Hutlexikon Teil 2: Jakobinermütze bis Zylinder

Hüte

Hutlexikon Teil 2: Jakobinermütze bis Zylinder

Jakobinermütze: (französisch "bonnet rouge": "rote Mütze") Rote, mit einer blau-weißen Kokarde (Rosette) geschmückte, leicht abgewandelte Form der phrygischen Mütze, einer kegelförmigen Mütze mit weicher, nach vorn fallender Spitze. Diese wurde von den Galeerensklaven getragen und deshalb der Symbolik wegen von den Jakobinern, den radikalen Republikanern während der Französischen Revolution, übernommen.

Kalabreser: Weicher Filzhut mit breiter Krempe und rundem oder spitzem Kopf. Der Kalabreser wurde nach den kalabrischen Republikanern benannt. 1848 trugen ihn Revolutionäre als Gesinnungszeichen. Später trugen viele Künstler den Kalabreser.

Mitra: (griechisch: "Gurt", "Einschlagfaden") Ursprünglich Bezeichnung für Binde. Im Mittelalter wurden verschiedene Kopfbedeckungen unter dem Ausdruck Mitra zusammengefasst. Heute wird die liturgische Kopfbedeckung der Kardinäle, Bischöfe und Äbte so bezeichnet.

Das Bild zeigt Papst Benedikt XVI., der eine Messe feiert. Er trägt eine geschmückte Mitra, eine Bischofsmütze.

Der Papst mit der bischöflichen Mitra

Napoleonhut: Form des Zweispitzes mit emporstehender hinterer und in der Mitte stark ausgebuchteter vorderer Krempe; getragen zur Zeit Napoleons.

Panamahut: Herrenstrohhut aus den Blättern der Kolbenpalme, die in Ecuador wächst. Benannt nach Panama, dem Umschlagplatz dieser Palmenblätter. Zur Herstellung werden nur ausgesuchte Blätter verwendet, die geteilt und unter Wasser geflochten werden, um Brüche im Material zu vermeiden. Es gibt den Panamahut in verschiedenen Formen: mit breiter, schlaffer oder geformter Krempe, mit ovalem Kopf mit Scheitelkniff oder Seitendelle; verziert mit einem farbigen Band. Der Panamahut war Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts stark in Mode - er wurde zur Tenniskleidung und im Sommer auch zum Frack getragen. Es gab/gibt oft auch Imitate aus billigerem Material.

Das Bild zeigt viele Panamahüte - Herrenhüte aus besonderen Palmenblättern - auf Ständern in einem Schaufenster.

Material aus Ecuador: der Panamahut

Schlapphut: Dunkler Hut aus Biberfilz mit breiter weicher Krempe und rundem nicht steifem Kopf. Die Krempe ließ sich seitlich hochschlagen und wurde zum Teil mit einer nach hinten wehenden Straußenfeder oder einem Fuchsschwanz verziert. Den Kopf des Schlapphuts konnte ein Hutband zieren. In der Renaissance trugen die Bauern den Schlapphut, außerdem fand man ihn in der Kleidung der Landsknechte. Anfang bis Mitte des 17. Jahrhunderts wurde er von Männern als Kavaliershut und von einigen adligen Damen als Symbol ihrer Emanzipation getragen.

Sombrero: (von spanisch "sombra": "Schatten") Breitkrempiger Hut als Sonnenschutz, bereits im Mittelalter von Frauen getragen. Heute versteht man unter einem Sombrero einen breitkrempigen Strohhut mit spitzem Kopf, der häufig in Mittel- und Südamerika vorkommt. Er diente als Vorbild für den Stetson, den nordamerikanischen Cowboyhut.

Stetson: (amerikanisch) Breitkrempiger Filzhut, meist Cowboyhut. Ähnlich der Form des Sombreros. Benannt wurde er nach dem Hersteller John B. Stetson, der in den 1870er Jahren diese bequeme Form des Huts für Cowboys einführte. Zeitweilig auch bei Männern und Frauen im Alltag in Mode.

Tiara: (von lateinisch "triregnum": "drei Königreiche") Dreifachkrone des Papstes, die bei feierlichen Anlässen ab Mitte des 11. Jahrhunderts bis 1964 getragen wurde. Papst Paul VI. schenkte seine Tiara den amerikanischen Katholiken als Dank für ihre Spenden. Seine Nachfolger trugen die Tiara nicht mehr. Sie gilt jedoch noch immer als bedeutendes päpstliches Symbol.

Turban: (von persisch "dulband": "Schärpe") Orientalische Kopfbedeckung, die aus einem sehr langen Stoffstreifen aus Leinen, Seide, Baumwolle oder Wolle besteht, der je nach Region, religiöser Zugehörigkeit oder Gesellschaftsschicht entweder um den Kopf selbst oder um eine Kappe gewickelt wird. Nach Europa gelangte der Turban durch die Kreuzfahrer. Er beeinflusste Ende des 14. und im Lauf des 15. Jahrhunderts die Kopfbedeckungen von Männern und Frauen. Kurzzeitig war der Turban in Europa eine modische Frauenkopfbedeckung.

Wellingtonhut: Zweispitz, der mit nach vorne und hinten zeigenden Spitzen getragen wurde und oft aus Biberfilz gearbeitet war; modern Anfang des 19. Jahrhunderts. Sein Name stammt vom britischen Feldmarschall Arthur Wellesley Herzog von Wellington (1769-1852).

Zipfelmütze: (von mittelhochdeutsch "zipf": "Spitze", "Ende") Kegelförmige Kopfbedeckung ohne Schirm und Krempe, deren nach hinten oder zur Seite fallende Spitze mit einem Pompon oder einer Quaste geschmückt ist. Ursprünglich war die Zipfelmütze eine Männerkopfbedeckung. Sie wurde vom Anfang des 16. bis Anfang des 19. Jahrhunderts als Hausmütze und bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Schlafmütze getragen. Im 20. Jahrhundert kam die gestrickte Zipfelmütze als Kopfbedeckung für den Wintersport in Mode (für Männer und Frauen).

Zweispitz: Hut mit aufgeschlagenen Krempen an zwei gegenüber liegenden Seiten; so entstehen zwei Spitzen. Der Zweispitz entwickelte sich Ende des 18. Jahrhunderts aus dem Dreispitz. Er konnte auch zusammengeklappt unter dem Arm getragen werden. Man unterscheidet zwischen dem Zweispitz, bei dem die Spitzen zur Seite weisen (Napoleonhut) und dem Zweispitz, bei dem die Spitzen nach vorne und hinten zeigen (Wellingtonhut). Unmodern wurde der Zweispitz in den 1820er Jahren.

Männlicher und weiblicher Schornsteinfeger mit Zylinder. Die Frau grüßt mit ihrem Zylinder lächelnd in die Kamera.

Der Hut der Schornsteinfeger

Zylinder: Herrenhut mit zylindrischem, steifem, verschieden hohem Kopf; die Krempe des Zylinders ist rund und steif. Der heute als Zylinder bezeichnete Hut ist wahrscheinlich eine abgewandelte Form des Ende des 18. Jahrhunderts getragenen zylinderähnlichen Wollfilzhuts oder des Biberhuts des englischen Landedelmannes. Zunächst wurde er Hoher Hut genannt. Mit oben schmaler werdendem Kopf war er ein Symbol der französischen Revolutionäre. Der Seiden-Zylinder wurde angeblich zum ersten Mal am 16. Januar 1797 vom englischen Hutmacher John Hetherington getragen, der damit öffentliches Ärgernis erregt haben soll. Der elegante Herr trug den Zylinder allerdings erst ab den 1830er Jahren; damit wurde er zum bürgerlichen Hut. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Zylinder als eleganter Abendhut aus schwarzer, glänzender Seide getragen. In Grau trug man ihn tagsüber bei feierlichen Anlässen. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich die Form des Zylinders nicht mehr maßgeblich; der Kopf war inzwischen relativ niedrig. Bis Ende der 1920er Jahre wurde der Zylinder als Hut für abendliche Anlässe in Form des Chapeau claque getragen. In den 1950er Jahren sah man den Zylinder nur noch zu höchst feierlichen, offiziellen Anlässen. Heute ist er unter anderem Symbol für den Schornsteinfeger.

Autor/in: Alexandra Stober

Stand: 08.08.2014, 13:00

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