Autotattoo, Kampfstern und Höllenblitz – Die Kultobjekte der Fans

Fan Ludwig vor seiner rot-weißen Isetta.

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Autotattoo, Kampfstern und Höllenblitz – Die Kultobjekte der Fans

Von Jennifer Dacqué

Beim Wort Fan denken die meisten wohl zuerst an Fahnen schwenkende Fußballbegeisterte oder an Jugendliche bei einem Popkonzert. Doch als Fanobjekt kann nahezu alles dienen. Vier Fans geben einen Einblick in ihre außergewöhnliche Fanwelt und erzählen, was sie an ihrem Hobby so fasziniert.

Ludwig aus Hochdorf an der Enz liebt seine BMW-Isetta

"Die Isetta war für mich ein Kindheitstraum. Ich bin Jahrgang 1952, wurde also in der Zeit groß, als diese Kleinstwagen den Verkehr bestimmten. Damals wollte ich immer, dass meine Eltern eine kaufen, doch mein Vater arbeitete als Steuerberater, da konnte er nicht mit der Isetta vorfahren.

Als Student mit entsprechend knappem Geldbeutel kaufte ich mir 1974 zunächst einen Heinkel-Roller, der heute einen Seitenwagen bewegt und auf meinem linken Arm tätowiert ist. Er ist mir eben so lieb wie die Isetta, die ich auf dem rechten Arm trage.

Nach Abschluss des Studiums und dem damit verbundenen sozialen Aufstieg erfüllte ich mir 1978 den Traum von der Isetta. Sie war eher ein Schrotthaufen und hatte 25 Jahre lang im Dornröschenschlaf in einem Garten gestanden. Der Motor war fest, das Blech verbeult und im Luftfilter hatte ein Eichhörnchen sein Nest gebaut.

Fünf Jahre lang arbeitete ich daran. Die Isetta wurde bis auf die letzte Schraube zerlegt, das Blech ausgebeult, Rahmen und Karosserie mit dem Sandstrahler bearbeitet und die gesamte Technik von den Achsen bis zum Motor neu aufgebaut.

Seit 1983 ist sie wieder auf der Straße. Drei Kinder sind mit ihr groß geworden und ich habe so manche schöne Tour mit ihr unternommen. Ich war damit in ganz Deutschland unterwegs und wo sonst überall Isetta-Treffen waren. Auch die "Turacher Höhe" in Österreich, die wohl steilste Alpenstrasse überhaupt, habe ich damit bewältigt.

Vor ein paar Jahren habe ich mir einen sehr kleinen Klappwohnwagen "Klappfix" aus DDR-Produktion zugelegt. Den hänge ich manchmal bei längeren Touren an, was natürlich die Bergsteigfähigkeiten nicht steigert. Aber wenn es zu steil wird, gibt es auch noch ein Abschleppseil und freundliche Mitmenschen mit stärkeren Autos, die Spaß daran haben, dieses Fuhrwerk hochzuziehen.

Dieses bewegte Leben ging natürlich nicht spurlos an der Isetta vorüber. War sie in den 1980ern noch top-restauriert, hat sie heute deutliche Gebrauchsspuren. Doch ich werde sie im Wesentlichen so lassen. Was kaputt geht, wird natürlich repariert, denn fahrbereit und sicher soll sie bleiben.

Sie fährt heute auch nicht mehr ganz so viel wie früher, aber ein Verkauf der Isetta steht außerhalb jeglicher Diskussion. Meine Fahrzeuge verlassen mein Eigentum nur durch den Erbgang. Ob meine Kinder dieses Erbe zu schätzen wissen, wage ich zu bezweifeln. Aber das muss ich dann auch nicht mehr erleben."

Pia aus Darmstadt fliegt auf den "Kampfstern Galactica"

"Zum ersten Mal habe ich die Serie im zarten Alter von sechs Jahren gesehen und seitdem haben mich "Kampfstern Galactica" und die Science-Fiction-Welt nicht mehr losgelassen.

Mit 13 Jahren habe ich das erste Mal ein Fantreffen, den Science-Fiction-Treff Darmstadt, besucht. Nur wenig später war ich schon Gast auf der "FedCon", dem größten europäischen Fantreffen für Science-Fiction-Begeisterte. Seitdem bin ich jedes Jahr dabei. Ich besitze auch einige Kostüme der Serie, die ich immer auf den "Conventions" (so heißen die Fantreffen) trage.

Mit meiner Leidenschaft habe ich auch meine Familie angesteckt, sodass mein Vater nun ebenfalls schon seit zehn Jahren mit in der Fanszene unterwegs ist, natürlich in "Kampfstern Galactica"-Uniform.

Wenn mich jemand fragen würde, was mich als Fan von einem normalen Zuschauer der Serie unterscheidet, ist die Antwort, dass der Fan nicht nur einfach konsumiert, sondern sich auch mit den Hintergründen der Serie beschäftigt – und dies in jeglicher Hinsicht. Ich nähe zum Beispiel leidenschaftlich gerne verschiedene Kostüme nach.

Eine junge Frau in Science-Fiction-Kostüm (zweite von rechts) lächelt in die Kamera

Pia (zweite von rechts) auf der "FedCon"

Andere Fans bauen Modelle der Raumschiffe oder von Landschaften fremder Planeten. So bin ich auch dazu gekommen, die alle zwei Jahre stattfindende Modellbauausstellung "SpaceDays" in Darmstadt zu organisieren, die 2010 zum siebten Mal stattfindet.

Durch mein Hobby habe ich eine Menge Leute quer über den Erdball kennengelernt und mit vielen besteht über die Jahre immer wieder Kontakt.

Leider hat mein Hobby immer noch einen negativen Touch. Wenn man erklärt, dass man Science-Fiction-Fan sei, verbinden dies viele gleich mit weltfremden Menschen, die nur vor dem Fernseher oder dem Computer sitzen und die nur virtuelle Freunde haben.

Dass es aber ganz anders sein kann und auch ist, interessiert die meisten leider wenig. Aber trotz alledem ist die Science Fiction mit "Kampfstern Galactica" ein tolles Hobby, das man ungeachtet der kleinen Vorurteile der anderen "normal" ausleben kann."

Karl Heinz aus Niederkassel kämpft mit Pfeil und Bogen

"Als Jugendlicher verfiel ich einem "Pen Paper"-Fantasy-Rollenspiel (das nicht am Computer, sondern, wie der Name sagt, auf dem Papier und mithilfe von Würfeln gespielt wird).

Das Spielen schlief irgendwann aus Zeitgründen ein, doch die Erinnerung an die alte Zeit kam bei einem Besuch auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt am Kölner Schokoladenmuseum zurück:

Die seltsame mittelalterliche Sprache, die dort gesprochen wurde, der Met, der in Trinkhörnern feilgeboten wurde – das ließ mich irgendwie nicht mehr los. Ich besuchte dann öfter Mittelaltermärkte und legte ich mir im Frühjahr 2005 einen Reiterbogen zu.

Meinen Freund Hendrik, der damals schon in der Rollenspiel-Gruppe dabei war, hatte ich natürlich sofort infiziert. Er meinte irgendwann süffisant, dass es komisch sei, auf einem Feld mit dem Bogen zu schießen und dabei keine mittelalterlichen Klamotten zu tragen – das änderten wir daraufhin recht flott.

Das Hobby entwickelte schließlich eine Eigendynamik: Wir legten uns mehr und mehr Gewandungsteile zu, kauften andere Bögen und Zielscheiben, Hörner, irdene Becher und andere Utensilien. Ich fing an, eigenen Met herzustellen. Hendrik zimmerte Möbelstücke und Gewandungen (wir nennen es bewusst nicht Kostüm).

Wir knüpften auch schnell Verbindungen zu verschiedenen Veranstaltern und Gruppen und sind inzwischen selbst auf Märkten mit unserem eigenen Bogenstand anzutreffen. Seither nennen wir uns "Populus Ex Wanda", das Volk aus Wahn (Stadtteil von Köln). Unser Motto heißt "Mittelalter zum Anfassen": Neben den Märkten sind wir auch auf Schul- und Pfarrfesten, Geburtstags- und Hochzeitsfeiern zugegen.

Für meine Leidenschaft fahre ich auch gerne mal eben 450 Kilometer, um mir ein neues Zelt abzuholen oder stapele 200 Flaschen selbst gekelterten Met im Keller. Meine Partnerin macht bei meinem Hobby mit, wenn auch nicht ganz so intensiv. Auch meine Freunde sind größtenteils mit von der Partie.

Ich vermute mal, dass die Leidenschaft für das Mittelalter ein unterbewusstes Relikt aus Kindheitstagen ist, als man noch mit der Ritterburg spielte. Als Erwachsener kann man nun alles "in Echt" nachahmen. Vielleicht ist es aber auch der Werteverlust unserer Zeit und damit eine Erinnerung an Zeiten, in denen es noch Werte gab, auch wenn man sie nur spielt. Außerdem ist das ganze Ambiente einfach saucool."

Markus aus Eutin genießt den Temporausch einer Achterbahn

"Meine Fangeschichte begann 2007, im Eröffnungsjahr des "Höllenblitzes". Ich stand auf dem Bremer Freimarkt und habe mich, wie so viele andere auch, zuerst nicht in die Achterbahn hineingetraut. Man hört doch ständig Kommentare wie: "Mein Gott, die Gondeln drehen sich ja dabei" oder Ähnliches. Doch nach etwa 30 Minuten habe ich eine Fahrt gewagt – alleine, kein anderer wollte mitgehen. Und ich war und bin bis heute fasziniert von dem Fahrerlebnis.

Der Höllenblitz ist eine Achterbahn für die ganze Familie und bietet – wie ich finde – dem Fahrgast wirklich ein unvergessliches Fahrerlebnis: Lasershow, Figuren, die Auffahrt in einem Stollen, überall leuchtende Farben und tausende Lichter. Darum ist die Fahrt so einzigartig und spektakulär!

Die Fassade der Achterbahn Höllenblitz mit Leuchtschrift.

Fahrerlebnis mit 80 km/h: der Höllenblitz

All diese Dinge erklären vielleicht, warum gerade diese Achterbahn für mich so faszinierend ist. Ich finde, sie ist mit keiner anderen derzeit reisenden Bahn in Deutschland oder Europa zu vergleichen. Zudem ist sie die weltweit größte transportable Indoor-Achterbahn.

Der Zeitaufwand für mein Hobby ist unterschiedlich: Ich versuche parallel zum Beruf regelmäßig die Fanwebseite zu aktualisieren (was mir in stressigen Zeiten nicht immer gelingt), neue Aktionen wie gemeinsame Fahrten zu Festplätzen ins Leben zu rufen und neue Ideen auch mit dem Betreiber des Höllenblitzes zu erarbeiten.

In der Zeit, in der der Höllenblitz von Festplatz zu Festplatz reist, bin ich zwischen drei und fünf Tagen pro Woche auf den Festplätzen. In der Winterpause investiere ich natürlich weniger Zeit.

Verrückt sind dabei manchmal die Aufenthalte auf den Plätzen, denn ab und zu bleibe ich für mehrere Tage und zelte in der Nähe. Meine Familie und meine Freunde akzeptieren mein Hobby. Doch mitfahren oder mein Engagement unterstützen, das tun sie kaum. Mit meinen Freunden und der Familie spreche ich auch lieber über ganz andere Themen."

Stand: 03.07.2018, 09:25

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