Humorforscherin Barbara Wild

Ein lachendes Baby

Lachen

Humorforscherin Barbara Wild

Barbara Wild hat sich ein ungewöhnliches Forschungsgebiet ausgesucht. Als Humorforscherin versucht die Psychiaterin und Neurologin, den Geheimnissen des Humors auf die Spur zu kommen. Seit 2014 ist sie Chefärztin der Fliedner Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Stuttgart.

Planet Wissen: Als Humorforscherin haben Sie sicher einiges zu lachen?

Barbara Wild: Manchmal schon. Wenn ich Witze raussuche, die ich den Versuchspersonen vorlege. Kürzlich hatte ich eine Doktorandin, die Witze über Psychiater und über psychiatrische Patienten recherchiert hat. Und das kann natürlich schon ganz amüsant sein, wenn man dann diese Witze liest.

Es ist auch schön, weil Patienten wirklich kommen, die irgendwo davon gehört haben, dass ich mich mit Humor beschäftige. Und die wollen dann auch, dass ich ihnen mit Humor begegne. Das finde ich ganz angenehm.

Wie sind Sie darauf gekommen, Humorforschung zu betreiben?

Humorforscherin Professor Barbara Wild

Barbara Wild erforscht, was Menschen zum Lachen bringt

Ich hatte mich mit dem Phänomen der emotionalen Ansteckung beschäftigt. Um genau zu sein, mit der durch Mimik. Das heißt, wenn man jemanden lachen sieht, dann fühlt man sich selber ja auch meistens ein bisschen positiver. Und um die emotionale Ansteckung zu untersuchen, hatte ich zusammen mit einer Firma eine kernspintomographietaugliche Videokamera entwickelt und eingesetzt.

Dann kam ein sehr netter amerikanischer Kollege und meinte: "Hey Barbara, let's do something about humor."Das haben wir gemacht. Wir zeigten unseren Versuchspersonen Cartoons, während sie im Scanner lagen. Dabei haben wir einerseits die Mimik gefilmt und andererseits natürlich auch mit dem Kernspintomographiegerät geschaut, was im Hirn passiert.

Ab welchem Alter entwickelt sich der Humor bei Kindern?

Das Erste, worüber Kinder lachen ist, wenn etwas Überraschendes passiert, was ihnen anfangs Angst macht, dass sich dann aber als harmlos herausstellt. Wenn die Mutter sich beispielsweise versteckt, plötzlich wieder auftaucht und dabei „Buh!“ macht. Für das Kleinkind ergibt sich ein kurzer Schreckmoment, aber dann sieht es: Ach, das ist die Mama, die da gerade "Buh!" macht. Das ist ja nichts Schlimmes, sondern etwas Nettes. Und dann lacht das Kind. Da wird so ein bisschen vorweggenommen, was in Witzen passiert.

Im Alter von etwa drei bis vier Jahren lernen Kinder dann eine sogenannte Theory of Mind zu bilden. Das bedeutet, sie beginnen zu verstehen, dass andere Menschen andere Absichten haben. Und dass sich diese Absichten möglicherweise von den eigenen unterscheiden.

Sie begreifen, dass das Gegenüber ein eigenes Innenleben mit eigenem Wissen, Wünschen und Intentionen hat. In diesem Alter fangen Kinder dann auch an, Witze zu erzählen, in denen es genau darum geht, dass der andere etwas anderes will als man selber.

Warum brauchen wir überhaupt die Humorforschung?

Eine jugendliche Gruppe liegen lachend nebeneinander

Humor dient zur Kommunikation

Humor ist ein ganz wichtiger Teil im Leben und er spielt eine wichtige Rolle, wenn wir mit anderen Menschen zusammen sind. Egal, ob jemand viel oder wenig Humor hat – das ist eine Ebene, auf der man sich auch gegenseitig abcheckt. Ob man jemanden positiv findet, oder ob man jemanden ablehnt.

Ob man jemanden über sich einstuft oder ob man ihn entwertet. Für die Beurteilung anderer Menschen und für die Beurteilung des Kontakts mit anderen Menschen spielt Humor also eine wichtige Rolle. Außerdem ermöglicht Humor einem selber den Ausdruck von Emotionen.

Und das ist etwas, was im engeren psychiatrischen und psychotherapeutischen Bereich wichtig ist. Da geht es ganz oft darum, dass bei einem Patienten die Emotionsverarbeitung gestört ist, weil die Beziehungen zu anderen Menschen gestört sind. Deshalb ist es wichtig, sich in diesem Zusammenhang auch mit Humor zu beschäftigen.

Sind Sie selber auch ein humorvoller Mensch?

Das müssten Sie meinen Mann und meinen Sohn fragen. Ich halte mich schon für humorvoll. Aber ich finde es immer schwierig, das für sich selber zu beantworten. Ich lache aber gerne. Und ich glaube, ich kann es auch durchaus ab, dass andere Leute über mich lachen.

Wenn mir irgendwas Mieses passiert, versuche ich mir außerdem immer zu sagen: "Du bist doch Humorforscherin! Wie würdest du das denn jetzt eigentlich sehen müssen?" Und manchmal kann ich mich dann an den eigenen Haaren wieder aus dem Sumpf ziehen.

Interview: Kerstin Deppe, Lothar Nickels

Stand: 13.01.2015, 14:00

Darstellung: