Die Entwicklung der Sexualität

Hände liegen auf einem Bett

Sexualität

Die Entwicklung der Sexualität

Es fängt mit Streicheln an und hört mit Streicheln auf: das Verlangen und Ausleben der Sexualität, vom Kleinkind bis ins hohe Alter. Und mittendrin? Da entscheidet sich der Körper, zu welchem Geschlecht er sich hingezogen fühlt.


Sexualität bei Kindern

Die sexuelle Entwicklung beginnt direkt nach der Geburt. Dabei spielen für Kleinkinder die ersten Hautkontakte, also alle sinnlichen Erfahrungen, zum Beispiel mit den Eltern, eine wichtige Rolle.

Die Kinder spüren Nähe und Zärtlichkeit und nehmen diese mit allen Sinnen wahr. Ihre Haut ist sehr empfindlich, deswegen haben Kinder in diesem Alter bereits lustvolle Erlebnisse, wenn sie gestreichelt oder ihre Geschlechtsorgane berührt werden.

Auch wenn es komisch klingen mag: Eine zärtliche Eltern-Kind-Beziehung ist nichts weniger als die Vorstufe zu den ersten Liebesspielen im Jugend- und frühen Erwachsenenalter. Wenn Babys an der Brust oder Flasche saugen und am Schnuller oder den Fingern nuckeln, gehört das ebenfalls zur sexuellen und sinnlichen Entwicklung.

Mutter schmust mit ihrem Kind

Hautkontakte spielen für Kinder eine wichtige Rolle

Ab dem zweiten Jahr beginnen Kinder unbefangen, ihre Genitalien zu erforschen. Sie kennen zunächst keine gesellschaftlichen Regeln oder Grenzen, also tun sie alles, was ihnen gefällt und Spaß macht – ohne Scham. Die Kinder interessieren sich außerdem auch stärker für die Geschlechtsorgane von Spielgefährten.

Kinder begreifen so immer mehr, dass sie Jungen oder Mädchen sind, hinterfragen die Unterschiede der Geschlechter, und sie lernen, sich selbst zu stimulieren. In dem Alter bedeutet dies, dass sie alles ausprobieren, was angenehme Gefühle erzeugt.

Die Neugier am eigenen Körper wächst mit dem Interesse an Sprache und Bildern. Mit drei Jahren wird die kindliche Selbstbefriedigung bewusster – wenn man in dem Alter davon sprechen kann. Oft berühren Kinder sich selbst, um sich zu beruhigen. Mit den ersten Doktorspielen, also dem gegenseitigen Erforschen ihrer Körper, beginnen Kinder mit etwa vier Jahren.

Mit bis zu sechs Jahren spielen Jungen und Mädchen an ihren Genitalien herum; sexuelle Handlungen nehmen sie in diesem Alter jedoch nicht als sexuelles Agieren wahr. Alles, was sie tun, beschränkt sich auf die Eigenerfahrung, ist also egozentrisch gesteuert.

Das heißt: Will ein Kind schmusen, will es nicht unbedingt immer seine Zuneigung für jemanden ausdrücken, sondern sucht oft auch die Zärtlichkeit für das eigene Wohlbefinden.

Das fünfte und sechste Lebensjahr sind wichtige Stationen: In dem Alter entwickeln Kinder verstärkt ihre eigene Identität, und sie probieren zum Beispiel durch Verkleiden andere Rollen aus. Wenn sich die Kinder ihrer Geschlechtsidentität letztlich bewusst sind, passiert das, was fast alle Eltern kennen: Plötzlich ist das jeweils andere Geschlecht "doof" – Jungs beschränken ihre Freundschaften auf Jungs und Mädchen auf Mädchen.

Hormone und Pubertät

Im Grundschulalter – mitunter sogar schon vorher – tut sich noch etwas anderes im Körper: Kinder bekommen ihre ersten Sexualhormone. Sie sind die Vorboten für die Geschlechtsreife in der Pubertät. Von dieser Phase an gehen Jungen und Mädchen nun getrennte Wege in der sexuellen Entwicklung, denn die Pubertät beginnt bei Mädchen frühestens mit etwa zehn Jahren, zwei Jahre früher als bei den Jungen. Abgeschlossen ist sie spätestens bis zum 20. Lebensjahr.

Ein junges Paar küsst sich

In der Pubertät wächst das Interesse am anderen Geschlecht

In dieser Phase schüttet der Körper die Geschlechtshormone Testosteron (Jungen) und Östrogen (Mädchen) aus, die körperliche und psychische Veränderungen bei den Teenagern auslösen.

Bei den Mädchen entwickeln sich die Brüste und sie bekommen ihre erste Regelblutung, genannt Menarche.

Jungen kommen in den Stimmbruch, ihr Penis wächst und Spermienzellen bilden sich in den Hoden. Der erste Samenerguss heißt medizinisch Ejakularche.

In der Pubertät verlieben sich die meisten Teenager zum ersten Mal und sammeln erste sexuelle Erfahrungen: Küssen, Petting, gegenseitiges Masturbieren. Sexuelle Phantasien und Träume nehmen zu, manche erleben ihren ersten Geschlechtsverkehr.

Die sexuelle Orientierung

Das muss nicht immer nur Sex mit dem anderen Geschlecht sein – wann Menschen jedoch merken, ob sie homo- oder bisexuell sind, ist unterschiedlich. Bei vielen ist das in der Pubertät.

Woran es liegt, dass Menschen homosexuell sind, ist noch immer nicht klar. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass Homosexualität rein durch kulturelle und soziale Einflüsse ausgelöst werde.

Ein schwules Paar sitzt in einem Café

Homosexualität - eine Frage der Gene?

Andere Forscher untersuchen die Gene: 2005 fand etwa der amerikanische Wissenschaftler Brian Mustanski heraus, dass bestimmte Erbgutbereiche auf Chromosomen bei homosexuellen Brüdern übereinstimmen, allerdings seien die Geschlechts-Chromosomen davon nicht betroffen.

Sein Fazit: Die Entstehung von Homosexualität wird neben anderen Faktoren zu einem gewissen Anteil von mehreren DNS-Abschnitten (Desoxyribonukleinsäure) beeinflusst.

Sicher ist sich der Großteil der Experten aber in der Tatsache, dass biologische, kulturelle und soziale Faktoren nicht getrennt voneinander betrachtet werden können – den einen Auslöser für Homosexualität gibt es also nicht.

Eine weitere Form der sexuellen Orientierung ist die Bisexualität. Menschen mit dieser Neigung fühlen sich zu beiden Geschlechtern hingezogen.

Und Menschen mit einer pansexuellen Neigung ist es völlig egal, welches Geschlecht ihr potenzieller Partner hat. Sie können für Menschen jeder Geschlechtsidentität sexuelle oder romantische Gefühle entwickeln, also etwa auch für Transsexuelle.

A-, Inter- und Transsexualität

Es gibt auch Menschen, die niemanden sexuell attraktiv finden – weder Frauen noch Männer noch intersexuelle Menschen. Sie sind asexuell. Das bedeutet nicht, dass asexuelle Menschen generell keinen Sex haben. Manche tun es ihrem nicht asexuellen Partner zuliebe oder weil sie Kinder haben wollen.

Menschen gelten als intersexuell, wenn man anhand biologischer Merkmale nicht unterscheiden kann, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Aufgrund der Chromosomen, Keimdrüsen und Hormonproduktion sind intersexuelle Menschen biologisch sowohl Mann als auch Frau.

Es kann also sein, dass ein Mensch weibliche Gene aufweist, jedoch männlich aussieht. Für Hoden und Penis ist die Chromosomenpaarung XY verantwortlich, ein XX-Chromosomenpaar sorgt für Eierstöcke, Gebärmutter und Klitoris.

Ein Mensch ist intersexuell, wenn zum Beispiel Chromosomen fehlen oder überzählig sind; Enzyme versagen ihren Dienst, Hormone fallen aus.

Ärzte zählen mehr als ein Dutzend verschiedener Ursachen für Intersexualität. Ein Beispiel: Bei einer Androgen-Resistenz kann ein Kind männliche Erbanlagen und Hoden im Körperinneren tragen, kommt äußerlich aber als Mädchen zur Welt.

Seit 2014 streiten Intersexuelle um die offizielle Einführung des sogenannten "dritten Geschlechts" – im August 2016 hat der Bundesgerichtshof diese geforderte Änderung im Geburtenregister abgelehnt.

Wenn Kinder oft und regelmäßig mit Kleidung und äußerlichen Veränderungen ins andere Geschlecht schlüpfen, können das erste Anzeichen für Transsexualität sein. Viele Kinder merken schnell, dass sie sich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen – ausdrücken können sie das Gefühl indes selten und meist erst später.

Sex im Alter

Ein Tabuthema ist oft immer noch die Sexualität bei älteren Menschen oder bei Menschen in der Pflege. Auch wenn in zunehmendem Alter die Lust schwindet (Libidorückgang) und ältere Menschen weniger sexuell aktiv sind, heißt das nicht, dass sie kein Verlangen nach Sexualität verspüren.

Sie drückt sich meist nur anders aus: Zärtlichkeiten, liebevolle Zuwendung, Körperkontakt und intime Kommunikation können wichtiger werden – Sex dagegen unwichtiger. Generell sind alternde Menschen immer noch genuss- und orgasmusfähig.

Ein älteres Paar küsst sich

Umarmungen und Zärtlichkeiten werden im Alter oft wichtiger als Sex

Die körperlichen Veränderungen im Alter, die sich auf die Sexualität auswirken, betreffen sowohl Männer als auch Frauen. Männer haben oft mit Erektionsproblemen zu kämpfen; bei den Frauen sinkt der Östrogenspiegel.

Das Aussetzen der Regelblutung (Menopause) hat bei Frauen jedoch keinen direkten Einfluss auf die Sexualität – ganz im Gegenteil: Viele fühlen sich freier, weil sie kein ungewolltes Kind mehr bekommen können.

Dass auch Menschen mit Behinderungen oder körperlichen Einschränkungen ihre Sexualität ausleben können und wollen, wird wie Sex im Alter größtenteils tabuisiert. Manche Pflege- und Altersheime arbeiten aber schon mit Sexualbegleitern oder -begleiterinnen zusammen:

Sie klären entweder das Personal auf oder bieten Sexualassistenz für Bewohner an. Es geht dabei entweder um die Hilfe zur Selbsthilfe oder auch um Sex als Dienstleistung.

Autor: Carsten Rose

Stand: 21.08.2018, 08:56

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