Berühmte Rennstrecken

Autorennen

Berühmte Rennstrecken

Nürburgring, Hockenheim, Avus, Silverstone, Monza, Indianapolis – das sind die berühmtesten Strecken der Formel 1. Oder die Mille Miglia, die Panamericana, Le Mans, die für die großen Langstreckenrennen stehen. Ohne sie ist die Faszination Autorennen undenkbar. Die Strecken werden geliebt und gehasst. Viele sind mit tragischen Unfällen zu trauriger Berühmtheit gekommen. Viele sind den Anforderungen moderner Rennautos nicht mehr gewachsen gewesen und deshalb aus dem Rennkalender verschwunden. Oder sie dienen als Oldtimer-Rennstrecke.

Die Nordschleife am Nürburgring

Mehrere Rennwagen auf der Piste. Im Vordergrund ragt eine Fahne ins Bild.

Start zu einem Oldtimer-Rennen auf dem Nürburgring

1925 beginnen die Bauarbeiten an der legendärsten Rennstrecke Deutschlands. Ziel ist es zunächst, die Arbeitslosigkeit in der strukturschwachen Eifelregion zu bekämpfen. Bis zu 3000 Menschen arbeiten für zwei Jahre an der ursprünglich 28 Kilometer langen Rennstrecke. Allerdings werden schon bald auf der südlichen Verlängerung keine Autorennen mehr gefahren. Sie werden nur noch auf der sogenannten Nordschleife ausgetragen, die heute eine Länge von exakt 20,8 Kilometern mit 73 Kurven hat. Der Nürburgring war und ist eine eigenartige Rennstrecke. Über Hügel und Täler mäandert er durch mächtige Kiefernwälder. Die Namen der Streckenabschnitte wie "Flugplatz", "Pflanzgarten", "Bergwerk", "Schwalbenschwanz", "Brünnchen" oder "Schwedenkreuz" klingen harmlos, fast romantisierend. Aber durchfährt man sie, zeigt der Ring seine Zähne. Nur die besten Rennfahrer können hier gewinnen - und selbst sie brauchen Jahre, bis sie sich auf der anspruchsvollen Piste wohlfühlen. Zusätzlich macht das unberechenbare Eifelklima die Rennen in der "grünen Hölle" oft zu einem Pokerspiel. Regen und Nebel können innerhalb einer Runde auftauchen oder wieder verschwinden.

Von 1927 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs werden auf der Nordschleife alle Grand Prix von Deutschland durchgeführt. 1934, mit Einführung der 750-Kilogramm-Formel, beginnt die Zeit der weltberühmten Silberpfeile und ihrer Dominanz auf den Rennstrecken der damaligen Zeit, ganz besonders auf dem Nürburgring. Unvergessen bleiben die Wettkämpfe mit Alfa Romeo und Bugatti. 1936 gewinnt Bernd Rosemeyer auf Auto Union, 1937 und 1939 Rudolf Carraciola auf Mercedes Benz.

Bald nach dem Krieg finden wieder die ersten Rennen auf dem Nürburgring statt. Aber die Gefährlichkeit der Piste zeichnet sich immer mehr ab. Der Ring hat bald den zwiespältigen Ruf, Helden der Rennpiste zu schaffen und sie dann zu töten. Als Niki Lauda 1976 bei seinem spektakulären Feuerunfall auf dem Ring fast ums Leben kommt, sind die Stunden der Großen Preise auf der Nordschleife gezählt.

Später wurden wieder Formel 1-Rennen auf dem Nürburgring ausgetragen, allerdings nicht mehr auf der Nordschleife, sondern auf dem 1984 eröffneten Rundkurs, der auch schon mehrfach umgestaltet wurde.

Mehrere Rennwagen auf der Piste. Im Vordergrund ragt eine Fahne ins Bild.

Start zu einem Oldtimer-Rennen auf dem Nürburgring

Ab 2007 wurde die Rennstrecke um einen Erlebnispark erweitert - ein Projekt, das nicht lange nach der Fertigstellung scheiterte. Im Jahr 2012 musste die Nürburgring GmbH Insolvenz anmelden; der Nürburgring wurde an den Autozulieferer Capricorn und die Motorsportfirma Getspeed verkauft. 2014 übernahm nach erneuten Schwierigkeiten der russische Milliardär Viktor Charitonin zwei Drittel der Besitzgesellschaft des Nürburgrings.

Avus - Glanz vergangener Zeiten

Schon im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts trägt man sich in Deutschland mit dem Gedanken, einen Rundstreckenkurs für Autorennen zu bauen. Die deutschen Fahrzeuge sind bis dahin nicht sonderlich konkurrenzfähig, und man hofft durch den Bau einer Rennstrecke in Berlin den technologischen Fortschritt anzukurbeln. Aber wegen des Ersten Weltkriegs und der darauf folgenden wirtschaftlichen Not wird die Avus, die "Automobil- und Verkehrs-Übungs-Straße", erst im September 1921 offiziell eingeweiht. Gewinner des in mehreren Läufen ausgetragenen Rennens wird Fritz von Opel.

Der allererste Große Preis von Deutschland findet dann 1926 auf der Avus statt. Gewinner wird der damals noch unbekannte Rudolf Carraciola auf Mercedes Benz. Hunderttausende Berliner bevölkern die Rennstrecke und werden auch Zeugen eines dramatischen Unfalls, als Adolf Rosenberger mit seinem Rennauto in ein Zeitnehmerhäuschen kracht und dort drei Menschen ihr Leben verlieren. Das ist das vorläufige Ende der Avus als Grand-Prix-Strecke. Trotzdem finden alljährlich Avus-Rennen mit der Beteiligung aller großen Fahrer und Mannschaften statt.

Beim Avus Rennen 1937 überholt Rudolf Caracciola auf Mercedes Bernd Rosemeyer auf Auto-Union in der Nordkurve.

Avus Rennen im Mai 1937

Die Form der Strecke ermöglicht von Anfang an hohe Geschwindigkeiten und bietet den Wagenherstellern so hervorragende Testmöglichkeiten für Motoren und Reifen. Allerdings ist die Strecke auch relativ langweilig: zwei lange Geraden, die im Norden durch eine 244 Meter im Radius messende Kurve und im Süden durch eine 166 Meter im Radius messende Kurve verbunden sind. So wird 1936 auf Initiative von Adolf Hitler die berühmte Steilkurve errichtet. Klinkersteine werden über die gesamte Streckenbreite in einem Winkel von 44 Grad hochgemauert. Hermann Lang schafft auf der umgebauten Strecke die ungebrochene Rekordgeschwindigkeit von durchschnittlich 267 Kilometern pro Stunde auf der Avus. Nach dem Krieg werden Strecken mit Steilkurve bald von den offiziellen Rundstreckenkalendern gestrichen. 1967 wird die unfallträchtige Klinkerwand wieder abgerissen. Auch die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) schafft es nicht, die Avus als Rennstrecke am Leben zu erhalten. 1999 findet das letzte Autorennen auf dem Kurs statt. Heute erinnern nur noch zwei Gebäude entlang der Strecke an die große Vergangenheit.

Solitude - vergessener Schauplatz spektakulärer Rennen

Die Solitude bei Stuttgart ist eine Rennstrecke, auf der die berühmtesten Rennfahrer ihre Runden fuhren, auf der spektakuläre Rennen stattfanden, an der Hunderttausende von Fans sich ihrer Rennleidenschaft hingaben. Und doch ist die Solitude-Rennstrecke heute so gut wie vergessen.

Schon 1903 findet auf der Strecke, die damals noch vom Stuttgarter Westbahnhof bis zum Schloss Solitude führt, das erste Rennen für Motor-(Fahr)Räder statt. Die Strecke führt über vier staubige Kilometer und ist sicherlich eine große Herausforderung für Material, Fahrer und Zuschauer. Richtig los geht es mit der Solitude aber 1922, als zum ersten Mal auch Autos die Rennstrecke unter ihre Reifen nehmen. Die Strecke, die teilweise über Waldwege führt, wird in den folgenden Jahren immer besser ausgebaut, und 1925 treten Bugatti, Mercedes, Opel und andere damals bekannte Autos und Motorräder erstmals auf der nun über 22 Kilometer langen Rundstrecke an, die viele an die berühmte Targa Florio auf Sizilien erinnert.

1935 dann erhält der Rundkurs seinen endgültigen Verlauf. Er ist nun 11,4 Kilometer lang, hat 45 Kurven und eine lange Gerade von 550 Metern. Für die Zuschauer, die ohne Sicherheitsabstand direkt an den Kurven stehen oder von den Abhängen auf die Fahrer hinunterschauen, ist die Strecke äußerst attraktiv. Als 1950 das erste Rennen nach dem Kriege auf der Solitude stattfindet, ziehen 350.000 Menschen in das nahegelegene Waldgebiet von Stuttgart auf der Jagd nach den besten Plätzen für die Rennen. Übertroffen wird dieser Zuschauerrekord aber schon 1954, als 450.000 Zuschauer die Strecke beim Großen Preis von Deutschland säumen, der zugleich sechster Lauf der Motorrad-WM ist. Trotz des vorherigen Ausbaus der Strecke stürzt ein Fahrer schwer und stirbt. 1959 stirbt ein weiterer Rennfahrer, und die Diskussion, ob dieser Kurs den modernen Geschwindigkeiten der Fahrzeuge anzupassen ist, nimmt kein Ende mehr. Zwar finden 1961 bis 1965 noch Formel-1-Rennen auf der Strecke statt, aber 1966 erfolgt das endgültige Aus als Rennstrecke. Sie ist einfach zu gefährlich geworden.

Der Hockenheimring - eine der schnellsten Strecken

Der Hockenheimring ist eine eigenartige Mischung aus Hochgeschwindigkeitsstrecke und kniffliger Kurvenführung. Seine Länge beträgt exakt 4574 Meter, er hat nur 17 Kurven und sechs Geraden. Die Zuschauer stehen entweder im Wald und sehen die Autos mit weit mehr als 300 Kilometer pro Stunde an sich vorbeirasen, oder sie sitzen auf den riesigen Haupttribünen am Motodrom. Dort können sie hautnah sechs der wenigen Kurven einsehen und natürlich Start und Ziel. Für die Zuschauer vor Ort ein außergewöhnliches Erlebnis.

Das erste Rennen findet 1932 am Hockenheimring statt und ist ein Motorradrennen. Die Strecke führt damals noch mitten durch den Ort, der nicht ahnen kann, dass der Ring ihn eines Tages auf der ganzen Welt berühmt machen wird. Die vielleicht berühmteste Stelle dieser Zeit ist die Fahrt am Friedhof vorbei. Aber auch der Wald, der damals noch ohne Leitplanken und Sicherheitsabstand durchfahren wird, verlangt den Fahrern großen Mut ab.

Luftbild vom Hockenheimring.

Hockenheimring: Hier findet der "Große Preis von Deutschland" statt

Schon 1947 fährt man am Hockenheimring wieder Rennen, aber durch die Neuplanung der Autobahn Mannheim-Walldorf muss die Streckenführung grundlegend geändert werden. Es entsteht das Motodrom. Leider erfährt die Strecke schon wenige Jahre später traurige Berühmtheit, als einer der größten Rennfahrer aller Zeiten, Jim Clarke, bei einem Formel-2-Rennen auf dem Hockenheimring tödlich verunglückt. Aufgrund dieses und anderer Unfälle werden noch mehr Sicherheitsmaßnahmen getroffen, und so zieht die Formel 1 erstmals 1970 in Hockenheim ein. In diesem und dem darauffolgenden Jahr wird der Große Preis von Deutschland hier ausgetragen. 1977 kommt der Große Preis von Deutschland wieder zurück, und seitdem ist der Hockenheimring - bis auf eine Ausnahme im Jahre 1985 - ständiger Austragungsort der Formel 1, des Grand Prix von Deutschland sowie zahlreicher anderer Rennveranstaltungen.

Der Lausitzring - Ersatz für die Avus?

Was viele nicht wissen: Der Lausitzring (der offizielle Name lautet übrigens "Eurospeedway Lausitz") ist noch ein Kind der DDR. Schon Mitte der 1980er Jahre werden konkrete Planungen zur Eröffnung einer Rennstrecke in der Niederlausitz diskutiert. Tatsächlich wird 1986 der Bau der Strecke sogar in den letzten Fünfjahresplan der DDR aufgenommen. Aber erst nach der Wende wird aus dem Plan tatsächlich eine Rennstrecke. 1998 beginnen die Bauarbeiten und im Jahr 2000 wird der Eurospeedway mit einem DTM-Rennen eröffnet.

Interessant an dem - sicherlich auch als Strukturförderungsprogramm gedachten - Ring sind seine sieben verschiedenen Streckenführungen. Vom High-Speed-Oval bis hin zur FIA-Rennstrecke können hier die unterschiedlichsten Rennserien veranstaltet werden. Die Zuschauer können von der bis zu 40 Meter hohen Tribüne fast das gesamte Streckenareal einsehen und sind so jederzeit über den jeweiligen Rennverlauf informiert.

Luftbild vom Lausitzring.

Ein Kind der DDR

Leider kämpft der Eurospeedway seit Anfang mit finanziellen Schwierigkeiten, und so ist die Zukunft dieser bei Fahrern und Zuschauern gleichermaßen beliebten Strecke unsicher.

Autor/in: Rolf Stephan

Stand: 04.03.2015, 12:00

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