Kaffeeröster Norbert Becker

Nahaufnahme von geröstetem Kaffee

Kaffee

Kaffeeröster Norbert Becker

Von Robert Manz

Norbert Becker ist Röster aus Leidenschaft. Doch das war nicht immer so. Wegen Magenproblemen trank der damalige Außendienstleiter jahrelang keinen Kaffee, bis er auf eine kleine Rösterei in der Mainzer Neustadt stieß. Seine Lust auf Kaffee war neu geweckt.
Als der Vorbesitzer in den Ruhestand gehen wollte, fackelte Becker nicht lange. Er kündigte seinen alten Job und übernahm die Rösterei. Seither vertreibt er fair gehandelte Kaffees aus Kooperativen weltweit.

Planet Wissen: Wie trinken Sie als Röster, der ja verschiedenste Kaffees herstellt, Ihren Kaffee am liebsten?

Norbert Becker: Generell trinke ich meinen Kaffee nur schwarz. Morgens, wenn es schnell gehen muss, meistens aus dem Vollautomaten. Im Geschäft haben wir ja dann die klassischen Siebträgermaschinen, da greift man dann natürlich nochmal zu. Einem guten Filterkaffee bin ich aber auch nicht abgeneigt. Sagen wir so: Ich trinke ihn der Situation angepasst.

2003 haben Sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. War das mehr Abenteuerlust oder nur die Angst, den Lieblingskaffee nicht mehr zu bekommen?

Es war tatsächlich eher die Angst vor dem Verlust. 2003 war der Vorbesitzer ja schon 80 Jahre alt. Da niemand aus der Familie sich bereit erklärte, die Rösterei zu übernehmen, war sehr naheliegend, dass die Tür verschlossen wird. Da ich bei jedem Besuch faszinierter war, konnte ich mir das dann irgendwann sehr gut vorstellen.

Sie hatten damals aber auch beruflich eine schwere Zeit. Hat das in Ihre Entscheidung mit reingespielt?

Klar, auf jeden Fall. Ich musste wegen der Wirtschaftskrise nach den Terroranschlägen vom 11. September viele Leute entlassen, von deren Arbeit ich überzeugt war. Das waren sehr schwere Gespräche und sowas wollte ich nicht wieder machen müssen. Es hat einfach alles gepasst, und ich habe den Schritt gewagt.

Und dann begann Ihre Lehrzeit bei Herrn Geiling…

…und die war nicht so leicht (lacht). Er hat mir alles erklärt: Technisches, aber eben auch Handwerkliches. Und ich habe sehr viel ausprobiert. Viele, viele Stunden eine Mischung nach der anderen getestet.

Was hat denn Herr Geiling zu Ihren neuen Mischungen gesagt?

Die erste Reaktion war immer: "Das braucht doch kein Mensch". Aber er hat mich einfach weiter machen lassen. Bei der Verkostung meinte er oft: "Naja, kann man schon trinken." Das war wohl das größte Lob, was ich bekommen konnte.

15 Monate sind keine lange Lehrzeit. Konnten Sie danach wirklich alles?

Natürlich nicht. Es gab danach ganz oft Situationen, über die wir mal geredet hatten, die aber nicht eintraten. Und dann muss man schnell reagieren. Richtig gut wird man erst mit den Jahren – die Routine macht's. Es ist nicht schwer, einmal guten Kaffee zu rösten. Die Kunst ist es, den Kaffee immer wieder gleich gut zu rösten.

Sie haben dann auch schnell expandiert. Warum?

Die Rösterei liegt total versteckt in der Mainzer Neustadt. Da verirrte sich kaum mal jemand hin. Deshalb haben wir ein Café am Rande der Fußgängerzone eröffnet. Dort gab es auch sehr hochwertige Schokoladen, was ein eine wunderbare Ergänzung zum Kaffee ist.

Irgendwann wurde es Ihnen aber zu viel, oder?

Das war 2009. Wir hatten innerhalb kürzester Zeit drei Cafés eröffnet, davon ein sehr großes. Da war ich dann plötzlich der Haus- und Hofmeister, musste mich um zu viele Kleinigkeiten auf einmal kümmern. Meine eigentliche Leidenschaft, der Kaffee, kam dabei dann zu kurz, so dass ich beschlossen habe, das Ganze wieder etwas zurückzufahren und mich auf das zu konzentrieren, was mir Freude bereitet.

Neben dem Kaffee aus Lampocoy bieten Sie inzwischen viele Kaffees aus Kooperativen an. Wie kam es dazu?

Die wurden an mich herangetragen. Es hat sich rumgesprochen, dass ich schon einen Kooperativenkaffee im Sortiment habe. Dann wurden mir nach und nach weitere Sorten angeboten. Ich habe beispielweise erst vor kurzen einen peruanischen Kaffee gegen einen Kooperativenkaffee aus Peru ausgetauscht. Ein herrliches Produkt. Das hat sich auch qualitativ gelohnt.

So lange die Qualität stimmt und wir auch noch etwas Gutes tun können, warum sollten wir das dann nicht tun? Inziwschen gibt es auch aus Thailand Kaffees aus Kooperativen, den wir auch im Sortiment haben.

Je nach Anbaugebiet ist der Geschmack von Kaffee sehr unterschiedlich. Haben Sie eine persönliche Lieblingsregion?

Ja, tatsächlich. Meine Favoriten kommen eher aus der indonesischen oder indischen Ecke. Die sind wie ein interessanter Rotwein. Ein sehr breites, sattes Aromenspektrum.

Nachmittags darf's dann aber auch südamerikanisch sein. Diese Kaffees sind einfach etwas milder. Nachmittags muss es ja nicht mehr ganz so kräftig sein wie morgens. Das passt auch besser zu einem Stück Kuchen, wenn dafür mal Zeit ist.

Stand: 28.01.2015, 14:00

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