Tipps für den Heimtrainer-Kauf

In einem Fitnessstudio trainieren Sportler auf Crosstrainern.

Marathon

Tipps für den Heimtrainer-Kauf

Von Birgit Amrehn

Wer möchte nicht seine Fettpolster loswerden und seine Ausdauer stärken? Ohne zeitraubende Wege zurücklegen zu müssen, schön im Warmen, am besten vor dem Fernseher? Das versprechen Heimtrainer. Doch meistens verstauben sie schon bald im Keller. Nicht nur, dass der innere Schweinhund stärker war. Auf vielen Geräten macht das Training einfach keinen Spaß, weil die Qualität schlecht ist. Deshalb: Augen auf beim Kauf! Wir geben Ihnen einige Tipps, worauf Sie beim Kauf eines Heimtrainers achten sollten.

Technischer Durchblick

Eine Orientierungshilfe zur Qualität des Heimtrainers bietet die Klassifizierung nach der DIN EN 957-1/5. Hier wird festgelegt, wie gesundheitsfördernd das Produkt ist. Neben dem Material und der Technik wird auch die Genauigkeit der Belastungskontrolle und -steuerung untersucht. Unterschieden wird in Geräte der Klassen A, B und C, wobei die A-Geräte die Spitzenreiter sind. Aber auch unter ihnen gibt es noch große Unterschiede.

Also, zunächst einmal rauf auf den Trainer und ausprobieren. Insgesamt muss der Bewegungsablauf rund sein. Die so genannte Schwungmasse wird in diesem Zusammenhang, vor allem von den Händlern, oft überbewertet. Die Schwungmasse erleichtert die Überwindung des Umkehrpunktes zwischen Aufwärts- und Abwärtsbewegung. Zehn Kilo sind da vollkommen ausreichend, solange das gesamte System des Geräts gut aufeinander abgestimmt ist.

Die Leistung, die der Trainierende erbringt, sollte in Watt ablesbar sein. Für ein gezieltes Training ist das Messen der Herzfrequenz ein Muss. Oftmals sind die Geräte hierfür seriell mit Ohrclips oder Handsensoren ausgerüstet. Leider messen beide viel ungenauer als ein Brustgurt, den man dann für circa 50 Euro zusätzlich erwerben muss.

Komme ich damit klar?

Der Trainierende soll das Gerät beherrschen, nicht anders herum. Das fängt schon mit dem Ein- und Ausstieg an. Er soll leicht und mühelos sein. Auch muss der Heimtrainer mit einfachen Handgriffen auf die individuellen Körpermaße einstellbar sein. Wer eine Lupe braucht, um die Anzeigen auf dem Display zu entziffern, hat das falsche Gerät gekauft. Leistungsanzeige in Watt, Bewegungsfrequenz und Puls müssen mühelos ablesbar sein.

Besonders gern werben Verkäufer mit der Vielzahl der Trainingsprogramme. Dabei weisen Sportwissenschaftler darauf hin, dass für ein gutes Training kein einziges davon nötig ist. Sie dienen nur der Abwechslung. Wichtiger als die Anzahl ist deshalb, dass man die Programme auch bedienen kann.

Fahrradtrainer und Ergometer

Ein Fahrradtrainer ist eine Art Fahrrad auf einem Ständer. Der Ergometer unterscheidet sich vom Fahrradtrainer darin, dass er die erbrachte Leistung, unabhängig von der Anzahl der Tretumdrehungen, in Watt anzeigt. Beide Geräte eignen sich besonders gut für übergewichtige Personen, da das Körpergewicht auf dem Sattel ruht. So werden Sehnen und Gelenke geschont. Gute Fahrradtrainer sind ab 250 Euro, Ergometer ab 400 Euro zu erhalten.

Beim Kauf sollten Sie darauf achten, dass der Sattel höhenverstellbar ist. Auch der Abstand zwischen Sattel und Lenker sollte einstellbar sein, indem man den Sattel auf einer Schiene nach vorne oder hinten schiebt. Die Griffe am Lenker sollten rutschsicher und ergonomisch gestaltet sein. Rutschsicherheit gilt auch für die Oberfläche der Pedale. Zusätzlich fixieren Schlaufen oder ähnliche Vorrichtungen die Füße.

Bei den Tretlagern sollte nicht gespart werden. Billige Kunststofflager verschleißen schnell. Das führt zu einem unrunden Tretgefühl und lästigen Schleifgeräuschen. Generell gilt: Das Gerät sollte stabil stehen. Das ist kein Witz: Immer wieder gibt es Exemplare auf dem Markt, mit denen man im Training leicht umkippt.

Crosstrainer und Stepper

Auf einem Crosstrainer, auch Ellipsentrainer genannt, wird das Laufen simuliert. Dabei verläuft die Beinbewegung nicht von oben nach unten, sondern in Form einer Ellipse. Das schont die Gelenke, da der Aufprall abgeschwächt wird. Gleichzeitig werden die Arme bewegt. Beim Kauf ist darauf zu achten, dass der innere Abstand der beiden Fußpedale möglichst gering ist. Ansonsten kann auf Dauer das Training zu Hüftschäden führen.

Die Pedale sollten eine rutschfeste Oberfläche haben und umrandet sein. Ein objektiver Maßstab für die Qualität eines Crosstrainers ist die angegebene maximale Gewichtsbelastung. Diese wird nämlich vom TÜV und nicht vom Hersteller für das jeweilige Gerät festgelegt. Je mehr Gewicht das Gerät verkraftet, desto hochwertiger sind die einzelnen Teile, wie zum Beispiel Rahmen, Tretlager oder Antriebssystem.

Wer sich für einen Crosstrainer entschieden hat, sollte prüfen, ob er auch den Platz zum Aufstellen hat. Bis zu sechs Quadratmeter Fläche kann ein solches Gerät schlucken. Zudem ist es zu schwer, um es alleine tragen zu können. Selbst wenn es mit Rollen ausgestattet ist, lässt es sich nur mühsam manövrieren.

Wer kleine Kinder oder Tiere zu Hause hat, muss besonders aufpassen. Die sich bewegenden Teile des Trainers können allzu neugierige Zuschauer leicht einklemmen. Für einen guten Crosstrainer muss man mindestens 1000 Euro hinblättern.

Frauen auf dem Stepper

Treppensteigen auf dem Stepper

Verlockender erscheinen da Stepper. Die einfachsten Ausführungen kosten ab 50 Euro. Der Stepper ermöglicht eine Auf- und Abwärtsbewegung der Beine, ähnlich dem Treppensteigen. Beim verwandten Twister erfolgt die Bewegung seitlich.

Sowohl Twister als auch Stepper sind, solange sie kein Geländer zum Festhalten haben, ihr Geld nicht wert. Wer auf ihnen trainiert, kann nur eine ungesunde Körperhaltung einnehmen. Verschleißerscheinungen sind da programmiert. Gegen Stepper mit Haltevorrichtung hingegen ist nichts zu sagen. Gute Geräte kosten dann allerdings circa 300 Euro.

Laufband und Rudergerät

Wer sich ein Laufband in seine Wohnung stellt, sollte sehr tolerante Nachbarn haben. Laufbänder machen Krach und lassen so das ganze Haus an der sportlichen Aktivität teilhaben. Bei einem Laufband wird ein Laufteppich über das Band gezogen.

Dabei sollte man sich im Klaren sein, dass jedes Auftreten eine bremsende Wirkung hat. Liegt die Leistung des Motors unter zwei PS, kommt es so zu einem unangenehmen Ruckeln. Um Stürze zu vermeiden, darf das Laufband weder zu kurz noch zu schmal sein. Eine Notvorrichtung zum Abschalten des Gerätes ist ein Muss.

Besonders wichtig ist auch die richtige Dämpfung des Laufbandes. Ist sie zu hart, werden die Gelenke zu stark belastet. Ist sie zu weich, wird die Achillessehne gereizt. Ein weiteres Auswahlkriterium ist die Qualität des Rahmens. Er muss der Erschütterung durch das Laufen standhalten. Ist die Rahmenkonstruktion zu schwach, stellen sich lästige Klappergeräusche ein. Zudem leidet der empfindliche Trainingscomputer. Ein gutes Laufband ist relativ teuer.

Detailaufnahme von einer Laufbewegung am Laufband

Das Laufband ist laut und teuer

Vergleichsweise günstiger sind da Rudergeräte. Rudergeräte sind zu Recht Klassiker bei den Heimtrainern. Mit ihnen lassen sich hervorragend das Herz-Kreislauf-System, die Muskeln und die Koordinationsfähigkeit trainieren. Anfänger sollten sich gründlich vom Fachmann einweisen lassen, denn die Bewegungsabläufe sind ungewohnt und fehlerhaftes Training birgt das Risiko von Verletzungen.

Rudergeräte sind die einzigen Heimtrainer, für die keine Klassifizierung in A, B oder C-Geräte vergeben wird. Umso wichtiger ist es, neben einer guten Beratung, das Gerät im Geschäft auszuprobieren. Der Sitz sollte leicht hin- und zurückgleiten. Reibung deutet auf eine schlechte Verarbeitung hin. Auf dem Zug muss ständig ein Widerstand liegen.

Bei mangelhaften Rudergeräten ist davon besonders am Anfang und am Ende der Bewegung nichts zu spüren. Jedoch sollten Sie sich nicht täuschen lassen. Viele Geräte versuchen das Rudern im Wasser zu imitieren, indem sie am Anfang, in der so genannten Eintauchphase, mehr Widerstand aufbauen. Das ist vollkommen in Ordnung.

Weiterführende Infos

Stand: 09.10.2018, 10:36

Darstellung: