Die Artistenschule

Artistin probt am Seil

Artisten

Die Artistenschule

Varieté, Theater, Zirkus. Artisten entführen ihre Zuschauer in eine Traumwelt. Für viele bleibt dieser Beruf ein Traum. Das muss aber nicht so sein. In Berlin kann man seit über 50 Jahren eine solide Artistenausbildung machen – an Deutschlands einziger staatlicher Artistenschule.

Eingangsvoraussetzung: Aufnahmeprüfung

Wer an der staatlichen Artistenschule in Berlin aufgenommen werden will, muss zunächst den Eignungstest bestehen. Hier müssen die zukünftigen Schülerinnen und Schüler zeigen, wie gelenkig, körperlich belastbar und, vor allem, talentiert sie sind.

Außerdem wird festgestellt, ob sich die Anwärter überhaupt aus medizinischer Sicht für die Artistenausbildung eignen. Diese Aufnahmeprüfungen finden mehrmals im Jahr statt. Bewerben können sich Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse.

Pauken und Trainieren

Ein Mädchen auf dem Seil.

Der Alltag besteht aus hartem Training

Die schulische Laufbahn ähnelt der einer normalen Schule. Neben den gewohnten Fächern der Sekundarstufe I – etwa Mathematik, Deutsch und Englisch – gibt es pro Woche zusätzliche Unterrichtsstunden in Fächern wie Ausdauer, Koordination, Jonglieren, Drahtseil, Trapez, Klassischem Tanz und Künstlerischer Gymnastik. Ab der neunten Klasse beginnen die Schüler sich auf drei Genres zu spezialisieren. Am Ende des zehnten Schuljahres legen sie sich schließlich auf ein Spezialfach fest.

Die Schüler können die Artistenschule – wie jede andere weiterführende Schule auch – nach der zehnten Klasse mit der Mittleren Reife verlassen. Wer weitermachen möchte, kann die Klassen 11 bis 13 entweder als Berufsfachschule oder als Berufliches Gymnasium besuchen. Wer sich für Letzteres entschließt, beendet die Schule mit dem Abitur.

In der Berufsfachschule haben die Schüler neben der artistischen Ausbildung und der Allgemeinbildung noch zusätzliche Fächer wie Schauspiel und Bildende Kunst. Egal, für welchen Weg sie sich entscheiden: Nach erfolgreicher Beendigung des 13. Schuljahres haben alle einen Abschluss als staatlich geprüfter Artist in der Tasche.

Da es sich um eine staatliche Schule für Artistik handelt, ist der Schulbesuch kostenlos. Bis einschließlich der zehnten Klasse können Schüler, die nicht in unmittelbarer Nähe der Schule wohnen, gegen einen entsprechenden Kostenaufwand im Internat unterkommen.

Mit viel Glück zum Erfolg

Die staatliche Artistenschule ist eine Einrichtung aus DDR-Zeit und wurde 1956 gegründet. Um den Abschluss als staatliche geprüfter Artist zu bekommen, legen die Schüler am Ende des letzten Schuljahres die Artistenprüfung ab. Hierfür müssen sie selbst eine eigene Nummer entwickeln. Dazu gehört auch die Auswahl der passenden Musik, Requisiten und Kostüme.

Allerdings konnten die Absolventen damals sicher sein, eine Anstellung beim Staatszirkus der DDR zu bekommen. Das ist heute anders. Die Zukunftschancen für Artisten sind eher schlecht. Da kann man nur auf Talentscouts aus Varietés und Theatern hoffen, die manchmal bei den Abschlussvorstellungen im Publikum sitzen oder die während der Schulzeit bei öffentlichen Auftritten auf Schüler aufmerksam werden. Den restlichen Artisten bleibt auf ihrem Weg zum Ruhm nur eins: Klinken putzen.

Autorinnen: Inés Carrasco/Wiebke Ziegler

Stand: 05.08.2016, 15:00

Darstellung: