Interview mit Lukas Ostermann

Portraitaufnahme von Lukas Ostermann.

Jugend und Zukunft

Interview mit Lukas Ostermann

Von Claudius Auer

Er ist mit heute 20 Jahren Parteigründer und Bundesvorsitzender der JED, der Jugend- und Entwicklungspartei Deutschlands, und wird vielleicht Deutschlands jüngster Spitzenkandidat aller Zeiten werden. Dabei möchte er nur eines: Jugendlichen mehr Gehör in der Politik verschaffen.

Herr Ostermann, warum eine eigene Partei?

Wenn jemand Politiker ist, und seine Wählerschaft ist über 50, dann macht er natürlich Politik für Menschen über 50, sonst wird er nicht gewählt. Wenn ich als Jugendlicher in eine Partei eintrete, gibt es für unter 30-Jährige keine Möglichkeit, dort irgendetwas zu machen oder mitzugestalten.

Gehen Sie mal in meinem Alter in die Ortsgruppe einer Partei. Da sind alle über 50 und alle Posten sind besetzt. Man hat da keine Chance. 2017 habe ich mich mit meinem Klassenkameraden Till Müller zusammengesetzt und wir haben überlegt: "Wen wollen wir wählen?".

Wir haben keine Partei gefunden und haben dann beim Landeswahlleiter in Nordrhein-Westfalen angerufen und gefragt: "Was brauchen wir, um selber eine Partei zu gründen?" Wir haben seine Skepsis bemerkt, als er das gehört hat. Dann haben wir aber alles durchgezogen und alle Anforderungen erfüllt. Er hat uns dann respektiert. Und jetzt gibt es die Partei.

Was ist der Unterschied zu den bestehenden Parteien?

Junge Menschen nutzen andere Möglichkeiten, um sich zu beteiligen. Dazu kommt, dass wir in unserem Alter geografisch sehr mobil sein müssen, das wird ja von uns verlangt. Wir gehen in einer Stadt zur Schule, studieren dann in einer anderen. Dann kommt ein Auslandsjahr, Praktika, und dann der Beruf, wieder ganz woanders.

Wir beteiligen uns also eher an Internet-Kampagnen, posten unsere Meinung in Blogs oder in den sozialen Medien. Wir interessieren uns mehr für NGOs, Greenpeace oder Hochschulgruppen. Es gibt neue Formen, projektgebundenes Engagement. Wenn wir uns politisch in Parteien beteiligen wollen, dann brauchen wir Strukturen, bei denen jeder von überall mitarbeiten kann.

Wir in der JED haben unseren "Ortsverein" im Internet. Wir machen fast alle Meetings online, wir haben 80 bis 90 Mitlieder aus allen Bundesländern. Natürlich gibt es auch Parteitage, da kommen die Mitglieder dann hin und wir tauschen uns aus, aber das meiste läuft online.

Sie studieren ja Informatik. Haben wir in Deutschland zu viel Angst vor dem "bösen Internet"?

In den letzten Jahrzehnten ist unfassbar viel passiert. Aber das Internet ist nichts, gegen das man sich zur Wehr setzen sollte. Es ist da. Viele sagen immer noch: "Früher hat das auch alles geklappt, ohne App und ohne soziale Medien und dem allem."

Das stimmt. Aber früher war es nicht besser, es war im Gegenteil viel anstrengender. Dabei gibt es so tolle Apps, auch für Senioren. Nicht nur zum Thema Gesundheit. Das weiß eigentlich jede Oma, die mit ihren Enkeln chattet. Und das weiß auch jede größere Firma in Deutschland, die große Datenmengen austauscht.

Unsere Netzabdeckung mit schnellem Internet ist international gesehen ein Witz. Überall gibt es eine höhere Datenrate und das auch noch billiger. Jeder, der mal in Skandinavien oder in China war, weiß das. In Litauen gibt es doppelt so viele Glasfaseranschlüsse wie in Deutschland – in absoluten Zahlen gesehen!

Deutschland muss also viel aufholen. Und wenn man sich mal überlegt, was Internet-Unternehmen bewirken: Amazon ist ein Kaufhaus ohne Filialen, AirBnB hat keine Hotels, Uber hat kein Taxi. Wir werden bald nur noch ein Land sein, das Kräne und Autos baut. Es gibt über 40.000 unbesetzte Informatikerstellen in Deutschland. Die Software kommt bald von woanders her.

Sehen Sie sich als Mitglied der sogenannten "Generation Y", den "Millenniern"?

Die Idee der "Generation Y" bildet nur eine bestimmte Schicht ab, also junge Leute mit guter Ausbildung, Studium, meist in den Großstädten. Die meisten Jugendlichen wollen, glaube ich, aber einfach nur einen sicheren Arbeitsplatz, ein gutes Gehalt und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Stattdessen arbeitet über die Hälfte der Berufsanfänger in Billiglöhnen – und das auch noch befristet. Die Leiharbeit hat sich verdoppelt. In der Nachkriegszeit haben wir noch 48 Stunden pro Woche gearbeitet. Heute arbeiten aber beide, Mann und Frau: Zusammen sind das dann 72 Stunden. Es ist schwer, als Alleinverdiener eine Familie zu ernähren. Das will auch keiner mehr, aber: Es gibt insgesamt einfach weniger Geld. Wir wollen keine Jobs, die nur Geld machen, wir wollen Jobs, die Sinn machen.

Im Programm Ihrer Partei, der Jugend- und Entwicklungspartei, fordern Sie, dass auch Jugendliche zur Wahl gehen dürfen. Wie begründen Sie das?

Jugendliche unterscheiden sich von den Meinungen der Erwachsenen. Gerade deshalb lassen Erwachsene diese Meinung oft nicht gelten. Politik für Jugendliche ist Investition in die Zukunft. Ein 15-Jähriger lebt noch 70 Jahre. Ein 60-Jähriger vielleicht nur noch 20.

Warum darf die Jugend nicht über ihre eigene Zukunft mitentscheiden? Viele Schüler sind besser informiert, als Erwachsene denken. Ab 14 ist man strafmündig: Jeder, der sich an die Gesetze halten muss, soll sie doch auch mitbestimmen können. Ich bin für ein Wahlalter ab 14 Jahren und Politik als Schulfach durchgehend im Lehrplan. Dann wählen Jugendliche nicht nur, was ihnen die Eltern sagen, wie immer befürchtet wird.

Und man muss bedenken: Viele Erwachsenen wählen ebenfalls sehr impulsiv und nicht besonders reflektiert. Die AfD wurde meiner Meinung nach von unvernünftigen Erwachsenen gewählt; diese Partei betreibt nur Hetze, hat keine Ziele.

Stand: 13.02.2019, 13:00

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