1988: Die Flugschau in Ramstein

Katastrophe bei der Flugschau in Ramstein am 28.8.1988: Bei der letzten Programmnummer, bei der Flugfigur 'Durchstoßenes Herz', kollidiert ein Jet der italienischen Kunstflugstaffel Frecce Tricolor mit zwei anderen Jets und explodiert.

Katastrophenmanagement

1988: Die Flugschau in Ramstein

Eine der größten Katastrophen in der deutschen Geschichte ist die Flugschau von Ramstein im Jahr 1988. Das neugierige Publikum kam bereits zum 35. Mal in Scharen nach Ramstein, um die mutigen Flieger bei ihren atemberaubenden Manövern zu bewundern.

Der Tag begann voller Erwartungen

Die Flugzeuge wirbelten in einer genau vorgegebenen Choreografie durch die Luft und die Show war jedes Jahr wieder ein unglaubliches Highlight für viele Zuschauer. Familien planten lange vorher den Besuch und die Kinder freuten sich schon seit Wochen auf die Flugschau.

350.000 Menschen waren am Morgen zu Westeuropas größtem Militärflughafen gekommen, um die spektakuläre Flugshow zu sehen. Das hatte Tradition, seit 1953 veranstalteten die Amerikaner jedes Jahr eine Show. Man wollte deutsche und amerikanische Bürger zusammenführen und zeigen, was man an militärischen Fähigkeiten zu bieten hatte.

Das alles war umstritten, die Flugvorführungen galten als waghalsig und riskant und die Friedensbewegung protestierte schon seit Jahren gegen die Zurschaustellung der Waffen.

Trotzdem fand die Show auch im Jahr 1988 wieder statt. Höhepunkt war die Flugfigur "Durchstoßenes Herz" der Kunstflugstaffel der italienischen Luftwaffe mit zehn Fliegern. Die Formation sollte sich aufteilen, ein Herz in der Luft nachzeichnen und ein einzelner Flieger dann das Herz durchstoßen – wie ein Pfeil.

Doch es kam zur Katastrophe: Ein Pilot war knapp vier Sekunden zu früh und stieß mit zwei weiteren Flugzeugen zusammen. Er stürzte mit seinem brennenden Flugzeug mitten in die Zuschauermenge. Es gab mehr als 500 Verletzte, mehr als 60 Menschen starben bei dem Unglück.

Katastrophe bei der Flugschau in Ramstein am 28.8.1988: Das abgestürzte Flugzeug explodiert in der Menge der entsetzten Zuschauer und geht in Flammen auf.

Die Betroffenen können die Bilder nie mehr vergessen

Das Seelenheil der Opfer

Seit den dramatischen Ereignissen bei der Flugschau in Ramstein werden Opfer und Helfer von Katastrophen verstärkt auch psychologisch betreut. Vorher steckte die Betreuung in Deutschland noch in ihren Anfängen. Das "Danach" war im Grunde noch gar kein richtiges Thema. Das sollte sich mit dem 28. August 1988 ändern.

Menschen, die von Katastrophen betroffen sind, die schreckliche Ereignisse selbst miterlebt haben, entwickeln in vielen Fällen eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Sie leiden meist ein Leben lang an den Symptomen und können die gesehenen Bilder nie mehr vergessen.

Die Symptome

Sie erleben Flashbacks: Bilder laufen dann im Inneren ab, sie fühlen sich plötzlich zurückversetzt in die schlimmsten Momente. Oft verlieren die Betroffenen die Lebensfreude, können kein Glück mehr empfinden, bekommen im schlimmsten Fall sogar Depressionen oder leiden an Suchterkrankungen. Ein kleiner Teil begeht sogar Selbstmord.

Jeder Mensch hat ein gewisses Urvertrauen in das Leben und darin, dass letztlich nichts Schlimmes passieren wird, ein Gefühl von Sicherheit in seiner Umgebung. Dieses Gefühl verlieren die Betroffenen.

Die Posttraumatische Belastungsstörung trifft aber nicht nur Opfer, die direkt von der Katastrophe betroffen waren, sondern auch Menschen, die eine solche Katastrophe mit ansehen mussten: Katastrophenhelfer, Journalisten, Zuschauer, die nicht persönlich verletzt wurden, aber in der Nähe waren.

Autorin: Petra Haubner

Stand: 08.10.2018, 10:49

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