Qualität eines Krankenhauses – Interview mit Dr. Christof Veit

Dr. Christof Veit zu Gast im Studio:

Krankenhaus

Qualität eines Krankenhauses – Interview mit Dr. Christof Veit

Von Sandra Martin

"Gut gemacht" ist ihm nicht gut genug. Dr. Christof Veit ist im Auftrag der Bundesbehörden seit 2015 dazu berufen, in Deutschland für die Patienten Qualitätsstandards im Gesundheitswesen zu sichern und diese transparent zu machen. Daran arbeitet der geborene Baden-Württemberger schon seit 25 Jahren in verschiedenen Positionen – jetzt als Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG).

Planet Wissen: Was macht für Sie persönlich die Qualität eines Krankenhauses aus?

Christof Veit: Wir müssen unterscheiden zwischen dem persönlichen Eindruck und dem, was wir messen können. Je nachdem, mit welcher Erwartung ein Patient ins Krankenhaus kommt, fühlt er sich dort gut oder weniger gut aufgehoben, informiert, behandelt und umsorgt.

Wir als Institut widmen uns speziellen Aspekten, wissend, dass wir nicht alles bewerten können. Aber wir stellen zumindest in ein paar Bereichen legitime Anforderungen, deren Einhaltung wir von den Versorgenden erwarten können.

Zum Beispiel muss bei bestimmten Operationen vorsorglich ein Antibiotikum gegeben werden, damit keine Infektionen auftreten. Das schützt die Patienten.

Auf was würden Sie als Patient denn als Erstes gucken?

Ich würde schauen, ob ein Krankenhaus mit der Behandlung meiner Krankheit Erfahrung hat. Es sollte gewisse Eingriffe also schon häufiger machen. Ich würde darauf achten, dass sich das Krankenhaus an die Standards hält und auch ein bisschen, wie die Erfahrungen von Patienten sind.

Wie können Sie objektive Kriterien für die Qualität medizinischer Arbeit finden?

Zum einen fragen wir: Stimmt die Diagnose, die Indikationsstellung? Wurden die Standards eingehalten, die in den medizinischen Leitlinien vorgeben sind? Sind die richtigen Untersuchungen gemacht worden? Ist zum Beispiel der richtige Herzschrittmacher eingebaut worden? Da gibt es ganz konkrete Kriterien.

Wir erfragen zum anderen aber auch, welche Symptome und Nebenerkrankungen die Patienten hatten – und wie das Krankenhaus damit umgegangen ist. Das sind dann für uns die objektiven, die nachweisbaren Kriterien.

Welche Qualitätskriterien unterscheiden Sie?

Wir haben die Indikationsqualität, die bewertet, ob die richtige Behandlung gewählt wurde. Wir haben die Prozessqualität, die beurteilt, ob Patienten nach aktuellen medizinischen Standards behandelt wurden. Wir haben die Ergebnisqualität, die misst, ob die Ziele für einen Patienten erreicht wurden.

Das Vierte ist die Patientenerfahrung, die uns zeigt, wie gut Patienten im Ablauf versorgt wurden. Das sind unsere vier Dimensionen, wobei wir bei der Patientenerfahrung noch am Anfang stehen. Die Erfahrungen der Patienten werden aber künftig sehr wichtig werden.

Hygiene als Qualitätskriterium: Der Pflegekräftemangel wird dafür verantwortlich gemacht. Hängt es wirklich allein an den Pflegekräften?

Nein. Wir machen die Erfahrung, dass immer mehrere Dinge zusammenkommen. Wir haben Einrichtungen, die haben sehr viele Pflegekräfte und trotzdem gibt es ein Hygieneproblem, weil zum Beispiel die interne Kontrolle fehlt.

Und es gibt andere, die haben selbst bei kleiner Besetzung ein vorbildliches Hygienemanagement. Es ist ein sehr komplexes Thema. Gerade deswegen ist es wichtig, es anzugehen.

Wird es für Patienten in Zukunft leichter werden, offensichtliche Behandlungsfehler einzuklagen?

Wenn Behandlungsfehler auftauchen, ist das ein großer Qualitätsmangel. Wir kümmern uns ja um die Probleme und Komplikationen, die hätten vermieden werden können, und da zählen Behandlungsfehler dazu.

Wenn ein Patient sagt, meine Hüfte musste wegen einer tiefen Wundinfektion nochmal ausgetauscht werden, und er verklagt das Krankenhaus, weil er der Ansicht ist, es hätte gegen Hygienestandards verstoßen, dann guckt der Prüfer in den Qualitätsbericht.

Dort sieht er dann vielleicht: Ja, das ist ein reales Problem des Krankenhauses, das auch im vergangenen Jahr schon zu viele Infektionen hatte. Jeder Behandlungsfehler ist im Einzelfall zu prüfen. Unsere Daten können diese Prüfung aber unterstützen.

Wo können Patienten sich am besten darüber informieren, wie gut ihr Krankenhaus ist?

Momentan ist es so, dass Patienten im Internet sehr viele Infos finden, die aber eine sehr unterschiedliche Verlässlichkeit haben. Einige informieren gut, andere wollen aber nur werben und verschweigen Probleme oder Alternativen. Wir vom IQTIG wollen unsere Arbeit sehr verständlich darstellen.

Wir werden unsere Daten und Ergebnisse auch anderen geben: zum Beispiel Internetplattformen wie der Weißen Liste oder Qualitätskliniken oder den Portalen der Krankenkassen. So können die Patienten auch dort die Informationen vom IQTIG finden. Das sind dann verlässliche Daten.

SWR | Stand: 03.12.2015, 13:00

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