Internationales Verbrechen

Mann mit Interpol-Warnweste hält Auto an

Verbrechen

Internationales Verbrechen

Geklaute Autos, Drogendelikte, Waffenschiebereien, Kinderpornografie, Geldwäsche, ausgespähte Kontodaten und Schleuserkriminalität. International organisierte Verbrecher haben fast überall ihre Finger im Spiel. Keine leichte Aufgabe für die Polizei. Immerhin: Die staatlichen Behörden helfen sich gegenseitig – und das weltweit. Zudem wurden zahlreiche internationale Organisationen gegründet. Interpol und Europol sind zwei der wichtigsten Behörden im Kampf gegen die kriminellen Banden und Verbrecherkartelle.


Mit der Mobilität kam das Internationale Verbrechen

Angeblich hochwertige Marken-T-Shirts, Jacken, Taschen – billig hergestellt in China, gedacht für den italienischen Markt. Die Abnehmer: die Mafia.

Noch vor etwas mehr als hundert Jahren waren Verbrechen mit einer intensiven internationalen Verflechtung, wie wir sie heute in vielen Bereichen erleben, sehr unwahrscheinlich. Der Begriff des internationalen Verbrechens war damals nahezu unbekannt.

Wandgemälde: Eröffnung der Ludwigsbahn von Nürnberg nach Fürth

Die Mobilität schaffte neue Möglichkeiten

Geldfälscher, Schmuggler und andere Kriminelle waren in der Regel nicht in weltweit agierende internationale Syndikate verflochten. Die technischen Möglichkeiten dazu haben sich erst nach und nach entwickelt. So wurde der Mensch, auch der Verbrecher, unter anderem mobiler. Am Anfang der Globalisierung des Verbrechens stand zum Beispiel die Eisenbahn, jetzt ist es das Internet.

Schleuserbanden und Drogenkartelle können mittlerweile mit modernster Technik schnell handeln. Die Welt rückt auch sonst immer enger zusammen, Grenzkontrollen entfallen – weitere Gründe, die sich auch positiv für die Verbrecher auswirken.

Die Struktur des internationalen Verbrechens hat sich stark gewandelt – weg von der regional handelnden Bande, hin zum weltweit agierenden kriminellen Konzern. Aber: Was ist eigentlich aus heutiger Sicht ein internationales Verbrechen?

Eine schwierige Frage, vor allem deswegen, weil es nach wie vor keine einheitliche Definition gibt. Ganz generell kann man aber sagen, dass ein Verbrechen, von dem zwei oder mehr Mitgliedsstaaten betroffen sind, als eine Art internationales Verbrechen anzusehen ist.

Auch die Frage, welche Delikte darunter fallen, lässt sich nicht einfach beantworten. Aus deutscher Sicht sind Verbrechen mit internationalem Bezug unter anderem der Rauschgifthandel, Waffenschiebereien, Schleuserkriminalität oder Geldwäsche.

Erfolgreiche Maßnahmen

Die Verhaftung von Geldfälschern in Bulgarien, die Festnahme des Chefs der polnischen Pruszkow-Bande oder die Jagd nach Kinderschändern weltweit: Die internationalen Behörden sind wachsam und haben den Kampf gegen das Internationale Verbrechen längst erfolgreich aufgenommen.

Interpol, Europol und das Bundeskriminalamt (BKA) – das sind aus deutscher Sicht drei der wichtigsten Einrichtungen, wenn es um Verbrechensbekämpfung auf internationaler Ebene geht.

Schild: Bundeskriminalamt.

Das Bundeskriminalamt ist in Deutschland zuständig

Interpol umfasst 190 Staaten weltweit, Europol einen Großteil der europäischen Staaten und das BKA ist für die Verbrechensbekämpfung auf deutscher Seite zuständig und gleichzeitig die Nahtstelle zu den internationalen Behörden.

Interpol und Europol sind zwei Einrichtungen, die die Aufgabe haben, Informationen aus den verschiedenen Ländern zu sammeln und zur Verfügung zu stellen.

Die nationalen Behörden schließlich verwenden diese Informationen und Daten dann zur Verfolgung von Straftätern in ihren Ländern. Sie werden sozusagen im Namen von Europol und Interpol aktiv. Europol und Interpol selbst haben keine eigene exekutive Gewalt, sie bilden eine Art Organisationsrahmen für den Kampf gegen Internationale Verbrechen.

Probleme der Zusammenarbeit

Die Arbeit in der Praxis ist nicht immer einfach. So gibt es gerade auf internationaler Ebene viele Länder mit einem anderen Rechtsverständnis als zum Beispiel Deutschland.

Wie wird mit einem Verbrecher umgegangen, der in Deutschland verhaftet wird, aber eigentlich von einem nichtdemokratischen Land gesucht wird? Was passiert mit einem Kriminellen, wenn ihm bei einer Auslieferung an ein anderes Land, wie zum Beispiel die USA, die Todesstrafe drohen würde?

Verhaftung des Camorra Chefs Vincenzo Di Lauro

Auslieferung kann problematisch sein

Wichtige Fragen für die Behörden. Dadurch, dass gerade im Bereich Interpol so viele Staaten unter einem Dach versammelt sind, gibt es im Rahmen der Strafverfolgung aber noch viel mehr Schwierigkeiten.

So wird zum Beispiel eine Reihe von Verbrechen auf Interpol-Ebene gar nicht erst verfolgt, weil man eine Einmischung in sogenannte "innere Angelegenheiten" befürchtet. Gemeint sind hier Verbrechen, die vor einem politischen, religiösen oder rassischen Hintergrund begangen wurden.

Aber nicht nur bei der Verbrechensbekämpfung weltweit, auch beim Kampf gegen die Syndikate innerhalb Europas gibt es Probleme.

Zum Beispiel existieren an den unterschiedlichen Grenzen Europas unterschiedliche Bestimmungen. Welche Polizei darf was an welcher Grenze? Rechtsharmonisierung ist hier das Stichwort. Europa versucht beim Kampf gegen das Verbrechen einen gemeinsamen Nenner zu finden. Aber noch ist es nicht so weit.

Ausbildung zum Verbrechensbekämpfer

Viele Berufe innerhalb der Polizeibehörden dienen der Bekämpfung des internationalen Verbrechens. Beim Bundeskriminalamt zum Beispiel sieht der klassische Werdegang zum Kriminalkommissar eine dreijährige Ausbildung vor. Diese Ausbildung beinhaltet ein Studium an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung. Dazu gehört natürlich auch ein sehr breiter Praxisteil – angefangen vom Durchlaufen verschiedener Dienststellen bis hin zum Schießtraining.

Polizisten eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) trainieren auf einem Polizeiübungsgelände das Schießen mit Pistolen

Schießübungen gehören zur Ausbildung

Neben dem Kriminalkommissar gibt es bei der Polizei aber auch noch eine Reihe weiterer Berufe, die für die Bekämpfung des internationalen Verbrechens wichtig sind – vom Profiler bis zum Daktyloskopen, also einem Experten für Fingerabdrücke.

Den typischen Interpol- oder Europolbeamten gibt es allerdings nicht. Zwar arbeiten auch einige deutsche Beamte in den Behörden von Europol und Interpol, die Strafverfolgung wird aber immer von der Polizei vor Ort gemacht.

Mit anderen Worten: Der normale Polizeibeamte wird für Interpol oder Europol aktiv, wenn es die Situation erfordert. Interpol und Europol an sich haben keine Exekutivbefugnisse. Wer also im Auftrag von Interpol oder Europol arbeiten möchte, sollte – aus deutscher Sicht – eine Ausbildung bei der deutschen Polizei anstreben.

Autor: Christian Jakob

Weiterführende Infos

Stand: 03.01.2018, 12:53

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