Sterilisation bei Frauen

Frau im Gespräch mit ihrem Frauenarzt

Verhütung

Sterilisation bei Frauen

In Deutschland sind rund 1,5 Millionen Frauen sterilisiert. Bei dem Eingriff verschließen die Ärzte beide Eileiter, sodass die Eizellen nicht mehr von Spermien in der Gebärmutter befruchtet werden können. Wie genau funktioniert diese OP? Und welche Vorteile und Risiken sind damit verbunden?

Wie die Sterilisation funktioniert

Die Sterilisation ist eine meist endgültige Art der Verhütung. Sind die Eileiter einmal durchtrennt, ist es kaum möglich, die Verbindung zur Gebärmutter wieder herzustellen. Die Sterilisation kommt deswegen nur für Frauen in Frage, die sich sehr sicher sind, dass sie keine Kinder (mehr) bekommen wollen – entweder aus gesundheitlichen Gründen, weil sie schon eine Familie haben oder weil kein Kinderwunsch besteht.

Die Patientin muss unter Vollnarkose operiert werden. Die Chirurgen verschaffen sich über einen Einstich in der Nähe des Bauchnabels Zugang zu den Eileitern, die sie entweder elektrisch veröden oder mit einem Clip aus Kunststoff oder Metall verschließen. Insgesamt dauert die OP etwa eine Stunde.

"Nach dem Eingriff gelangt die Eizelle nur bis zur Unterbrechungsstelle und kann nicht mehr auf Spermien treffen", erklärt Christian Albring, Gynäkologe in Hannover und Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Stattdessen wird die Eizelle von der Schleimhaut der Eileiter aufgenommen und vom Körper problemlos abgebaut.

Infografik Sterilisation

Die Eileiter werden entweder durchtrennt oder verschlossen

Eine sicherere Methode?

Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit können Frauen nach dem Eingriff keine Kinder mehr bekommen. Lediglich ein bis zwei von 1000 Frauen werden trotz Sterilisation schwanger. Aber: "Die Antibabypille und die Hormonspirale sind genauso sicher und vergleichsweise günstiger", sagt Christian Albring.

Die Sterilisation kostet 600 bis 1000 Euro. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten nur, wenn Ärzte aus medizinischen oder psychologischen Gründen von einer Schwangerschaft dringend abraten oder die Frau andere Verhütungsmethoden nicht verträgt.

Die OP gilt generell als risikoarm. Allerdings können wie bei jedem Eingriff im Bauchraum Komplikationen wie Blutungen, Verletzungen von Blutgefäßen oder inneren Organen oder Entzündungen auftreten. "Hinzu kommen Narkoserisiken und ein erhöhtes Thromboserisiko", sagt Gynäkologe Albring.

Zudem können die Frauen ihre Periode unregelmäßiger oder stärker bekommen. Den restlichen Hormonzyklus beeinflusst die Sterilisation aber nicht: Die Hormonproduktion und das Lustempfinden bleiben gleich. Auch die Wechseljahre beginnen nicht früher.

Antibabypille

Genauso sicher wie eine Sterilisation: die Pille

Neues Verfahren: die Essure-Technik

Seit einigen Jahren gibt es eine neue Methode: die Essure-Technik. Statt Vollnarkose und Bauchschnitt führen die Ärzte zwei Spiralen durch die Scheide ein. Sie bestehen aus Metall und Kunststofffasern und werden in die Eileiter gesetzt.

Die Fasern bewirken, dass das umliegende Bindegewebe in die Spirale einwächst – Schritt für Schritt verschließen sich die Eileiter. Nach drei Monaten überprüft der Frauenarzt durch Ultraschall oder Röntgenbild, ob die Eileiter sicher verschlossen sind.  

Bisherige Studien weisen darauf hin, dass die Essure-Technik vergleichsweise schonend ist. Zuletzt ist die Methode aber in die Kritik geraten, weil Frauen von heftigen Nebenwirkungen berichtetet hatten.

"Es ist möglich, dass sich die Eileiter entzünden oder der Körper die Spirale abstößt", sagt Albring. Über den langfristigen Nutzen gibt es noch keine Daten. Außerdem ist die Essure-Technik teurer als die klassische Methode: Sie kostet 1200 bis 1600 Euro.

Auf einen Blick: Argumente für und gegen die Sterilisation


Pro

  • Die Frau braucht nicht mehr zu verhüten.
  • Das Hormonsystem wird nicht beeinflusst.
  • Das Sexualleben wird nicht beeinträchtigt.
  • Die Wechseljahre setzen nicht früher ein.

Contra

  • Die Operation hat wie alle Eingriffe Risiken.
  • Die Monatsblutung kann danach unregelmäßig oder stärker sein.
  • Kein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
  • Die Frau kann psychisch leiden, wenn sie den Eingriff bereut.
  • Die Operation kann kaum rückgängig gemacht werden.

Eine rechtliche und ethische Frage

Die Operation rückgängig zu machen – die sogenannte Refertilisierung – ist zwar theoretisch möglich. Es ist aber ein komplizierter Eingriff mit geringen Erfolgschancen.

Daher sollten Frauen alle Vor- und Nachteile gut überdenken, bevor sie sich für eine Sterilisation entscheiden. Es ist sinnvoll, sich vor dem Eingriff medizinisch und auch psychologisch beraten zu lassen.

Statt sich sexuell befreit zu fühlen, leiden einige Frauen nach der Operation. Der Gedanke daran, endgültig nicht mehr fruchtbar zu sein, kann die Lust bremsen.

Bei anderen Frauen ändert sich die Lebensplanung plötzlich: "Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Frauen am Ende doch einen Partner gefunden haben, der dann der Traumpartner war", sagt Gynäkologe Albring. "Dann waren sie traurig, dass sie kein Kind bekommen konnten."

Junge Patientin im Gespräch mit ihrer Ärztin

Unverzichtbar: eine ausführliche Beratung vom Frauenarzt

Sterilisation ist nicht nur eine moralische, sondern auch eine rechtliche Frage. Sie ist zwar auch bei jungen Frauen nicht verboten; es gab aber schon erfolgreiche Klagen von Frauen unter 30, die sich nicht genügend aufgeklärt fühlten. "Es gibt kein Recht auf Sterilisation, da es keine Operation ist, die dem Erhalt der Gesundheit dient", sagt Albring.

Patientinnen können sich von ihrem Frauenarzt bevormundet fühlen, wenn dieser nach einem Gespräch den Eingriff ablehnt. "Mit dem Hippokratischen Eid haben wir geschworen, dass wir Dinge machen, die lebenserhaltend sind", begründet Frauenarzt Christian Albring. Die Sterilisation gehöre nicht dazu.

"Es kann gut sein, dass der Frauenarzt aus ethischen und moralischen Gründen die Sterilisation nicht für richtig hält", sagt der Gynäkologe, "und das darf er auch."

Ist sich ein Paar absolut sicher, keine Kinder bekommen zu wollen, kann sich auch der Mann sterilisieren lassen. Dabei werden die Samenleiter im Hodensack durchtrennt. Die Operation ist nicht so aufwendig, kann meist ambulant durchgeführt werden und hat weniger Risiken als bei Frauen. Der Eingriff ist in der Regel allerdings auch endgültig und sollte deswegen gut durchdacht sein.

Autorinnen: Katrin Ewert/Jennifer Kampmann

Stand: 17.07.2018, 14:35

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