TCM in der Praxis

Ein Arztgespräch.

Traditionelle Chinesische Medizin

TCM in der Praxis

Von Thomas Schwarz

Die Akzeptanz der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) in der Bevölkerung ist hoch. Viele Bundesbürger würden sich für eine kombinierte Behandlung mit westlicher Schulmedizin und fernöstlicher Heilkunde entscheiden, zeigen Umfragen.
Aber wer darf eigentlich die TCM anwenden? Welche Krankheiten können mit der TCM behandelt werden? Und was bezahlen die Krankenkassen?

Wer darf die TCM anwenden?

Die Traditionelle Chinesische Medizin und Teilbereiche daraus – wie die Akupunktur oder die Ernährungslehre – dürfen zum einen Ärzte und Zahnärzte anwenden. Aber auch Angehörige nicht-ärztlicher Berufsgruppen wie Therapeuten, Heilpraktiker, Hebammen und Ernährungsberater dürfen sich der TCM bedienen.

Voraussetzung ist allerdings, dass sie eine spezielle Ausbildung absolviert haben. So bietet die "Deutsche Gesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin" (DGTCM) für Ärzte einen fünfjährigen Studiengang an, der – je nach Vorkenntnissen – auch in zwei bis drei Jahren absolviert werden kann. Zudem können sie über die DGTCM an der Universität Porto in Portugal einen Studiengang besuchen, der mit einem international gültigen "Master"-Titel abschließt.

Daneben können Ärzte und Angehörige nicht-ärztlicher Berufsgruppen einzelne Kurse der TCM belegen und damit Teilbereiche erlernen, wie zum Beispiel die Akupunktur. So können sie ein allgemein anerkanntes Diplom bekommen, das ihnen bescheinigt, dass sie die Akupunktur fachgerecht anwenden können.

Speziell für Ärzte hat die Bundesärztekammer Richtlinien für die Weiterbildung auf dem Gebiet der Akupunktur herausgegeben, wonach die Mediziner nach erfolgreich absolvierter Weiterbildung die Zusatzbezeichnung "Akupunktur" führen dürfen.

Die Hand einer Person im wßen Kittel tastet am Handgelenk den Puls einer anderen Person

Pulsdiagnostik am Handgelenk

Zahlen die Krankenkassen die Behandlung?

Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Untersuchung und Behandlung nach der fernöstlichen Heilkunde nicht oder nur teilweise. Mit einer Ausnahme: Die Akupunktur ist nach einem Beschluss des "Gemeinsamen Bundesausschusses" (G-BA) der Ärzte und Krankenkassen aufgrund wissenschaftlicher Studien zumindest bei chronischen Schmerzen im Kniegelenk und im Bereich der Lendenwirbelsäule Kassenleistung.

Der behandelnde Arzt muss jedoch über eine entsprechende Qualifikation verfügen, die ihn berechtigt, die Akupunktur durchzuführen. Darüber hinaus fördern einige gesetzliche Krankenkassen Kurse der Bewegungstherapien Qigong und Taiji.

Die privaten Krankenkassen sind nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes zumindest immer dann verpflichtet zu zahlen, wenn die Behandlung einer Erkrankung mit schulmedizinischen Verfahren nicht zum Erfolg führt.

Akupunktur am Ohr

Die Akupunktur ist die bekannteste TCM-Methode

Welche Krankheiten lassen sich behandeln?

Der Einsatz der Traditionellen Chinesischen Medizin hat sich bei einer Vielzahl von Erkrankungen bewährt. Außerdem können zahlreiche Alltagsbeschwerden von heute behandelt werden. Sie kann sogar zur Entwöhnung vom Rauchen eingesetzt werden. Unter anderem wirkt die TCM bei

Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates:
- Wirbelsäulenerkrankungen
- Gelenkerkrankungen
- Sehnenerkrankungen (zum Beispiel "Tennisellenbogen")
- Rheumatische Erkrankungen

Neurologischen Erkrankungen:
- Migräne und Kopfschmerzen
- "Nervenschmerzen"
- Schmerzen nach einer "Herpes Zoster"-Erkrankung (Gürtelrose)
- Multiple Sklerose (MS)

Psychosomatischen Störungen:
- Erschöpfungszustände
- Unruhe und Angstzustände
- Nikotinentzug (Raucherentwöhnung)

Hauterkrankungen:
- Neurodermitis
- Psoriasis (Schuppenflechte)
- Akne
- Juckreiz
- Chronische Wunden

Lungenerkrankungen:
- Asthma bronchiale
- Überreagierendes Bronchialsystem
- Chronische Bronchitis

Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes:
- Chronischer Durchfall
- Reizdarmsyndrom
- Chronisch-entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
- Entzündungen der Speiseröhre

Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen:
- Chronische Nasennebenhöhlenentzündung
- Störungen von Geruch und Geschmack
- Zungenbrennen
- Tinnitus (Ohrgeräusch)

Gynäkologischen Erkrankungen:
- Regelbeschwerden
- Geburtsvorbereitung
- Brustschmerz
- Beschwerden während der Wechseljahre

Urologischen Erkrankungen:
- Bettnässen
- Blasenentzündungen

Augenerkrankungen:
- Entzündung der Bindehaut
- Sehschwäche
- Grüner Star
- Altersbedingte Makuladegeneration/Altersblindheit
- Trockene Augen

Allgemeinen Beschwerden:
- Chronische Müdigkeit
- Leistungsschwäche

Hilft die TCM auch zur Vorbeugung?

Die Traditionelle Chinesische Medizin dient nicht nur zur Behandlung von Erkrankungen. Vielen der oben aufgeführten Krankheiten und Beschwerden kann sie auch vorbeugen.

So lässt sich nach Ansicht von Experten zum Beispiel mit der Ernährung, den Bewegungstherapien Qigong und Taiji und/oder der Anwendung von Heilkräutern das energetische Gleichgewicht von Körper, Seele und Geist bewahren. Der Fluss der Lebensenergie Qi bleibt harmonisch und das Risiko zu erkranken sinkt.

Eine weiße Teeschale enthält kupferfarbenen Tee. Daneben liegt ein weißer Löffel mit getrockneten Kräutern.

TCM eignet sich zur Vorbeugung

Stand: 04.07.2018, 12:00

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