Warum wir alle Vorurteile haben

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Warum wir alle Vorurteile haben

Jeder Mensch hat Vorurteile. Wir lernen sie unbewusst schon im Kindesalter. Was geht da in unserem Hirn vor sich?

Unser Gehirn denkt in Kategorien

Unser Gehirn arbeitet mit zwei Systemen: Einem unbewussten, automatischen System zur schnellen Orientierung, das wir nicht steuern können. Dieses System greift auf Vorurteile zurück. Das zweite System können wir kontrollieren, es ist uns bewusst, dafür aber auch langsamer.

Im Alter von vier bis fünf Jahren lernen Kinder, in Kategorien zu denken. Im Gehirn bilden sich dabei Strukturen aus, die später mit Vorurteilen gefüllt werden können. Die Grundlagen der Kategorien – Normen und Werte – lernen Kinder von den Eltern, Großeltern, Geschwistern und von Freunden. Vorurteile liegen also nicht in den Genen, sondern kommen aus der Umwelt und werden "gelernt".

Der Vorteil

Wir denken in Kategorien, man könnte auch sagen: in Schubladen. Das Gehirn muss im Alltag Unmengen an Informationen in Sekundenbruchteilen verarbeiten. Die Schubladen erleichtern uns die Orientierung und machen uns schnell handlungsfähig.

Der Nachteil

Nicht die Kategorien im Kopf sind das Problem, sondern die Inhalte: Vorurteile, die nicht selten falsch sind. So gefährden unreflektierte Vorurteile das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft und grenzen viele Menschen aus. Meist nur weil sie anders sind, als man es gewohnt ist. Deshalb sollte man seine Ansichten ein Leben lang hinterfragen und an die Realität anpassen. Denn: Vorurteile steuern unbewusst nicht nur unser Denken, sondern auch unser Handeln!

Kennen Sie die?

Zu den klassischen Vorurteilen zählen:

  • Wer Doktor, Professor, Chirurg hört, denkt zuerst an einen Mann.
  • Führung ist Männeraufgabe.
  • Frauen sind schlecht in Mathe und können nicht einparken.
  • Männer können nicht zuhören und sind sozial weniger kompetent.
  • Jungs können in der Schule nicht stillsitzen.
  • Blondinen sind dumm.
  • Wer Dialekt spricht, ist dumm.

Selbsterfüllende Prophezeiungen in der Schule

Haben Lehrer Vorurteile gegenüber Schülern, kann das für die Schüler deutliche Nachteile haben. Auf Dauer passen sie sich an die Erwartungshaltung eines Lehrers an. "Das kann sich auf ihre Leistungen niederschlagen", sagt Studiogast, Professorin Melanie Steffens.

Vorurteile als Machtinstrument

Vorurteile sind mehr als nur Meinungen, sagt Professor Andreas Zick, Sozialpsychologe an der Universität Bielefeld. Sie können Grundlage sein für eine "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit". Ein Begriff, der einerseits das Vorurteil von Gruppen gegenüber Gruppen bezeichnet, das heißt Gruppenmitglieder haben eine negative Meinung über andere Gruppen. "Menschenfeindlichkeit" weist darauf hin, dass es dabei um mehr geht, als nur ein Gefühl oder einen Gedanken. Man benutzt ein Vorurteil, um eine tieferliegende Feindseligkeit auszudrücken.

Autorinnen: Tanja Fieber / Julia Fritzsche

Stand: 09.01.2018, 09:05

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