Wellness beim Putzen

Frau macht Gymnastik beim Staubsaugen

Hygiene

Wellness beim Putzen

Fenster putzen, Staub saugen, das Bad schrubben: Für die meisten ist das ein lästiges, aber notwendiges Übel. Nicht für Katharina Zaugg: Die Ethnologin und Putzkundlerin macht mit Lust und Leidenschaft sauber. Sie sagt dem schlechten Image des Putzens den Kampf an – und gibt Tipps, wie aus dem unvermeidlichen Hausputz ein sinnliches Vergnügen wird.

Putzen mit der richtigen Einstellung

Es hilft ja nichts: Wer wohnt, muss auch putzen. Und wenn es schon sein muss: Warum es sich dann nicht so angenehm wie möglich machen? Die Schweizerin Katharina Zaugg hat dafür das Konzept der achtsamen Raumpflege entwickelt.

Sie ist überzeugt: Die Wohnung richtig sauber zu machen, kann wohltuend, entspannend und gut für die Seele sein.

Damit das klappt, brauchen wir die richtige Einstellung. Statt uns widerstrebend und missmutig ans Werk zu machen, sollten wir uns darauf freuen, unsere Räume aus eigener Kraft und mit allen Sinnen zu pflegen, Oberflächen sanft zu berühren und vom Schmutz zu befreien, so die Putzexpertin. Denn: Putzen ist mehr als Saubermachen – sein Zuhause pflegen heißt, sich selbst zu pflegen.

Zur achtsamen Raumpflege gehören unter anderem der Einsatz von ökologischen Putzmitteln, der sorgsame Umgang mit uns selbst und den Dingen, die uns umgeben, sowie Wissen darüber, wie man gesund und nachhaltig putzt.

Verschiedene Putzmittel in Plastikeimer

Investieren Sie in gute Putzmittel

Zehn Tipps für mehr Spaß beim Putzen

  • Bevor es losgeht: Schaffen Sie Platz. Entrümpeln Sie Ihre Räume, trennen Sie sich von Überflüssigem, räumen Sie auf. Das befreit und verschafft Ihnen Ellenbogenfreiheit. Sie können zügiger arbeiten und sind schneller fertig.
  • Richten Sie Ihren Putzschrank so ein, dass Sie ihn gerne öffnen und alles, was sie brauchen, schnell zur Hand haben. Verfrachten Sie Spezialmittel und Utensilien, die Sie selten brauchen, in den Keller. Das schafft Luft, Übersicht und Ordnung.
  • In modernen Haushalten gibt es unzählige verschiedene Oberflächen. Informieren Sie sich, wie Sie diese richtig pflegen. Nicht für alles braucht man Spezialmittel – die, selten verwendet und nur halb geleert, schnell für unübersichtliches Chaos im Putzschrank sorgen.
  • Verwenden Sie ökologische Reinigungsmittel oder bewährte Hausmittel wie Zitronensäure. Sie eignet sich besser zum Entfernen von Kalkablagerungen als Essig. Schmierseife ist ideal zur Pflege von Natursteinböden. Auf Parkett oder Laminat bildet sie auf Dauer einen Schmierfilm und die Böden können spröde werden.
  • Investieren Sie in gutes Handwerkszeug. Vieles, mit dem wir putzen, ist hässlich, billig produziert und unpraktisch. Scharfe Gusskanten beleidigen die feinen Reflexzonen an unseren Händen, Kehrschaufeln, die nicht richtig auf dem Boden aufliegen oder Eimer mit dünnen Drahthenkeln, die in die Hände schneiden, vermiesen uns von vornherein die Lust am Putzen. Mit gutem Arbeitsgerät putzt es sich leichter, lieber und effektiver.
  • Beziehen Sie beim Kauf von Lappen und Schwämmen den Tastsinn mit ein. Ist das ein Gegenstand, den Sie gerne in die Hand nehmen? Ist er griffig - oder kratzig, dünn und labberig? Bestücken Sie Ihren Putzschrank mit einer Auswahl an frisch gewaschenen Lappen in verschiedenen Formen, Farben und Dichten.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie die Utensilien, die Sie zum Putzen verwenden, gerne anfassen. Handelsübliche Eimer, Besenstiele oder Staubsaugerrohre sind meistens glatt, Metall ist kalt. Umhüllen Sie die Griffflächen mit Materialien wie Stoff oder Leder und flechten Sie dabei kleine Unebenheiten ein. So entsteht beim Umgreifen eine angenehme, federnde Spannung.
  • Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Wer an einem Tag den kompletten Hausputz erledigen will, ist am Ende zwangsläufig frustriert. Besser ist es, in kleinen Etappen zu putzen und das Putzen ganz selbstverständlich in den Alltag zu integrieren. Das Bad zum Beispiel ist in 15 Minuten geputzt; das geht schnell mal zwischendurch.
  • Lernen Sie Ihr Putztemperament kennen. Wenn Sie es gründlich mögen, nehmen Sie sich der Reihe nach einmal im Monat einen bestimmten Raum vor und reinigen diesen sorgfältig. Der Rest läuft nebenher. Putzen Sie dann, wenn es Ihnen passt.
  • Wenn Sie alleine keine Lust haben: Laden Sie Freunde, Verwandte und Bekannte zum gemeinsamen Putzen ein. Früher war gemeinsames Putzen selbstverständlich, heute gibt es das nur noch in wenigen Kulturen, zum Beispiel in Nordafrika. Dabei stärkt kaum etwas das Gemeinschaftsgefühl besser als gemeinsames Arbeiten. Organisieren Sie beispielsweise eine Putzparty mit guter Musik, die zur Belohnung mit einer Vesper für alle endet.

Mann frustriert mit Staubsauger

Frust beim Putzen muss nicht sein

Putzen mit allen Sinnen

Mit der richtigen Einstellung und gutem Arbeitsmaterial wird aus dem Haushaltsputz ein meditativer Ausgleichssport. Damit das funktioniert, muss man Putzen als Tanz verstehen. Das heißt: in aufrechter Haltung und mit rhythmischen Bewegungen putzen.

Auch gut: ausholende Bewegungen machen, beide Arme und Hände benutzen und immer mal wieder von rechts nach links wechseln - so werden beide Gehirnhälften stimuliert. Wer mag, baut zusätzlich kleine Übungen ein, die das Putzen zum sinnlichen Erlebnis machen.

Frau bei der Bodenreinigung im Badezimmer.

Warum nicht mal beim Putzen tanzen?

Achtsamkeitsübung beim Putzen

Wenn wir einen Lappen auswringen, tun wir das normalerweise mit viel Kraft, unser Kiefer verspannt vor lauter Anstrengung. Machen Sie es einmal anders: Tauchen Sie den Lappen in angenehm temperiertes, nicht zu heißes Wasser, ziehen ihn hinaus, legen ihn zusammen und horchen dabei auf das Plätschern des Wassers.

Dann drehen Sie langsam am Lappen – so, dass Sie dabei entspannt bleiben. Erhöhen Sie den Druck allmählich aus dem ganzen Körper heraus. Stehen Sie dabei aufrecht und mit beiden Beinen fest auf dem Boden, Schulter und Brustkorb bleiben frei.

Putzhandschuhe wringen  über dem Putzeimer einen Putzlappen aus.

Das Auswringen wird zur Wellness-Übung

Duett mit dem Staubsauger

Der Staubsauger: eigentlich eine glorreiche Erfindung, die uns das Leben leichter macht. Wenn da nur nicht der Lärm und der Gestank wären – und die Rückenprobleme, die man sich beim Staubsaugen einhandeln kann.

Viele Bandscheibenvorfälle vor allem bei Frauen, sind auch auf die falsche Haltung beim Staubsaugen zurückzuführen. Um das nevige Geräusch des Staubsaugers zu übertönen, hilft Musik anmachen. Besser noch: Sie summen oder singen mit, das macht auch noch gute Laune.

Blind putzen

Der Tastsinn spürt Verschmutzungen besser auf als die Augen. Probieren Sie es aus: Schließen Sie die Augen oder setzten Sie eine Schlafmaske auf. Legen Sie dann einen angenehm warmen Lappen in die Hand und fahren damit über eine Oberfläche, zum Beispiel über das glatte Emaille Ihrer Badewanne.

Dort, wo der Lappen mühelos gleitet, ist es sauber, dort, wo er hängen bleibt, gibt es Verschmutzungen. Über das Tasten werden Sie die Konturen der Gegenstände ganz anders erfahren und neu entdecken – eine sinnliche Erfahrung der besonderen Art.

Hand putzt Fensterscheibe.

Gefühl für Schmutz bekommt man beim Blindputzen

Autorin: Kerstin Deppe

Stand: 05.07.2017, 11:09

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