Angriffe gegen Randgruppen

Hass im Netz – Angriffe gegen Randgruppen Planet Wissen 14.09.2016 03:11 Min. Verfügbar bis 07.09.2021 ARD-alpha

Gewalt

Angriffe gegen Randgruppen

Von Julia Fritzsche

Kübra Gümüşay ist Aktivistin und schreibt in Blogs gegen sexuelle Gewalt und Alltagsrassismus. Viele stört das: Eine Frau mit Kopftuch, die im Netz eine starke Meinung hat. Das macht sie zur Zielscheibe für Hass.

Kübra Gümüşay erfährt im Netz viel Hass

Gegen den Hass im Netz kann Kübra Gümüşay nicht viel tun – außer täglich mehrere Leute auf Twitter und Facebook zu sperren oder hasserfüllte Kommentare und E-Mails zu löschen. Und diese haben es in sich: "Erstick! Islamistin im Schafspelz! Kopftuch ab, oder raus aus Deutschland!"

Häufig wird Kübra Gümüşay vorgeworfen, dass der Islam eine "faschistische Religion" sei und sie ihr Kopftuch abnehmen soll: "Wir, also Frauen mit Kopftuch, sind entweder Opfer oder Handlanger der Männer."

Aufgeben oder weitermachen?

Befreundete Bloggerinnen haben sich mittlerweile aus dem Netz zurück gezogen. Frauen sind generell häufig Ziel der Angriffe von sogenannten Hatern, also Internetnutzern, die mit Hass nur so um sich sprühen.

Kübra Gümüşay ist nach wie vor im Netz sehr aktiv, sperrt inzwischen aber viele Internetnutzer, die sie mit Hass-Kommentaren überziehen: "Ich will kein dickeres Fell. Ich will ich sein, so feinfühlig wie ich bin. Ich will nicht gröber oder härter werden als Mensch."

Schon mit 14 Jahren war Kübra Gümüşay im Netz aktiv, mit 21 Jahren wurde sie Kolumnistin für die Berliner Zeitung taz.

Jeder ist gefragt

Sie sagt: Nicht nur Politik und Unternehmen wie Facebook müssten dem Hass entgegentreten. Jeder sei gefragt, alle in der Gesellschaft. Nutzer dürften nicht nur kritisieren, sondern müssten auch sagen, was wir gut finden.

"Was ich sehr schlimm finde, sind all die Menschen, die sich im Netz nicht mal zu sprechen trauen, weil sie wissen, dass so viel Hass auf sie wartet. Da wissen wir gar nicht, was wir alles verpassen, was wir unterdrücken."

Hass auf den Seiten der "Tagesschau"

Auch in der Online-Redaktion der "Tagesschau" kommt täglich Hass an. Zum Beispiel auf der Facebook-Seite: 12.000 Kommentare täglich, ein Drittel davon sind Hass-Kommentare.

Zu viert arbeiten die Social-Media-Redakteure und -Redakteurinnen die Kommentare ab. Es ist immer eine Gratwanderung. Wann ist etwas eine Meinung? Wann Hetze? Die Grenze ist fließend.

Ein Beispiel: Heißt die Wortzusammensetzung "Rapefugees not welcome" nun "Alle Flüchtlinge sind Vergewaltiger" oder "Flüchtlinge, die vergewaltigen, sind nicht willkommen"? Laut Staatsanwaltschaft Leipzig offenbar letzteres: Sie sah die Meinungsfreiheit in diesem Fall vorrangig.

Juristisch gesehen ist es Volksverhetzung, wenn jemand zu Hass gegen Menschen aufruft, zum Beispiel einer bestimmten Volksgruppe oder Religion, wenn deren Menschenwürde bedroht und dadurch das friedliche Miteinander gefährdet wird.

Der Spruch "Ausländer raus" ist juristisch gesehen also nur dann Volksverhetzung, wenn er zum Beispiel mit einem Bild von einem bestimmten Asylbewerberheim zusammen geteilt wird.

Viele Aussagen von Rechtspopulisten und Rechtsextremen dürfen deshalb im Netz stehen bleiben.

Stand: 24.07.2018, 15:00

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