Die Strategien der Großmächte

Die Nationalflaggen der 3 Großmächte Russland, USA und China werden bei einem Sportereignis nebeneinander gehisst.

Geopolitik

Die Strategien der Großmächte

Von Beate Krol

Viele Menschen, große Territorien und Atomwaffen – das haben alle Großmächte gemeinsam. Aber es gibt auch gravierende Unterschiede zwischen den USA, Russland und China. Und die bestimmen ihre Außen- und Sicherheitspolitik.

Die USA werden zur Supermacht

Der Aufstieg der USA zur Großmacht Nummer eins begann 1898. Damals erklärten die USA dem Kolonialreich Spanien den Krieg, um es von Kuba zu vertreiben, von wo aus Spanien den Seezugang nach Florida und in den Golf von Mexiko kontrollierte. Die USA gewannen und legten damit den Grundstein für ihre Vormachtstellung in der Welt, denn neben Kuba fielen auch Puerto Rico, Hawaii, die Philippinen und die Insel Guam im Westpazifik an die USA.

Die USA kontrollieren weite Teile der Welt

Auf all diesen Territorien unterhalten die USA bis heute Militärstützpunkte. Weltweit sind es mehr als 700. Damit kontrollieren die USA sowohl den Atlantik und den Pazifik als auch die Schlüsselregionen der Welt: Eurasien mit seinen industriellen Zentren, den westlichen Pazifik mit seiner Nähe zu Russland und China und die Golfregion mit ihren reichen Öl- und Gasvorkommen.

Supermacht USA Planet Wissen 26.06.2019 02:00 Min. Verfügbar bis 26.06.2024 SWR

Zwei andere wichtige geopolitische Machtpfeiler der USA sind der Dollar und der große Einfluss auf internationale Institutionen. Der Dollar als Leitwährung sorgt dafür, dass selbst dann Geld in die USA fließt, wenn die Wirtschaft schwächelt, wie es seit den 1990er Jahren der Fall ist.

Als Mitglied im UN-Sicherheitsrat bestimmen die USA maßgeblich die Politik der UNO mit. Ihre wichtige Position in den internationalen Wirtschaftsinstitutionen sorgt dafür, dass der für die USA so wichtige freie Handel erhalten bleibt.

Die USA kämpfen um ihre Stellung

Zurzeit verfolgen die USA eine tendenziell aggressive Geopolitik. Ein Beispiel ist der Iran. Mit dem Ausstieg aus dem Atomabkommen und dem Handelsembargo versuchen die USA den Iran zu destabilisieren und einen Regime-Wechsel anzustoßen.

Das geopolitische Kalkül dahinter: Der Iran liefert Öl an China und ist ein wichtiges Transitland für die Neue Seidenstraße. Ein Regime-Wechsel im Iran würde China daher empfindlich treffen.

Russlands schwierige geografische Lage

In Russland wird die Geopolitik weit stärker als in den USA von der Geografie bestimmt. Obwohl es das größte Land der Erde ist, hat es keinen freien Zugang zu den Weltmeeren für seine Militär- und Handelsschiffe. Das liegt zum einen am Eis. Aber auch daran, dass sämtliche Zugänge von Nato-Partnern und -Mitgliedern kontrolliert werden.

Außerdem fehlen im Westen Russlands natürliche geografische Barrieren, die einen Einmarsch fremder Truppen verhindern oder wenigstens erschweren. Zur Zeit des Warschauer Pakts haben diese Funktion die westlichen Ostblockstaaten innegehabt. Inzwischen gehören einige von ihnen der Nato an, was den Druck auf die russische Westgrenze weiter erhöht.

Russlands aktuelle Geopolitik Planet Wissen 26.06.2019 01:48 Min. Verfügbar bis 26.06.2024 SWR

Russland schürt gezielt Konflikte

Die völkerrechtswidrigen Militärinterventionen Russlands hängen mit dieser geografischen Schwäche zusammen. Um zu verhindern, dass weitere ehemalige Ostblock-Staaten der Nato beitreten, schürt Russland gezielt Konflikte. 2008 bombardierte es Georgien, dem die Nato-Staaten kurz zuvor die Beitrittsmöglichkeit bestätigt hatten und das von den USA mit moderner Militärausrüstung versorgt worden war. 2014 unterstützte Russland russische Separatisten in der Ukraine, auf deren Territorium der einzige ganzjährig eisfreie Militärhafen Russlands liegt, und die ein wichtiger Abnehmer für russisches Öl und Gas ist.

Georgien 2008: Russische Friedentruppen auf einem gepanzerten Fahrzeug fahren durch Rukhi.

Russland demonstriert Stärke im Georgienkrieg 2008

Russland will Großmacht bleiben

Um seinen Status als Großmacht zu sichern, plant Russland außerdem Marine-Stützpunkte in Vietnam, auf den Seychellen, in Kuba und Afrika zu errichten. Außerdem setzt es auf seine immensen Gasvorkommen, die als Alternative zu den anderen, klimaschädlichen fossilen Brennstoffen immer wichtiger werden. 

Auch mit seinem Eingreifen im syrischen Bürgerkrieg auf Seiten Assads hat Russland seinen Großmacht-Anspruch demonstriert. Außerdem dient er dazu, den russischen Marine- und Luftwaffenstützpunkt im syrischen Tartus zu sichern.

China auf dem Weg zur Supermacht

2017 hat die Volksrepublik China den USA den Fehdehandschuh hingeworfen. Auf dem 19. Parteitag der Kommunistischen Volkspartei kündigte Chinas Parteichef Xi Jinping an, dass die Volksrepublik bis 2050 eine "starke Macht mit führendem Einfluss in der Welt" sein werde. Im Klartext heißt das: China will Supermacht werden, möglicherweise sogar die USA ablösen.

Entsprechend sieht die Geopolitik des bevölkerungsreichsten Landes der Welt aus. China plant, wie die USA, zur Zwei-Meere-Macht zu werden. Dazu versucht es, Staaten mit Zugang zum Indischen und Pazifischen Ozean auf seine Seite zu ziehen.

Außerdem rüstet China massiv auf. Das gilt besonders für die Marine. Die chinesische Regierung hat Flugzeugträger bauen lassen und zahlreiche hochseetaugliche Kriegsschiffe in Auftrag gegeben. Auch die Zahl der Atomsprengköpfe steigt stetig an.

China first

Auch wirtschaftlich expandiert China. Die jetzt schon größte Exportnation der Welt plant mit der "Neuen Seidenstraße" einen Land-Handelsweg nach Hamburg. Experten gehen davon aus, dass die chinesische Führung die Strecke mit Militärstützpunkten absichern wird.

Kampf um das Südchinesische Meer Planet Wissen 26.06.2019 02:38 Min. Verfügbar bis 26.06.2024 SWR

Im Südchinesischen Meer errichtet China bereits seit etlichen Jahren Militärbasen, indem es Riffe und Atolle aufschüttet. Das Land will sich damit nicht nur die Bodenschätze sichern, die Experten im Südchinesischen Meer vermuten, die neu entstehenden Inseln bilden darüber hinaus ideale Stützpunkte, um die für China so wichtigen Handelswege im Südchinesischen Meer freizuhalten.

Dass der Internationale Gerichtshof das Vorgehen Chinas im Südchinesischen Meer verurteilt hat, ignoriert die chinesische Regierung. Grund dafür ist vermutlich auch der innere Druck. China braucht die Rohstoffe, um den Wohlstand seiner riesigen Bevölkerung zu sichern.

Stand: 17.01.2019, 15:00

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