Regeln der Tour de France

Dicht beieinander fahren die Fahrer die Etappe

Tour de France

Regeln der Tour de France

Eine sportliche Großveranstaltung wie die Tour de France kommt natürlich nicht ohne ein Regelwerk aus. Waren die Regeln zu Beginn der Tour Anfang des 20. Jahrhunderts noch eher lasch, müssen sich Fahrer und Teams heutzutage mit einer ganzen Reihe von Vorgaben auskennen. Angefangen bei den Teilnahmebedingungen über die verschiedenen Trikotfarben bis hin zur Verpflegung muss einiges beachtet werden.

Startberechtigung

Das Organisationskomitee der Tour de France lädt alljährlich ungefähr 20 Teams ein, an der Tour de France teilzunehmen. Erfolge bei anderen Rennen sind dabei genauso ausschlaggebend wie die weiße Weste der einzelnen Fahrer. Die Organisation ist laut eigenen Angaben darauf bedacht, Dopingsünder von vornherein auszuschließen, auch wenn das nicht immer gelingt.

So erklärt sich die Unterschrift, die die Fahrer seit 2007 unter eine Ehrenerklärung setzen müssen. Mit der Unterschrift erklären sie, dass sie auf jegliches Doping verzichten. Die Fahrer, die nicht unterschreiben, dürfen nicht starten. Falls trotz der Unterschrift Doping nachgewiesen wird, müssen die Fahrer eine Strafe in Höhe ihres Jahresgehalts zahlen.

Verpflegung

Ein Helfer reicht einem Fahrer einen Verpflegungsbeutel.

Während der Fahrt reichen Helfer den Fahrern Verpflegung

Sobald eine Etappe begonnen hat, können die Fahrer keine Pause mehr einlegen. So müssen einige Dinge, wie etwa Essen und Trinken, einfach auf dem Fahrrad erledigt werden. Durchschnittlich verbrauchen die Fahrer etwa 7500 Kalorien pro Etappe, sodass eine ausgewogene und regelmäßige Nahrungsaufnahme unerlässlich ist.

In gekennzeichneten Verpflegungszonen können die Teams ihren Fahrern Verpflegungsbeutel reichen. Inhalt sind vor allem extrem zuckerhaltige Lebensmittel: Powerriegel, süße kleine Kuchen und auch mal eine Cola.

Auf den letzten 20 Kilometern einer Etappe darf den Fahrern nichts mehr gereicht werden, bis dahin aber können auch die sportlichen Leiter ihren Fahrern Essen und Getränke aus dem Mannschaftswagen geben. Auch die Zuschauer bieten den Fahrern immer wieder Lunchpakete an. Meist verzichten die Fahrer aber darauf.

Zeitnahme

Generell wird bei der Zeitnahme auf volle Sekunden aufgerundet. Nur bei Gleichstand werden für die Platzierung Zehntel- und Hundertstelsekunden mitgewertet. Die Abstände zwischen den einzelnen Fahrern und Fahrergruppen werden im Ziel gewertet. Kommen Fahrer in einer Gruppe ins Ziel, werden alle Fahrer mit der gleichen Zeit gewertet.

Seit 2005 kommt noch eine Sonderregelung hinzu: Sollte ein Fahrer innerhalb der letzten drei Kilometer vor dem Ziel stürzen, wird er mit der gleichen Zeit wie die Gruppe gewertet, mit der er zum Zeitpunkt des Sturzes gefahren ist.

Für jede Etappe ist ein Zeitlimit festgelegt und es werden nur die Fahrer gewertet, die innerhalb dieses Limits das Ziel erreichen. Wenn die Rennleitung feststellt, dass 20 Prozent der Fahrer erst nach Ablauf dieses Limits die Ziellinie überqueren, kann sie das Zeitlimit nachträglich lockern.

Gelbes Trikot

Lance Armstrong, Jan Ullrich und Michael Rasmussen während der Tour de France 2005

Das gelbe Trikot bekommt der Führende der Gesamtwertung. Alle Etappenzeiten werden zusammengezählt und derjenige mit der geringsten Gesamtzeit darf das gelbe Trikot tragen.

Das "maillot jaune" gibt es schon seit 1919. Die Zuschauer sollten den Schnellsten leicht erkennen. Die Farbe geht auf eine Idee des Veranstalters Henri Desgrange zurück. Als Chefredakteur der Zeitschrift "L'Auto" wollte er eine Identifikation des Spitzenreiters mit dem auf gelbem Papier gedruckten Magazin erreichen.

Grünes Trikot

Das grüne Trikot wird seit 1953 an den besten Sprinter vergeben. Flachetappen zählen hier grundsätzlich mehr als die Bergetappen. Auch Zwischensprints fließen mit in die Bewertung ein. Die meisten Punkte gibt es aber für den Etappensieg. Wenn ein Punkte-Gleichstand besteht, gewinnt der Fahrer, der mehr Etappensiege errungen hat.

Bergtrikot

Das Bergtrikot ist wohl das mit der merkwürdigsten Farbgebung: Weißer Grund mit roten Punkten. Diese Farben gehen auf einen Schokoladenfabrikanten zurück, der 1933 die Idee dazu hatte, eine Bergwertung einzuführen. Die Schokolade von "Menier" wird in weißem Papier mit roten Tupfern verpackt.

1933 wurde der erstmals beste Bergfahrer geehrt, das Trikot selbst wurde aber erst 1975 vergeben. Auch hier richtet sich die Punktevergabe nach einem eigenen System, welches die einzelnen Berge in fünf Schwierigkeitsstufen einordnet. Die Kategorien steigern sich von Kategorie vier für leichte Hügel bis zur "Hors Catégorie" (Ehrenkategorie) für steile Gipfel.

Weißes Trikot

Der beste Nachwuchsfahrer der Saison kann seit 1975, mit Unterbrechung, das weiße Trikot sein Eigen nennen. Maximal 25 Jahre darf der Fahrer alt sein. In den Jahren 1989 bis 1999 hat die Wertung für das weiße Trikot ausgesetzt. Inzwischen wird es aber wieder regelmäßig vergeben. Es kann vorkommen, dass ein und derselbe Fahrer sowohl das weiße als auch das gelbe Trikot gewinnt. Das gelang 1997 Jan Ullrich und ihm folgte 2007 der Spanier Alberto Contador.

Rote Rückennummer

Der kämpferischste Fahrer trägt zur Belohnung eine rote Rückennummer auf seinem Trikot. Eine Fachjury, zusammengesetzt aus Sportlern, Journalisten und dem Rennleiter, bestimmt, welchem Fahrer dieser Titel gebührt. Kriterien für die rote Rückennummer sind Kampfgeist und Ausreißversuche, aber auch Leidensfähigkeit der Fahrer.

Mannschaftswertung

Die Mannschaft von T-Mobile in ihren typischen Magenta-Trikots beim Mannschaftszeitfahren.

Nicht regelmäßig im Programm: das Mannschaftszeitfahren

27 Jahre nach der ersten Tour de France 1903 gab es erstmals eine Mannschaftswertung. Die Zeiten der besten drei Fahrer eines Teams werden bei jeder Etappe berechnet und addiert. Mannschaften mit weniger als drei Fahrern können nicht bewertet werden. Die Fahrer des schnellsten Teams werden mit einer gelb unterlegten Rückennummer ausgestattet. Früher wurden gelbe Mützen verteilt, aber da seit einiger Zeit Helmpflicht besteht, werden nun die Rückennummern gefärbt.

Verstöße

Ein Team von Rennkommissaren überwacht die Einhaltung der Regeln während der Fahrt vom Motorrad aus. Verstößt einer der Fahrer gegen das Reglement, so muss er mit Geld- oder Zeitstrafen oder gar einer Disqualifikation rechnen. In Sprintsituationen achten die Regelhüter zum Beispiel darauf, dass die Fahrlinien eingehalten werden und dass die Fahrer keine Mannschaftskameraden anschieben. Sie ahnden Verstöße gegebenenfalls mit einer Zurücksetzung im Tagesklassement.

Ausnahmen von der Regel gibt es immer. Wenn ein Fahrer etwa von einem Arzt betreut wird, oder sein Rad repariert werden muss, drücken die Rennkommissare meist ein Auge zu, wenn der Fahrer danach kurz im Windschatten des Teamwagens anfährt.

Pannenhilfe und ärztliche Betreuung

Wenn ein Fahrer während der Tour eine Panne hat, ist entweder ein Teamwagen oder ein neutraler Materialwagen in der Nähe um auszuhelfen. Allerdings dürfen die Wagen nur rechts am Wegesrand hinter einer Ausreißergruppe oder dem Hauptfeld agieren. Ärztliche Hilfe bekommen die Fahrer von einem Arzt des offiziellen ärztlichen Dienstes, ebenfalls hinter dem Hauptfeld der Fahrenden.

Autorin: Anna Seidel

Stand: 07.06.2016, 16:27

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