Kriminalstatistik 2018: Häusliche Gewalt

Kind hält sich Hände an die Ohren, im Hintergrund streiten sich die Eltern.

Gewalt

Kriminalstatistik 2018: Häusliche Gewalt

Von Cordula Weinzierl

Nötigung, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Mord. Das sind nur einige der Varianten von häuslicher Gewalt. Die Opfer sind in den meisten Fällen Frauen. Begangen werden die Taten von den Partnern oder Ex-Partnern. Die Statistik des Bundeskriminalamts für das Jahr 2018 verzeichnet eine weiterhin zunehmende Tendenz bei der Partnerschaftsgewalt.

Vergleicht man diese Statistik zur partnerschaftlichen Gewalt mit der aus dem Jahr 2014, zeigt sich ein Anstieg um mehr als elf Prozent. Innerhalb von vier Jahren hat sich damit die Anzahl derer, denen zu Hause Gewalt widerfahren ist, um 15.000 Menschen erhöht. Das Bundeskriminalamt verzeichnet für das Jahr 2018 knapp 141.000 Fälle von Gewalt gegenüber Frauen und Männern. Diese Zahl entspricht in etwa der Einwohnerzahl der in Bayern gelegenen Großstadt Ingolstadt.

Häusliche Gewalt gegen Männer

Von den 114.000 Gewaltopfern waren 81 Prozent der Opfer weiblich. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) verdeutlicht diese Zahl: "Mehr als ein Mal pro Stunde wurde 2018 eine Frau in der Partnerschaft gefährlich körperverletzt." Aber auch Männer wurden von ihren Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen bedroht oder angegriffen. Mit etwa 26.000 Fällen verzeichnet die Statistik des Bundeskriminalamts für das Jahr 2018 hier ebenfalls eine Zunahme im Vergleich zu den Vorjahren. Wobei diese Zahl in der öffentlichen Diskussion kaum zur Kenntnis genommen wird. Das Ausblenden dieser Tatsache erklärt die Bundeszentrale für politische Bildung wie folgt: "Dass es in einer patriarchalischen Gesellschaft auch Gewalt gegen Männer und damit auch männliche Opfer gibt, scheint widersinnig, gelten diese doch gemeinhin als Täter."

Frau zieht Mann an den Haaren.

Auch Männer werden zu Gewaltopfern ihrer (Ex-)Partnerinnen

122 Frauen wurden 2018 von ihrem (Ex-)Partner getötet

Trotz der Zahlen, die belegen, dass auch Männer häusliche Gewalt erleben, ist traurige Realität, dass bei allen Delikten häuslicher Gewalt überwiegend Frauen die Opfer sind. Die genannte Statistik des Bundeskriminalamts zeigt, dass bei den Delikten Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexuelle Übergriffe mit über 98 Prozent fast ausschließlich Frauen betroffen sind. Auch die allermeisten Leidtragenden durch Stalking und Bedrohung sind weiblich – knapp 89 Prozent. Ebenso wie die mehr als drei Viertel der Opfer, 77 Prozent, bei einfacher Körperverletzung sowie Mord und Totschlag.

Mann hält Messer in der Hand, im Hintergrund liegt eine Frau auf Treppen.

2018 wurden 122 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet.

Im Berichtsjahr 2018 wurden in Deutschland 122 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Diese Zahl ist gegenüber dem Vorjahr um 25 gesunken. Bei den übrigen Delikten ist die Tendenz allerdings steigend, wobei das nicht unbedingt ein Hinweis auf ein Ansteigen der verübten Taten sein muss. Möglicherweise werden siemittlerweile auch häufiger zur Anzeige gebracht. Deshalb ist zu beachten, dass es sich hierbei ausschließlich um die tatsächlich bei der Polizei gemeldeten Fälle handelt. Die geht aber davon aus, dass es zusätzlich eine hohe Dunkelziffer von Gewalttaten gibt, die nicht zur Anzeige gebracht wurden.

Häusliche Gewalt zieht sich durch alle sozialen Schichten

Warum Frauen so viel häufiger Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner erfahren, hat unterschiedliche Ursachen. Männer sind Frauen in den meisten Fällen körperlich überlegen. Das versetzt sie in die Lage, ihre Macht- und Kontrollbedürfnisse mit Muskelkraft durchzusetzen. Dabei kann ihre Aggressivität durch das männliche Hormon Testosteron zunehmen. Die unterschiedliche Erziehung beider Geschlechterspielt ebenfalls eine Rolle. Jungs setzen sich häufiger mit ihren Freunden körperlich auseinander und messen so, wer der Stärkere ist. Das ist gesellschaftlich akzeptiert, was bei Mädchen nicht der Fall ist. Frauen, die in oder nach ihrer Beziehung Opfer von Gewalt werden, haben häufig als Kind schon Gewalterfahrungen gemacht. Die eigene Mutter wurde gedemütigt, geschlagen oder vergewaltigt. Vielleicht auch sie selbst. Viele Frauen verbleiben in einer Beziehung mit einem gewalttätigen Partner, weil sie darauf hoffen, dass sich die Situation ändert und er sie zukünftig nicht mehr schlägt oder vergewaltigt. Andere Frauen verlassen ihren Partner nicht, weil sie Angst vor möglichen Konsequenzen einer Trennung haben. Sie fürchten einen finanziellen oder sozialen Abstieg.

Mann hält Faust in Kamera, im Hintergrund sitzt eine Frau zusammengekrümmt in der Ecke.

Häusliche Gewalt findet sich in allen sozialen Schichten

Dazu kommt die Angst vor noch heftigeren Gewaltattacken nach einer Trennung – durch den Ex-Partner. Die weit verbreitete Annahme, häusliche Gewalt sei vorwiegend ein Problem in sozialen Brennpunkten, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bereits in einer Studie aus dem Jahr 2014 widerlegt. Häusliche Gewalt zieht sich demnach durch alle gesellschaftlichen Schichten.

Zunahme von Häuslicher Gewalt durch Corona-Krise

Je extremer die Situation des Zusammenlebens von Familien oder Partnerschaften ist, desto niedriger wird die Schwelle für häusliche Gewalt. In der Zeit der Corona-Krise verschärft sich die Wohnsituation für die meisten Menschen in Deutschland extrem. Alle Menschen sollen bis auf wenige Ausnahmen Zu Hause bleiben, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Es herrscht ein allgemeines Kontaktverbot. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sieht besonders in Städten die Gefahr, dass häusliche Gewalt weiter zunehmen wird. Auf dem Land haben die Menschen mehr Möglichkeiten, rauszugehen. Sie verweist dabei auf Zahlen aus Berlin, wonach dort die Anzeigen im März 2020 wegen häuslicher Gewalt, um zehn Prozent gestiegen seien. Auch beim Hilfetelefon "Nummer gegen Kummer" sei die Zahl der Anrufer um 20 Prozent gestiegen.

Unsere Quellen:

  • https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt
  • https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/gewalt-gegen-frauen-in-paarbeziehungen/80614
  • https://www.tagesschau.de/inland/gewalttaten-frauen-deutschland-101.html
  • https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-krise-und-haeusliche-gewalt-wenn-das-eigene-zuhause-nicht-sicher-ist-a-f4ed7e8a-9224-4876-bbc1-45e2b5a9c26c
  • https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-news-am-samstag-die-wichtigsten-entwicklungen-zu-sars-cov-2-und-covid-19-a-d277eff1-cca8-4d5d-8e14-dfdac7e14e37
  • https://www.edarling.at/ratgeber/psychologie/gewalt-gegen-frauen
  • https://www.bpb.de/apuz/27889/maenner-als-opfer-von-gewalt
  • https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-11/beziehung-gewalt-gegen-frauen-partner

Stand: 08.04.2020, 09:00

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