in seinem Handy-Telefonbuch markieren, damit Helfer im Notfall wissen, wen sie benachrichtigen sollen. Vor die zu kontaktierende Nummer den Eintrag "IN" (= im Notfall) speichern. Es können natürlich mehrere IN-Nummern vergeben werden, dann sollten sie mit einer Rangfolge versehen werden: IN1, IN2, IN3 und so weiter.

Notrufsäule an einer Autobahn.

Auch im Handy-Zeitalter wichtig: Notrufsäulen

Erste Hilfe mit dem Smartphone

Die großen Rettungsdienste bieten für Smartphone-Besitzer eine Erste-Hilfe-App an. Sie wollen damit Menschen unterstützen, die in Notfallsituationen sehr unsicher reagieren.

Die Applikationen erklären dem Nutzer mit Bildern und knappen sprachlichen Anweisungen die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen und können ihn so durch eine Notfallsituation lotsen. Die nötigen Handlungen werden Schritt für Schritt abgefragt.

Manche App verfügt zudem über einen Notruf-Assistenten, welcher der angerufenen Rettungsstelle den genauen Unfallort automatisch übermittelt. Andere Apps haben zusätzlich kleine Videos, die zeigen, wie man sich in Notfällen mit Säuglingen und Kindern zu verhalten hat.

Tipp: Eine App kann bei Unsicherheit helfen oder das Erste-Hilfe-Wissen auffrischen. Einen Kurs ersetzen diese Applikationen aber in keinem Fall, darauf weisen alle Anbieter ausdrücklich hin.

Ein Polizist zeigt eine Notruf-App auf seinem Smartphone.

Unterstützen im Notfall: Apps für Smartphones

Autorin: Melanie Kuss

Weiterführende Infos

Stand: 08.10.2018, 09:30

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