Bionische Textilforschung

Lotos-Blatt mit Wassertropfen, die abperlen

Hightech-Kleidung

Bionische Textilforschung

Was haben ein Klettverschluss, ein Saugnapf und ein Propeller gemeinsam? Alle Erfindungen entstanden nach Anleihen aus der Natur. Der Forschungszweig, der sich damit beschäftigt, "Patente der Natur" zu nutzen, wird Bionik genannt. Mittlerweile profitiert auch die Textilforschung von Erkenntnissen der Bioniker.


Nie wieder saubermachen!

Das wohl berühmteste Beispiel neben dem Klettverschluss ist der Lotus-Effekt. Dieser Effekt stand Pate für die Entwicklung selbstreinigender Oberflächen. Das erste kommerzielle Produkt war 1999 eine Fassadenfarbe, die die Reinigung von Hauswänden überflüssig machen sollte.

Später gesellten sich selbstreinigende Waschbecken und Toiletten dazu. Recht jung ist die Erfindung selbstreinigender Stoffe nach dem Prinzip des Lotus-Effektes. Krawatten sind bereits auf dem Markt.

Rutschpartie für Schmutz

Aber wie funktioniert der Lotus-Effekt eigentlich genau? Schaut man sich die Blätter der Lotuspflanze unter einem Elektronenmikroskop an, dann sieht man, dass sie nicht glatt sind, sondern strukturiert: Winzige Unebenheiten überziehen ihre Oberfläche.

Zusätzlich sind sie mit einer Schicht feiner Wachskristalle überzogen. Die Oberflächenstrukturen sind so fein, dass weder Schmutz noch Wasser haften bleiben und schnell abperlen.

Noch zu teuer

Genau diese Eigenschaft hat sich die Nanotechnologie zu eigen gemacht und selbstreinigende Oberflächen auch für Kleider entwickelt. Ketchup, Öl oder Mayonnaise finden auf ihnen keinen Halt mehr. Man kann sie mit einem kleinen Wasserstrahl einfach herunterspülen und schon ist der Stoff wieder sauber.

Obwohl es schon textile Vorreiter gibt, die gut funktionieren, stellt die selbstreinigende Kleidung für die Textilindustrie immer noch eine große Herausforderung dar. Der kommerzielle Durchbruch steht aufgrund des recht kostenintensiven Herstellungsverfahrens noch aus.

Von Spinnen und Eisbären

Auf biologischen Vorbildern beruhen noch viele andere textile Innovationen wie die unbenetzbare Badekleidung, die dem Pelz der Wasserjagdspinne nachempfunden wurde. Spaltöffnungen von Blättern sollen als Vorbild für feuchtigkeitsregulierende Textilien dienen. Spinnenfäden – stabil, leicht und reißfest, wären das ideale Garn der Zukunft. Doch leider lässt sich bisher noch kein stabiler Faden spinnen.

Erfolgreich umgesetzt wurde bisher schon das Prinzip der Wärmedämmung in Jacken, deren luftgepolsterter Aufbau der Fellstruktur von Eisbären nachempfunden wurde.

Ein Eisbär wälzt sich in seinem Gehege

Kuschelig und warm: Das Eisbärenfell ist Vorbild für Hightech-Jacken

Autorin: Marion Werner

Stand: 11.10.2017, 15:55

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