Palliativstation und Hospiz

Blick in ein sehr schön eingerichtetes Sterbezimmer in  einem Hospiz.

Sterben

Palliativstation und Hospiz

Seit rund 25 Jahren gibt es in Deutschland ein Netz an Einrichtungen für sterbenskranke Menschen. Mediziner, Therapeuten, Seelsorger und Ehrenamtliche kümmern sich um die medizinische Versorgung und um den bestmöglichen Erhalt der Lebensqualität. Entwickelt haben sich seitdem verschiedene Formen der stationären und ambulanten Pflege.

Schützender Mantel für Kranke

Das lateinische Wort "Pallium" bedeutet "Mantel". In ihrem Selbstverständnis will die Palliativmedizin Patienten umhüllen und vor Schmerzen und unerträglichem Leid schützen. Nicht die Heilung, sondern die Lebensverlängerung und Verbesserung der Lebensqualität stehen im Vordergrund.

Es geht auch um Nähe und Zuwendung. Im Mittelpunkt steht der kranke Mensch, seine individuellen Wünsche und Bedürfnisse. Palliativstationen haben daher das Ziel, dass der Patient entlassen werden kann. Im Hospiz hingegen können unheilbar kranke Menschen ihre verbleibende Lebenszeit verbringen.

Definition der Weltgesundheitsorganisation

Im Jahr 1990 definierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die palliative Therapie als umfassende und aktive Behandlung von Patienten, deren Erkrankung einer kurativen Therapie nicht mehr zugänglich ist, und für die das Behandlungsziel die bestmögliche Lebensqualität für sie selbst und ihre Angehörigen ist.

Team der Palliativversorgung

Die Palliativversorgung bedeutet eine kontinuierliche Versorgung durch Mediziner oder Pflegedienste, die wiederum mit Seelsorgern, Sozialarbeitern, Psychologen, Krankenpflegern und Therapeuten zusammenarbeiten.

Zu der allgemeinen Palliativversorgung gehören ambulante Hospizdienste, aber auch stationäre Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser. Hier wird der überwiegende Teil schwerstkranker und sterbender Menschen betreut.

Die spezialisierte Form der Palliativversorgung

Stationäre Hospize, Palliativstationen und seit einigen Jahren die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) sind die Bestandteile der spezialisierten Palliativversorgung. Rund zehn bis 15 Prozent der Sterbenden benötigen diese besondere Betreuung.

Die Zahl der stationären Einrichtungen ist in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren deutlich gewachsen. Gab es in den 1990er Jahren noch 30 stationäre Hospize, waren es im Jahr 2011 mit 195 mehr als sechsmal so viele. Die Zahl der damaligen 28 Palliativstationen hat sich auf 231 erweitert.

Stationäre Kinderhospize

Diese Pflegeeinrichtungen sind, anders als ihr Namen vermuten lässt, vom Krankenhaus unabhängig. Wenn gerade keine medizinische Behandlung notwendig ist, sorgen stationäre Kinderhospize für eine Entlastung der betroffenen Familien. Im Sinne einer Kurzzeitpflege wird das Angebot für zwei oder vier Wochen genutzt.

Im Unterschied zu Erwachsenen-Hospizen verstirbt nur ein kleiner Teil der Gäste im Hospiz. Stationäre Kinderhospize benötigen jährlich rund eine dreiviertel Million Euro, um weiter geöffnet zu bleiben. Fünf Prozent werden als Eigenanteil über Spenden finanziert.

Anders als in Deutschland gehören Palliativmediziner in Großbritannien, Irland, USA oder Polen obligatorisch zum Behandlungsteam eines stationären Hospizes. Hierzulande sind es Pflegeteams, die teilweise von einem Arzt unterstützt werden.

Schild vor einem Kinderhospiz.

Entlastung für betroffene Familien: Kinderhospiz

Ambulante Palliativversorgung

Im Rahmen der Gesundheitsreform wurde 2007 im Sozialgesetzbuch der Rechtsanspruch auf die spezialisierte ambulante Palliativversorgung für die Versorgung im häuslichen Umfeld verankert. Mit dem Hinweis "die besonderen Belange von Kindern sind zu berücksichtigen" wurde ausdrücklich auch eine spezifisch pädiatrische SAPV gefordert. Für die Betroffenen heißt das, dass sie einen Anspruch auf die Pflege zuhause haben.

Gut koordiniertes Netzwerk für Schwerstkranke

Um der Versorgung der schwerstkranken und sterbenden Patientinnen und Patienten gerecht zu werden, sind die Teams daher multiprofessionell aufgestellt. Nur durch den Aufbau regionaler Zentren kann die Versorgungskontinuität sichergestellt werden. Damit eine Begleitung im Sinne der Patienten und ihrer Angehörigen gelingen kann, ist eine gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten eine Grundvoraussetzung.

Eine erwachsene Hand hält eine kleine Kinderhand.

Intensive Zuwendung für schwerstkranke und sterbende Kinder

Autorin: Andrea Wieland

Stand: 16.10.2018, 12:00

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