Travestie

Travestie

Aus Mann mach' Frau - aber nur auf Zeit

Travestiekünstler tanzt und singt zwischen zwie Tänzerinnen

Schillernd, glitzernd, schrill: So ist die Welt der Travestiekunst, bei der sich Männer aufwendige Kostüme anziehen und in die Rolle einer Frau schlüpfen - ganz nach der französischen Bedeutung. Da heißt "travesti" nämlich verkleidet. Im Englischen werden Travestiekünstler "Drag Queens" genannt. In bunten Shows präsentieren sie Gesang, Tanz und Comedy, oftmals mit schlüpfrigen Gags.

Schillernd, glitzernd, schrill: So ist die Welt der Travestiekunst, bei der sich Männer aufwendige Kostüme anziehen und in die Rolle einer Frau schlüpfen - ganz nach der französischen Bedeutung. Da heißt "travesti" nämlich verkleidet. Im Englischen werden Travestiekünstler "Drag Queens" genannt. In bunten Shows präsentieren sie Gesang, Tanz und Comedy, oftmals mit schlüpfrigen Gags.

Damit aus Mann Frau wird, ist einiger Aufwand nötig. Neben einer Perücke, gehören auffällige Kleider zur Kostümierung. Eine weibliche Körperform wird durch Korsetts oder Polster erreicht. Einige Travestiekünstler "bauen" sich dann noch ein Dekolleté : zum Beispiel mit Stoffballen. High Heels runden das Bild ab. Das alles ist übrigens ein teuerer Spaß: Echthaarperücken können pro Stück beispielsweise mehr als 1000 Euro kosten.

Zudem muss aus einem männlichen ein weibliches Gesicht werden. Dazu wird in den Farbkasten gegriffen: Das Gesicht wird gepudert, die Wangenknochen akzentuiert, Wimpern getuscht und verlängert. Außerdem wird knalliger Liedschatten und Lippenstift aufgetragen, damit auch die Zuschauer in den hinteren Reihen alles sehen.

Eine der bekanntesten deutschen Drag Queens ist Olivia Jones. Ihre Rolle als Frau zog sie selbst 2013 in der Fernsehsendung "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" durch. 1997 wurde sie in Miami zur "Miss Drag Queen of the World" gewählt. Sie ist außerdem die erste Drag Queen, die in der NDR-Sendereihe "Wort zum Sonntag" spricht. In Hamburg hat sie mehrere Bars.

Entdeckt wurde Olivia Jones von Lilo Wanders. Diese wird von Schauspieler Ernst-Johann Reinhardt gespielt, der die Kunstfigur in den 80er Jahren für ein Theaterstück erfunden hat und sie seitdem verkörpert. Berühmt wurde Wanders durch das Erotik-TV-Magazin "Wa(h)re Liebe", in der sie dem Tabuthema Sex auf den Grund ging. Heute führt die Drag Queen in Hamburg Touristen durch St. Pauli.

Das Ändern des Aussehens zum anderen Geschlecht hat im Theater übrigens schon eine lange Tradition. Bereits in der griechischen Antike wurden Frauenrollen von Männern übernommen. Auch zu William Shakespeares Zeiten war es völlig normal, dass weibliche Rollen von Männern verkörpert wurden. Auch heute noch gibt es einige Frauenrollen, die von Männern gespielt werden - häufig aus komödiantischen Gründen. Schauspieler Uwe Ochsenknecht spielte zum Beispiel im Musical "Hairspray" die Rolle der Edna, die Mutter des Hauptcharakters Tracy.

Auch im Sport sind Drag Queens vertreten: Bei den Drag Queen Olympics, einer Abwandlung der Olympischen Spiele. Auch Drag Kings, also als Männer verkleidete Frauen, dürfen an den Spielen teilnehmen. Die Disziplinen sind so außergewöhnlich wie die Teilnehmer: Sie reichen von Stilleto Sprint über Handtaschenwerfen und Bitch Volleyball. Damit die Teilnehmer ihre Rolle trotz all der Anstrengung und Schweiß gut verkörpern können, sind Make-Up Artisten vor Ort.

Drag Queens sind auch beim Christopher Street Day, kurz: CSD, mit dabei. Das ist ein Straßenfest. Beim CSD wird für die Rechte von Homosexuellen, Transgendern, Bisexuellen und Asexuellen demonstriert. Obwohl der Name Englisch ist, wird der CSD im Rest der Welt als "Gay Pride" bezeichnet. Häufig wird in dem Zusammenhang auch die Bezeichnung LGBT genutzt. Sie kürzt die Begriffe "Lesbian - Lesbisch", "Gay - Schwul", "Bisexual - Bisexuell" und "Transsexual - Transsexuell" ab. Der CSD wird in vielen Städten gefeiert, beispielsweise in Madrid, Berlin, Tel Aviv und Olso.

Der Ursprung des CSD liegt in den USA. Dort hatte die New Yorker Polizei in den 60er Jahren gehäuft Orte kontrolliert, deren Stammklientel aus der homosexuellen Szene stammte. Diese Razzien waren oftmit Gewalt verbunden und wurden als Polizeiwillkür kritisiert. Bei einer Kontrolle in der Bar "Stonewall Inn" 1969 in der Christopher Street im New Yorker Stadtteil Greenwich lehnten sich schließlich die Gäste, darunter auch Drag Queens, gegen die Diskrimierungen auf. Der Beginn von Straßenschlachten und einer neuen Solidaritätsbewegung.

Travestie wird häufig mit Transsexualität verwechselt. Zwar verkleiden sich in beiden Fällen Männer als Frauen, aber aus unterschiedlichen Gründen. Das erklärt Drag Queen Olivia Jones 2013 in der Fernsehshow "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" Mitkandidat Joey Heindle: "Es gibt Travestie-Künstler, die verkleiden sich ab und zu, so wie ich das mache, machen Show und treten so auf. Und dann gibt es Transsexuelle, die fühlen sich im falschen Körper geboren und lassen ihren Körper zum Beispiel mit Brüsten anpassen.“ Travestiekünstler verkleiden sich also aus Showzwecken, während Transsexuelle das Geschlecht ändern möchten.

Zu den berühmtesten transsexuellen Personen weltweit, gehört Caitlyn Jenner. Früher hieß Caitlyn Bruce. 1976 gewann die US-Amerikanerin - damals noch als Mann - die Goldmedaille im Zehnkampf bei den Olympischen Spielen. 2015 wurde Jenners Geschlechtswechsel mit dem Junicover der Frauenzeitschrift "Vanity Fair" offiziell. Auf diesem ist Jenner in weißer Unterwäsche als Frau zu sehen. Der Titel: Call me Caitlyn. Ihr Instagram-Account läuft unter dem Motto: Finally free! Ihr neues Aussehen bezeichnet sie auf ihrer Hompage als "true self" - zu Deutsch: Wahres Ich.

Stand: 12.09.2016, 15:11 Uhr

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